«D‘Wiehnacht wird abgseit, dr Josef het alles gstandä» - Stiller Has polarisiert, ganz klar. «Den hätte ich mir eigentlich schenken können», sagt eine Frau am Freitag auf dem Liestaler Gestadeckplatz. Doch ihr Mann beharrt: «Sicher nicht, live ist der super.» 

Es spielen Kino Kino, neben Sunday Morning Session eine der Vorbands, die an der zehnten Ausgabe des Liestal Air vor den Berner Pop-Grössen Polo Hofer und Stiller Has auftreten dürfen. Die Musik von Kino Kino erinnert an Plüsch, ihr optisches Auftreten aber eher an Placebo. Die Aargauer Band passt mit ihrem Mundart-Pop gut zu den beiden Headlinern, auf die das Publikum bangt. 

Kino Kino - Millionär

Offiziell ist Polo der Haupt-Act, doch viele Fans strömen bereits jetzt vor die Bühne - Endo Anaconda ist dran. Mit seinen provokativen Texten schafft er es immer wieder, knapp nicht dem kompletten Unsinn zu verfallen: «Aber i gloube immer no a Märli …» 

Seine Musik mag man oder eben nicht. Aber kein Stiller-Has-Kritiker kann dem gebürtigen Burgdörfer den Charme absprechen. «Dir sit so härzig, aber i cha euch nit alli mit hei neh», so der Singer-Songwriter zum Abschied. 

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AHV-positiv

«Ich bi gli AHV-positiv», sagte der bald 60-jährige Anaconda nach dem Stück «Böses Alter». Wir haben 21.50 Uhr, und nun tritt einer auf die Bühne, der bereits seit fünf Jahren Rente bezieht. Polo Hofer, als wollte er sich für seine nicht mehr allzu energiegeladenen Auftritte entschuldigen, singt: «Ich bi doch ä liebä Siech, i has, weiss Gott, im Läbe nid liecht, i würds besser mache, wenni wüsst wimes miech». Und damit hat er das Publikum bereits auf seiner Seite.

Die Fotografen, die bei Hofers Auftritten mittlerweile auf den Bildstabilisator verzichten können, kassieren einen Seitenhieb in typischer Manier: «Polo isch ä gschütztä Namä im Fall, das chunnt eucher Redaktion no tüür zstoh.» So, wie man ihn kennt, den alten «Zündi-Siech» mit dem «Zigüünerhärz». Wir wagen es trotzdem: Sie können die Bilder oben in der Galerie anschauen.

Obwohl Polo schon sieben Mal von seinen Rücktritten zurücktrat, glaubt man ihm nun, dass es sich wirklich um seine «Abschiedstournee» handelt. Die Luft ist allmählich draussen. Nach dem gefühlt 12 Minuten langen «In Memphis» mit zahlreichen Einschüben gewährt ihm Gitarrist Mario Capitanio - sein «wichtigster Sidekick», wie Polo sagt - eine Rauchpause und begeistert das mitsingende Publikum mit «Purple Rain».

Letztmals im Raum Basel

Um 23.10 war es dann endlich so weit: «Alpärosä, chömmä mir i Sinn – bäräbäpäääräpä, bäräbäpäääräpä …» Und nach nur einer Zugabe - ausgerechnet «Im letschte Tram» - machen Polo und Band verdient Feierabend.

Die Fans hatten am Freitag die Gelegenheit, ins letzte Tram zuzusteigen. Es war das letzte Konzert von Polo National im Raum Basel. Ein gewisser Abschiedsschmerz und Melancholie waren im Publikum nicht zu überspüren. Ein wenig so, als würde Weihnachten abgesagt.

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