Liestals Stadtpräsident Daniel Spinnler scheint in Bundesbern mächtig Einfluss zu haben. Am Mittwoch hatte die bz berichtet, dass der Baselbieter Kantonshauptort attraktive Schnellzugsverbindungen zu verlieren droht. So fällt jene nach Luzern per 2025 weg. Weitere könnten folgen. Das will Spinnler keinesfalls akzeptieren und kündigte an, mit den Bundesparlamentariern aus der Region das Gespräch zu suchen.

Diese haben noch am gleichen Tag reagiert, um sofort mit mehreren Vorstössen Druck zu machen. Die heute gut erschlossene Verkehrsdrehscheibe Liestal drohe zum Provinzbahnhof zu werden, ärgert sich Maya Graf. «Für den Kantonshauptort mit grossem Einzugsgebiet sind diese Verbindungen und Umsteigemöglichkeiten auf den Fernverkehr zentral», findet die Baselbieter Grünen-Nationalrätin. Für sie ist klar: Der Bundesrat soll die Abbaupläne der SBB und des Bundesamts für Verkehr (BAV) stoppen. Der Erhalt von Schnellzughalten in regionalen Zentren ermögliche immerhin eine massive Entlastung des privaten Verkehrs.

Weitere Schritte aufgleisen

Für FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger droht die Region aufs Abstellgleis zu geraten. In dieselbe Kerbe haut SP-Ratskollegin Susanne Leutenegger Oberholzer. Ihr stösst zusätzlich sauer auf, dass der Abbau ausgerechnet in jenem Jahr stattfinden soll, in dem der Vierspurausbau sowie der neue Bahnhof Liestal fertig werden sollen. Die Bevölkerung müsse während sieben Jahren eine Grossbaustelle ertragen und erhalte dafür noch Verschlechterungen im Fahrplan, ergänzt Schneeberger.

Mit ihrer neuen Fernverkehrs-Strategie richten sich Bund und SBB unter anderem nach den Bevölkerungszahlen. Liestals Pech: Es gilt nicht als «einwohnerstarke Agglomeration» mit über 70'000 Bewohnern. Auch dagegen wehrt sich die Region. Bereits am Montag wollen Parlamentarier den Liestaler Stadtpräsidenten Spinnler in Bern treffen. Dann sollen nächste Schritte besprochen werden.