Naturschutz

Mit Tanz und Musik gegen Rodungen beim Goetheanum: Umwelt-Aktivisten wollen Flora und Fauna schützen

Rechter Hand, direkt vor dem Goetheanum, liegt das Schwinbach-Areal, das überbaut werden soll.

Rechter Hand, direkt vor dem Goetheanum, liegt das Schwinbach-Areal, das überbaut werden soll.

Diese Aktivisten wählen eine besonders originelle Art, ihr Anliegen kundzutun. Der Grund: Das Bauprojekt Schwinbach Süd in Arlesheim gefährde seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Gemeinde hat dort kein Naturinventar erstellt.

Naturschützer der Region sind alarmiert: «Help us save 80 TREES!» Auf Englisch haben sie über das Chatprogramm «WhatsApp» einen Aufruf an potenzielle Unterstützer gestartet. Sie warnen, dass in Arlesheim ein «unique ecosystem», ein einzigartiges Ökosystem, zerstört werden könnte – und das bereits in wenigen Tagen. Es geht um das geplante Überbauungsprojekt «Schwinbach Süd», direkt neben dem Pflegezentrum Obesunne nördlich des Goetheanums. Vier Wohnhäuser mit 52 Wohnungen will der Generalunternehmer Implenia bauen. Dafür kaufte er das grösste Grundstück erst vergangenen Monat der Klinik Arlesheim ab. Der Kanton bewilligte den Quartierplan Anfang 2019, nun steht die Einreichung des Baugesuchs bevor.

Der Plan der Naturschützer ist es aber nicht etwa, sich an die Bäume zu ketten. Auf dem Areal wollen sie eine festliche Demonstration organisieren mit Tanz, Spiel und Musik, sobald die Bäume gefällt werden sollen, heisst es in der Textnachricht, die der bz zugespielt wurde.

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Naturschutzgebiet liegt direkt nebenan

Widerstand gegen ein Bauprojekt neben dem Goetheanum? Wem das bekannt vorkommt, der dürfte sich an den Verein «Initiative zum Schutz des Kulturgutes am Goetheanum» erinnern. Dieser wehrte sich erst Mitte Dezember gegen das Bauprojekt der Steiner AG, «La Colline – Auf der Höhe», mit seinen 29 Eigentumswohnungen und 16 Reiheneinfamilienhäusern in direkter Nachbarschaft zu Schwinbach Süd. Dort geht es allerdings weniger um Natur- als um Denkmalschutz.

Tatsächlich stehen hinter beiden Widerständen dieselben Köpfe. Gab damals Ueli Steiger Auskunft, ist es nun seine Frau Jenny Steiger. Mittlerweile heisst die Initiative «Natur- und Kulturraum Dornach-Arlesheim» und wird von namhaften Organisationen unterstützt, so etwa der Fondation Franz Weber, dem WWF Region Basel sowie dem Arlesheimer Naturschutzverein und dem Dornacher Natur- und Vogelschutzverein.

Der Feuersalamander braucht eine grüne Umgebung, um sich verstecken zu können.

Der Feuersalamander braucht eine grüne Umgebung, um sich verstecken zu können.

Geplant ist unter anderem eine Petition. Für die Rettung der 80 Bäume käme diese aber wohl zu spät, weswegen man den Aufruf lancierte. «Ich bin hochgradig beunruhigt», sagt Jenny Steiger auf Anfrage. «Das Areal nördlich des Schwinbächleins ist ökologisch sehr wertvoll mit Feuersalamandern, Schwanzlurchen, Ringelnattern und einer grossen Vielfalt an teils auf der roten Liste stehenden Vögeln.» Worauf sie zudem hinweist: Die direkt an das Projektareal angrenzende Parzelle 560 am Schwinbächlein ist bereits ein kommunales Naturschutzgebiet. Im Arlesheimer Naturinventar wird es als «wertvoll» eingestuft. «Es liegt auf der Hand, dass die Tiere und Pflanzen nicht an der Parzellengrenze Halt machen», sagt Steiger.

Auch Ringelnattern sind betroffen.

Auch Ringelnattern sind betroffen.

Implenia rodet die Bäume frühestens im Februar

Dass drei der vier von Schwinbach Süd betroffenen Parzellen im Naturinventar nicht vorkommen und die Gemeinde dies auch nicht im Rahmen des Quartierplans nachgeholt hat, ist einer der Hauptvorwürfe der Naturschützer. Dies verstosse gegen das kantonale Natur- und Landschaftsschutzgesetz. Das würde Markus Eigenmann erstaunen. Der Arlesheimer Gemeindepräsident sagt: «Wir sind uns keiner Verfahrensfehler bewusst.» Ausserdem hätte sonst die Regierung den Quartierplan kaum bewilligt.

Dennoch: Die Naturschützer wollen Einsprache erheben, sobald Implenia das Baugesuch eingereicht hat.
Dies wird laut Sprecherin Eva Heimrich «in den nächsten Wochen» geschehen. Sie hält fest, dass man von gefährdeten Tier- oder Pflanzenarten nichts wisse und das Vorprojekt nach anthroposophischen Grundlagen mit viel Grünraum erarbeitet habe. Unter anderem wurde die Parzelle direkt am Schwinbächlein extra als Schutzzone ausgeschieden.

Und noch etwas teilt Heimrich mit: «Im Laufe dieses Monats planen wir noch keine Eingriffe wie Baumrodungen auf dem Areal.» Die Naturschützer bleiben allerdings skeptisch – und in Alarmbereitschaft.

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