Baselland

Mit diesem neuartigen Testverfahren wollte Singulex die Welt erobern – mit Basel als Sprungbrett

Mit neuartigen Testverfahren wollte Singulex Millionen verdienen – mit Basel als Sprungbrett.

Mit neuartigen Testverfahren wollte Singulex Millionen verdienen – mit Basel als Sprungbrett.

Von Basel aus wollte eine US-Firma mit medizinischen Tests Millionen verdienen – es kam anders.

Einst entwickelte das US-Unternehmen Singulex einen Test, der Herzinfarkt-Risiken erkennen sollte. 220 Millionen Franken hatte es für diesen und andere sowie neue Testverfahren von Investoren eingestrichen. An der Spitze stand der Schweizer Guido Bächler, ein ehemaliger Roche-Manager, der in Basel den European Hub gründen, Dutzende Leute einstellen und von hier aus die Tests auf dieser Seite des Globus verkaufen wollte. Es hätte das grosse Ding werden sollen.

Der vom Bund beauftragte Wirtschaftsförderer «Switzerland Global Enterprise» bot den Kantonen die Ansiedlung von Singulex an. «Basel Area» machte das Rennen. Im August 2016 waren Manager aus den USA in Basel zu Gast. Es gab eine «Welcome-Präsentation», ein gemeinsames Mittagessen, Gespräche über Lieferketten und ein Meeting mit einem Anwalt, bei dem Steuerfragen diskutiert wurden. Das sagt ein Sprecher von «Basel Area» auf Anfrage. Ein paar Monate später zeigten die Standortförderer den Singulex-Leuten vier Immobilien in Basel. Doch sie blieben leer. Unterschlupf gefunden hatte die Schweizer Niederlassung dafür im Basler Büro der Revisionsgesellschaft BDO, Partner Andreas Zbinden wurde Verwaltungsrat der neuen Basler Singulex International AG.

Der Traum endete vergangene Woche wenig glamourös im kantonalen Amtsblatt mit der Zwangsauflösung der Basler Niederlassung, nachdem schon der US-Teil der Firma alle Mitarbeiter entlassen hatte. Zurück bleibt ein Treuhänder, der sich über unprofessionelles Verhalten beschwert und Werte von angeblich bis zu 30 Millionen Franken. Ein Teil davon dürfte noch immer in der Basler Firma liegen, die jetzt aufgelöst wird.

Treuhänder: «Ich finde das unprofessionell»

Bei den vergessenen Millionenwerten handelt es sich um Lizenzrechte. Dokumente aus dem Handelsregister zeigen, dass die Amerikaner diese zur Gründung in die Basler Firma geschoben haben. Im Gegenzug schrieben sich die Amerikaner eine Forderung über 30 Millionen Dollar gut. 2017 wandelten die Amerikaner die Hälfte ihrer Forderung in Eigenkapital um und stockten das Aktienkapital der Basler Gesellschaft auf sagenhafte 14,2 Millionen Franken auf.

Doch im November vergangenen Jahres warf Treuhänder Zbinden den Bettel hin und entzog der Firma das Domizil. Er sei sehr enttäuscht, dass er keine Informationen mehr aus den USA über Entwicklungen der letzten Monate erhalten habe, schrieb er in einer E-Mail nach Amerika, die im Handelsregister hinterlegt ist. «Ich finde das unprofessionell», schrieb Zbinden. Da die Firma nun kein Domizil mehr hatte, leitete das Zivilgericht die Auflösung ein.

Das wäre nicht der Rede wert, müssten in der Firma nicht noch Werte in Millionenhöhe liegen. Nach Schweizer Recht muss mindestens die Hälfte des Aktienkapitals tatsächlich vorhanden sein, sonst ist der Verwaltungsrat verpflichtet, die Bilanz zu sanieren oder gar zu deponieren. In dem Fall liegt die Hälfte bei 7,1 Millionen Franken. BDO-Treuhänder Zbinden beruft sich auf sein Mandatsgeheimnis und sagt lediglich: «Die Markteinführung des Testverfahrens verzögerte sich, und die neue Technologie wurde vom Markt nicht so nachgefragt wie prognostiziert.»

Präsident glaubt, Firma sei schon aufgelöst

Guido Bächler ist zwar vergangenen Sommer als CEO der Singulex entlassen worden, doch Verwaltungsrat der Schweizer Niederlassung ist er weiterhin. Als ihn die bz telefonisch in der San Francisco Bay Area erreicht, sagt er: «Ich dachte, die Schweizer Firma sei schon aufgelöst und rückabgewickelt.» Genaueres will er nicht wissen, es sei eine «traurige Geschichte» gewesen. Singulex hatte letzten Sommer Knall auf Fall dichtgemacht und ihre rund 70 Angestellten auf die Strasse gestellt. Hintergrund: Zuvor wurde sie von der kalifornischen Staatsanwaltschaft und der FBI beschuldigt, auf Staatskosten unnötige Tests durchgeführt zu haben. Singulex schloss einen Vergleich und zahlte 1,25 Millionen Dollar, ohne rechtlich Schuld einzugestehen.

Heute ist die Firma zwar im kalifornischen Handelsregister noch eingetragen, die Internetadresse ist aber lahmgelegt. Das Urteil des Basler Zivilgerichts wurde vergangenen Woche rechtskräftig: Die Singulex-Lizenz-Millionen aus Basel – so sie vorhanden sind – fliessen in die Konkursmasse.

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