Die Tinte auf dem Zweijahresvertrag ist kaum getrocknet, als die «Nordwestschweiz» Kay Voser auf dem Handy erreicht. Er schaut sich bei einem Spaziergang gerade die Innenstadt Londons an, als er sagt: «Für mich ist es ein Traum, der in Erfüllung geht. Die Stadt hat seit jeher eine spezielle Anziehungskraft auf mich.»

Kurz zuvor hat er auf dem Vereinsgelände des FC Fulham das erste Mal in seinem neuen Trikot posiert. «Es ist gerade alles sehr aufregend und ich freue mich riesig auf das, was kommt.»

Aufregend waren für Kay Voser auch die Tage um den 4. April 2013. Hinter dem Aargauer, der 2011 von den Grasshoppers zum FCB kam, lag eine lange Zeit des Leidens. Immer wieder hatte er mit Verletzungspech zu kämpfen gehabt.

Nun trat der FC Basel im Hinspiel der Europa-League-Viertelfinals auswärts bei Tottenham Hotspur an und Voser stand in der Startelf – drei Tage zuvor hatte er in der 1. Liga seinen ersten Ernstkampf seit vier Monaten absolviert. Vor dem Anpfiff an der White Hart Lane sagte Alex Frei zu Voser: «Das ist deine letzte Patrone im Lauf!»

Voser verstand und spielte seine bis dahin beste Partie im FCB-Dress. Dass zwischen dem Aargauer und der englischen Hauptstand eine besondere Verbindung besteht, zeigte sich in den folgenden Partien gegen Chelsea, den anderen Grossklub aus London. Auch in diesen gehörte Voser zu den besten Baslern. Teamkollegen und die Presse nannten ihn ab sofort «London-Kay».

Eine einmalige Chance

Rückblickend ist der 4. April 2013 für Voser «meine Wiedergeburt als Fussballer». Umso mehr habe es ihn gefreut, als er im Frühling das erste Mal vom Interesse des Londoner Traditionsklubs Fulham gehört habe. Lange sei er unentschlossen gewesen, das Angebot des deutschen Trainers Felix Magath anzunehmen.

Nicht, weil Fulham in der abgelaufenen Saison aus der Premier League abgestiegen sei: «Das ist Nebensache, wir wollen sofort wieder aufsteigen.» Vielmehr habe er sich in Basel eingenistet und ein Umfeld aufgebaut, das zu verlassen ihm sehr schwer falle. «Aber irgendwann habe ich gesagt: So eine Chance kommt vielleicht nur einmal, die muss ich packen.» So richtig beginnt für Voser das Abenteuer Fulham am Donnerstagvormittag – die Mannschaft fliegt für zwei Wochen nach Edinburgh ins Trainingslager.

Beim FCB stand man Voser bei der Erfüllung seines Traumes nicht im Weg. «Die wirtschaftlichen Parameter haben gestimmt», sagt Sportdirektor Georg Heitz. Für Voser, der erst im Oktober seinen Vertrag bis 2016 verlängert hat, dürfte Rot-Blau eine Ablösesumme im hohen sechsstelligen Bereich erhalten. Ob der FCB einen Ersatz für Voser verpflichtet, ist offen. Vom bestehenden Kader könnten der polyvalente Taulant Xhaka oder auch Nachwuchstalent Michael Goncalves die Lücke füllen.