Im Wahlkreis Laufen schnellt die landrätliche Amtszeitguillotine von 16 Jahren gnadenlos zu. Die profilierten Parlamentarier Rolf Richterich (FDP) und Georges Thüring (SVP) müssen abtreten. Für ihre Nachfolge im Liestaler Regierungsgebäude stehen bei den beiden Parteien hochkarätige Kandidaten bereit. Auch auf den übrigen Wahllisten finden sich spannende Bewerberinnen und Bewerber.

Bei der im Laufental traditionsgemäss starken CVP treten Marc Scherrer und Franz Meyer wieder an. Dasselbe gilt für den Sozialdemokraten Linard Candreia und die zweite SVP-Vertreterin Jacqueline Wunderer. Alle vier sind bei der Bevölkerung beliebt, weshalb es schwierig wird, ihnen den Sitz abzuluchsen. Überraschungen sind jedoch nicht auszuschliessen. Der Wahlkreis Laufen verfügt über sechs Mandate im Baselbieter Parlament.

FDP setzt auf lokale Unternehmer

An der bisherigen Sitzverteilung wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die starken Christdemokraten ihre beiden Sitze im Laufental nicht halten könnten. Dass die SP ihren einen Sitz verteidigen kann, ist ebenfalls so gut wie sicher. Zu konstant sind die Wähleranteile der beiden Parteien bei den zurückliegenden Landratswahlen.

Spannend zu sehen sein wird, ob es dem Freisinn gelingt, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2015 erreichte die FDP nur noch 14 Prozent der Stimmen – im Jahr 2007 waren es noch fast doppelt so viele gewesen. Nun schicken sich die Freisinnigen an, mit einer aussichtsreichen Liste wieder zuzulegen. Ob es sogar reichen wird, um der SVP einen Sitz wegzuschnappen, zeigt sich am 31. März.

Der Spitzenkandidat der FDP, den man auch ausserhalb des Wahlkreises kennt, ist Martin Dätwyler. Der Direktor der Handelskammer beider Basel hat jedoch das Handicap, im Raum Laufen trotz seiner Spitzenposition beim Wirtschaftsverband nicht der bekannteste Bewerber auf der rein männlichen Liste zu sein. Dem lokalen Unternehmer Wolfgang Borer und dem Gewerbler und Stadtrat Simon Felix ist es ebenfalls zuzutrauen, in die Fussstapfen des abtretenden Rolf Richterich zu treten. Der Steuerexperte Jörg Felix, der Ingenieur Daniel Scholer und der Unternehmer und Dugginger Gemeindevizepräsident Peter Tschudin haben wiederum Aussenseiterchancen.

SVP hat ein Ass im Ärmel

Auf der SVP-Liste ist der Zwingner Gemeindepräsident Ermando Imondi der mit Abstand aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Georges Thüring. Vor vier Jahren war der RAV-Leiter hinter Thüring und Jacqueline Wunderer auf dem dritten Platz gelandet. Die Chancen, dass es Imondi dieses Mal schafft – und womöglich dabei Wunderer überflügelt – sind intakt. Die übrigen Kandidaten sind politische Nobodys, die sich keine ernsthaften Chancen ausrechnen können, ab Sommer in der Kantonshauptstadt das Laufental zu vertreten. Der Bankkaufmann Cédric Jeanbourquin, der Junior Assistant Manager Nandor Frey, der Geschäftsinhaber Christian Steg und der Senior Consultant Patrick Portmann scheinen als Listenfüller zu dienen.

CVP mit vielen klangvollen Namen

Im Gegensatz dazu präsentiert die CVP eine Liste, auf der neben den beiden Bisherigen Marc Scherrer und Franz Meyer viel Lokalprominenz zu finden ist. Allen voran der Unternehmensberater Remo Stebler und der Zwingner Gemeinderat Peter Hueber. Beide machten sich im Laufental einen Namen als führende Köpfe der Bewegung gegen Deponien in Blauen und Zwingen. Auch dank ihrem Einsatz lehnte die Baselbieter Stimmbevölkerung den Richtplaneintrag im Herbst 2016 an der Urne klar ab. Nun möchten Stebler und Hueber in die kantonale Politik einsteigen, was ihnen aber aufgrund der starken Konkurrenz der Amtierenden kaum gelingen wird. Auch der ehemaligen Liesberger Gemeindepräsidentin Ursula Brem und Isabella Oser, Lehrerin und Mitglied der Geschäftsleitung des Lehrervereins Baselland, stehen Scherrer und Meyer vor der Sonne.

Schaut man sich die Ergebnisse bei der SP von vor vier Jahren an, schafft Linard Candreia die Wiederwahl problemlos. Damals landete der Lehrer und Buchautor als Neuer mit deutlichem Vorsprung auf dem ersten Platz und verdrängte den Bisherigen Andreas Giger. Auf der aktuellen Liste der Sozialdemokraten befindet sich niemand, der dem im Laufental bekannten Bündner gefährlich werden könnte. Für einen Achtungserfolg gut sind die Laufner Stadträtin Carole Seeberger und der Zwingner Gemeinderat Patrick Feld. Auf den hinteren Rängen werden der Musikschulleiter David Schönhaus, die Sozialpädagogin Carole Elsässer und die Praxisassistentin Sylvia Bachmann landen.

Grüne füllen ihre Liste

Auch wenn ihnen der Einzug ins Baselbieter Parlament nicht gelingen wird, treten die Grünen im Wahlkreis Laufen mit einer vollen Liste an. Bei den Landratswahlen im Frühling 2015 kam die Partei auf 4,6 Prozent. Es ist wahrscheinlich, dass sie dieses Mal ein wenig zulegen wird. Von den Wahlplakaten grüssen derzeit der Innenarchitekt Reto Kurth, die Bio-Bäuerin Evelyn Buchwalder, der Unternehmer Simon Müller, der Biologe Angelo Bolzern, der Logistikfachmann Fabian Zeugin und Sylvia Voets, die bei den Grünen Region Laufen als Aktuarin tätig ist.

Noch weniger Stimmen erhielten vor vier Jahren die Kandidierenden der Grünliberalen und der EVP. Beide Parteien treten auch dieses Mal wieder an – jedoch nicht mit vollständigen Listen. Die GLP schickt den Verkaufsleiter Manuel Fabry, den Sachbearbeiter Rechnungswesen Jonathan Thai, die Kauffrau Sara Wingeier und die pensionierte Helen Wegmüller aus Arlesheim ins Rennen. Letztere hat bereits Erfahrung als Parlamentarierin: Von 1999 bis 2007 politisierte sie schon einmal im Landrat – für die SVP.

BDP tritt nicht mehr an

Die Evangelischen setzen wiederum auf den Informatiker und Grellinger Gemeinderat Dany Hugelshofer, den Lehrer Andreas Burkhalter, den Altlasten-Spezialisten Dominik Jörger, die Kleinkinderzieherin Karin Oser und den Theologen Peter Seeberger.
Die BDP hat hingegen im Wahlkreis Laufen keine Liste eingereicht. Dies, nachdem die Kleinpartei im Jahr 2015 bei den Regierungsratswahlen noch mit dem Laufentaler Aussenseiter Matthias Imhof angetreten war. Mit seinem Rückzug aus der Politik vor gut zwei Jahren löste sich die Laufentaler BDP-Sektion mangels Nachfolgern auf.