Baselland

Kassiererin veruntreute Kirchengeld: Statt in den Kirchturm floss das Geld in den Country Saloon

Die angeklagte Kassiererin hatte bei der Baselbieter CVP dieselbe Anstellung. (Symbolbild)

Die angeklagte Kassiererin hatte bei der Baselbieter CVP dieselbe Anstellung. (Symbolbild)

Eine Grellinger Kassierin, die Geld veruntreut haben soll, steht bald vor Gericht. Selbst bei der Einvernahme legte sie gefälschte Dokumente vor.

Die christlichen Grundsätze scheint die Beschuldigte für einmal über Bord geworfen zu haben. Der ehemaligen Kassierin der römisch-katholischen Kirchgemeinde von Grellingen und der CVP Baselland wird vorgeworfen, in den Jahren 2017 und 2018 rund 400'000 Franken veruntreut zu haben. Um die Vergehen zu vertuschen, sei sie unter die Dokumentenfälscherinnen gegangen.

Der Fall der Laufentalerin machte Schlagzeilen: Vor zwei Jahren stellte die Kirchgemeinde Grellingen fest, dass in der Kirchenkasse eine grössere Summe fehlt. Der Verdacht fiel auf die Kassierin, die in gleicher Funktion auch für die Baselbieter CVP tätig war. Die Christlichdemokraten überprüften daraufhin ihre Finanzen und mussten konstatieren, dass auch ihnen Geld abhanden gekommen war. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft ermittelte und klagt die ehemalige Kassierin nun wegen Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und falscher Anschuldigung an. Am 13. November muss sie sich vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz verantworten. Nun konnte die bz die Anklageschrift einsehen. Sie gibt überraschende Hintergründe über die Taten preis.

Immer wieder verschob sie Geld auf ihre eigenen Konti

Die schon aufgekommene Vermutung eines Zusammenhangs zwischen den Taten und einem Country Saloon im Laufental bestätigt sich. In der Zeit, in welcher das Geld veruntreut wurde, übernahm die Beschuldigte gemeinsam mit einer Kollegin das erwähnte Restaurant. Um Investitionen zu tätigen und Rechnungen zu bezahlen, seien grosse Teile der veruntreuten Summe verwendet worden, schreibt die Staatsanwaltschaft. Aus der Kasse der römisch-katholischen Kirchgemeinde Grellingen wurden 301'000 Franken, aus derjenigen der CVP Baselland 90'000 Franken entwendet. Die Angeklagte, für welche die Unschuldsvermutung gilt, habe die Gesamtsumme in mehreren Tranchen von den von ihr betreuten Konti der Kirchgemeinde und CVP auf ihre eigenen Konti überwiesen. Mittlerweile ist von der früheren Kassierin das veruntreute Geld zurückbezahlt worden, wie beide Geschädigten kürzlich dieser Zeitung bestätigten.

Der Kollegin wurden die Anwaltskosten bezahlt

Bei der Grellinger Kirchgemeinde hatte man damals vor, das Pfarrhaus umzubauen und den Kirchturm zu sanieren. Als die Bank der Kassierin nach der Überweisung von 100'000 Franken auf ihr Konto stutzig wurde und eine Abklärung wegen Geldwäscherei durchführte, fälschte die Beschuldigte das Protokoll einer Kirchgemeindeversammlung. Dieses ergänzte sie mit einer Passage, in der die Kassierin als Zahlungsverantwortliche für den Umbau des Kirchturmes angegeben wurde. Zwecks der Abwicklung sollten ihr tranchenweise Geldmittel überwiesen werden.

Die Verzweiflung der Angeklagten muss gross gewesen sein, als sie Ende 2018 einvernommen wurde. Der Staatsanwaltschaft legte sie ein von ihr erstelltes Dokument vor, in dem sie die Unterschrift der Kirchgemeindepräsidentin fälschte. Im Fake-Schreiben stand, dass die Kirchgemeinde Grellingen der Geschäftspartnerin der Beschuldigten mit einem stillen Darlehen helfen würde. Das Darlehen belaufe sich auf 350'000 Franken, hiess es weiter. Allgemein scheint die Kollegin eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. In der Anklageschrift ist festgehalten, dass das veruntreute Geld auch verwendet worden sei, um Anwaltskosten der Geschäftspartnerin zu begleichen.

Gemäss Handelsregister sind die beiden Frauen noch immer Verantwortliche der Gesellschaft, die hinter dem Country Saloon steht. Es wird spannend zu hören sein, wie sie Mitte November vor dem Strafgericht die heutige Situation des Restaurants schildern werden.

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