«Da habe ich gedacht: Dieter, was ist los?», erinnert sich alt Landratspräsident Hanspeter Frey an den Moment, als Dieter Forter aus der FDP austrat. «Ich war überrascht, denn er machte immer einen klaren Eindruck. Er ist jemand, mit dem man gute Diskussionen führen kann, der zuhört und auf andere Meinungen eingehen kann – kurz: als Mensch sehr angenehm.» Anlass für den Abgang war Forters «Lieblingsthema» – so nennt es Frey –, die S 9 von Sissach nach Olten durchs Homburgtal und den alten Hauensteintunnel.

Während der Landratsdebatte über die Umstellung des Läufelfingerlis auf Busbetrieb gingen Forter «despektierliche Sprüche aus Parteikreisen über ‹die dort oben mit ihrer Bahn›» an die Nieren. «Das ist kein Stil. Da investiere ich meine Zeit lieber anderswo.» Seinen Austritt bedauert nicht zuletzt die FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger aus Thürnen. Sie bezeichnet Forter als «liebenswerten Schaffer und Macher, kompetent und zuverlässig». Forters «konsequenter Entscheid» zeige auch, dass er «entschlossen» handle.

«Keinen dressierten Hund»

Die Zinnbecher auf dem Kaminsims in Forters Büro in seiner Swiss-Life-Agentur in Liestal erinnern an seine ersten Erfolge in der vormaligen Rentenanstalt. Als Jugendlicher verdiente er das Geld für sein Töffli bei der Läufelfinger Gips-Union. Nach der Bauzeichnerlehre landete er wegen der 70er-Jahre-Baukrise zuerst bei Bally in der Schuhindustrie und dann in der Versicherungsbranche. 1994 übernahm er die Liestaler Generalagentur der Rentenanstalt – heute Swiss Life – und baute diese von ursprünglich fünf Mitarbeitenden auf heute deren 18 aus. «Zentral ist für mich, dass ich innerhalb der Leitplanken, die der Konzern vorgibt, selbstständig bin.» Dieses eigene Denken fordere er auch von seinen Leuten: «Ich will keinen dressierten Hund als Mitarbeiter.» Mit den anstehenden Problemen der Altersreform und den Minuszinsen bewege man sich in einem komplexen Umfeld. «Das erfordert spannende Beratungen für die immer wichtiger werdende Selbstvorsorge.»

Als KMU-Chef liess er sich 2004 in den Gemeinderat seiner Gemeinde Läufelfingen wählen, seit 2008 ist er «Preesi». Bereits sein Vater war Läufelfinger Gemeindeverwalter. «Allein schon nur nicht zu schrumpfen ist als Gemeinde eine Herausforderung», berichtet Forter. «Bleiben wir nicht attraktiv, wandern die Familien ab. Zurück bleiben die Älteren und am Schluss müssen nur noch 30 bis 40 Prozent der Einwohner für die ganzen Kosten aufkommen», befürchtet der Finanzplaner mit eidgenössischem Fachausweis.

In seine Ära fällt unter anderem eine Bachelor-Arbeit der FHNW über die Chancen der Gemeinde, ein Leitbild, der Slogan «zentral, naturnah ... lebenswert», ein Dorf-Werbefilm aus dem Videostudio seines Sohnes, in dem der Gemeindepräsident von den Ärzten, über das Nagelstudio, Beizen, Dorfladen, Bäcker und die beiden Metzger bis zum Wolladen seiner Frau und rund 400 Arbeitsplätzen die ganze wirtschaftliche und soziale Infrastruktur aufzählt. Zentrale Botschaft: «Wir haben 1300 Einwohner. Das Ziel ist, in den nächsten fünf Jahren auf 1550 bis 1600 Einwohner zu wachsen.» Das wäre ein Zuwachs von einem Fünftel. Eine Hauptrolle spielt dabei die geplante Überbauung auf einer Industriebrache gleich beim Bahnhof. Forters Erfahrung: «Sucht jemand in Läufelfingen Bauland, so ist immer die erste Frage: ‹Wie lange fährt die Bahn noch?›.»

«Selber entscheiden»

Im Gemeinderat ist er seit je für die Finanzen zuständig. Dabei reibt er sich an den Vorschriften aus Liestal, etwa bei der Raumplanung, die fürs Oberbaselbiet ein Wachstum von nur 1 Prozent vorsieht. «Wenn allein Sissach 2 Prozent wächst, was bleibt dann für die anderen Gemeinden?» Oder: «Nehmen wir das Beispiel Schule: Der Kanton bestimmt, dass Kindergärtnerinnen nun auf Primarstufe entlöhnt werden sollen. Aber bezahlen müssen wir dies als Gemeinde.» Als Unternehmer habe er noch nie einen Angestellten gehabt, mit dem er das Mitarbeitergespräch nicht selber führen konnte.

Solche Strukturen würden den Leuten das Milizsystem verleiden. «Zu diesem müssen wir aber Sorge tragen, denn Professionalisierung macht alles teurer.» Auch hier gilt: Leitplanken sind akzeptiert, aber einengende Detailvorschriften wecken das Baselbieter Rebellen-Gen. Da spricht einer, der Manager-Ratgeber «zwar gut und recht» findet. «Aber am Schluss muss man selber entscheiden, selber machen, und zwar richtig.» Dazu fällt ihm der Buchtitel «Denken hilft, nützt aber nichts» ein: Vieles sei halt am Schluss auch ein Bauch-Entscheid.

Eine eigene Firma plus 20 bis 30 Prozent Gemeindepräsidenten-Pensum: Da lag ein Landrats-Mandat nicht auch noch drin, als er für Daniela Schneeberger hätte nachrücken können. Doch nun kommt der Abstimmungskampf ums Läufelfingerli: «Macht man etwas mit Leidenschaft, ist Zeit nicht das Wichtigste», wiegelt er auf die Frage nach der Belastung ab. Davon erhole er sich – ganz Naturbursche – wandernd, rings um sein Dorf und in den Bergen.

«Ein bodenständiges Volk»

Natürlich gehöre die Bahn zur Identität des Tals, meint Forter. Doch dies sei nicht das Hauptargument. Vielmehr geht es um die 10 Pendler-Minuten bis zum «strategischen SBB-Knoten Olten». Dies würde ein Bus über den Hauenstein nie erreichen, schon gar nicht, wenn im Winter Schnee liegt oder im Sommer die Lohnunternehmer mit ihren überbreiten Landwirtschaftsmaschinen unterwegs sind.

Dann müsste man also den Begriff «zentral» aus dem Gemeinde-Logo streichen. «So würde Läufelfingen zu dem, was wir aus Baselbieter Sicht sind: zur Peripherie.» Dabei habe der Kanton keine Strategie für seine Randregionen. Nun kommt der 60-Jährige in Fahrt: «Es kann ja sein, dass man kurzfristig mit der Umstellung auf den Bus etwas spart. Doch dann bleiben die Zuzüger und deren Steuern weg. Der Kanton kann doch nichts gegen neue Steuerzahler haben!» Man solle lieber vernetzt – statt nur kurzfristig – denken.

Beim Läufelfingerli-Referendum arbeitet er mit Menschen verschiedenster politischer Couleur zusammen. «Mir sind Leute mit Rückgrat lieber als jene mit Parteibrille.» Dabei kann er auf einen guten Ruf bauen. So gilt er beim Diepflinger Gemeindepräsidenten Markus Zaugg als «sehr aktiver Kollege, der offene Ohren für die Anliegen anderer Gemeinden hat.»

Und was ist, wenn das Läufelfingerli den Kampf an der Urne nicht überlebt? Daran will er gar nicht denken. Sollte es doch dazu kommen, «dann wissen wir wenigstens: Wir haben alles gegeben und nicht einfach einen Entscheid zur Kenntnis genommen», meint Forter. Das Bild eines Schwingers mit einem Kalb ziert sein Büro: Sponsoring für ein Schwingfest. Der Präsident des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands sei einer seiner Mitarbeiter, und soeben habe er einen weiteren Schwinger eingestellt – «ein bodenständiges Volk». Falls die Generalversammlung zustimmt, werde das Basellandschaftliche Kantonalschwingfest 2019 in Läufelfingen stattfinden. Man sei daran, das OK zusammenzustellen.

Es kommt also in nicht nur an der Urne zum Hosenlupf am Hauenstein.