Sie gaben sich ordentlich aufs Dach, die Streiterinnen und Streiter für und wider eine «Grüne Wirtschaft». An einem Podiumsanlass in der Kantonsbibliothek Liestal schenkten die Befürworter Maya Graf und Christian Zeyer ihren Gegnern ebenso nichts wie Elisabeth Schneider-Schneiter und Franz Saladin im Namen des Nein-Lagers.

Da konnte CVP-Nationalrätin Schneider-Schneiter (Biel-Benken) noch lange behaupten, dass sie eigentlich dasselbe wolle wie ihre grüne Ratskollegin aus Sissach. Die Argumente, die nur so hin und her flogen, waren von einer deutlich unversöhnlicheren Tonart geprägt. Dass sich Handelskammer-Direktor Franz Saladin (Duggingen) und Swiss-Cleantech-Geschäftsführer Zeyer (Ostermundigen) nicht einmal über die Aussagekraft des ökologischen Fussabdrucks einig wurden, der als zielbestimmende Einheit in die Bundesverfassung festgeschrieben werden soll – geschenkt! Dass Saladin und Zeyer über die Anzahl Firmen stritten, die die Volksinitiative der Grünen tatsächlich unterstützen – nicht der Rede wert! Aber selbst in den ganz groben Zügen fanden Befürworter und Gegner kaum je Übereinstimmung.

Für Maya Graf und Christian Zeyer ist es zwingend, dass in der Bundesverfassung eine ambitionierte Zielsetzung hin zu einer die Umwelt schonenden und auf sparsamen Ressourcenverbrauch und Recycling ausgerichteten Wirtschaft festgeschrieben wird. Nur der Eigenverantwortung und Einsicht der Wirtschaft zu vertrauen, genüge nicht, um statt der von den Schweizern heute 3,3 «verbrauchten Erden» bis 2050 nur noch auf den Ressourcenverbrauch einer Erde zu kommen. «Dieses Ziel ist ambitioniert, aber möglich», ereiferte sich Graf; erst recht in Anbetracht der ökologischen Fortschritte und Innovationen, welche seit ihrer Jugend erreicht worden sind.

Für Saladin und Schneider-Schneiter würde dagegen bei einem Ja am 25. September bloss ein weiteres, die Wirtschaft behinderndes und bedrohendes Regulationsmonster geschaffen, welches den Rohstoff-Import erheblich verteuerte und damit die Abwanderung der Schweizer Industrie ins Ausland beschleunigte.

Wegen des «unmöglichen und unrealistischen» Umsetzungsprozesses wäre dieser Verfassungszusatz für die CVP-Nationalrätin bloss wieder ein schwammiger Artikel mehr, der nie und nimmer erfüllt werden könne. Die Anspielung auf die Masseneinwanderungsinitiative brachte Graf aber erst recht auf die (nicht Edelholz-verdächtige, da geistige) Palme.