34. Larifari

Greta Thunberg aus der grünen Tonne

Musikalisch schiesst das Prattler Larifari den Vogel ab, ob als Tambouren auf der Tonne oder verirrter Fliegerchor.

Nachtfalter-Schränzer, als Gastgugge die Ventilatore aus Basel, die kleinen und grossen Fägis als Nachwuchsmusiker der Saggladärne, die Hit-Pirate mit manchem nostalgisch auf die (Basler) Fasnacht umgedichteten Beatles-Song, das Walfischchörli und natürlich als Organisatoren der Veranstaltung die Saggladärne selbst – das musikalische Niveau am Larifari in Pratteln ist traditionell hoch.

Und doch schafften es die Saggladärne in der 34. Ausgabe, noch höher zu klettern, auch wenn sie dafür Greta Thunberg aus der grünen Tonne holen mussten: Vermutlich inspiriert von der Farbe der Grünschnittbehälter bot Marco Brüderli eine überzeugende Greta mit gelbem Regenmantel, Zöpfen und böser Miene – da übersah man den Drei-Tage-Bart fast komplett.

Mit den restlichen Tambouren der Clique und weiteren Musikern trommelte Brüderli alias Greta mit den Händen und den Deckeln auf und mit den Tonnen furiose Rhythmen, die das Publikum hellauf begeisterten. Ein falscher Einsatz wurde da ebenso schnell weggelacht wie der besonders enthusiastische Trommelschlag, bei dem sich Räder und Achse der Tonne verselbstständigten – ob einstudiert oder tatsächlich Panne, ist dabei irrelevant. Die Idee hatten die Saggladärne aus dem Internet; aber die mitreissende Umsetzung ist ihr Verdienst.

Weitere musikalische Höhenflüge bot dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes das Walfischchörli, deren Sänger mit Fliegerkappe auf dem Kopf minutenlang irgendwo zwischen «Mümlisbruck» und «Langenwil» herumflogen – eine deutliche Anspielung auf den Irrtum der Patrouille Suisse, die im Juli statt der Oskar-Bider-Gedenkfeier in Langenbruck das Jodlerfest in Mümliswil überflogen hatte.

Alexander Beyeler als Papst empfohlen

Der Prattler Schnitzelbänkler Schnidu griff als lokales Thema das letztjährige Fasnachtssujet auf: Sein Hund, berichtete er im Singsang, habe angefangen, Leute zu beissen, weil er ewig nicht ins Schnabelgässli habe «scheissen» können – die bei Fasnächtlern in Pratteln beliebte Gasse war wegen Bauarbeiten gesperrt. Das Fako wolle die Prattler Fasnacht neu organisieren, habe er ausserdem gehört: Dann laufe der Umzug zukünftig wohl am Ostermontag und der Schneemann werde am 1. April verbrannt.

Schliesslich empfahl «dr Schnidu» Alexander Beyeler als nächsten Papst – das Auto habe er ja schon. Der Prattler Mäzen und gläubige Katholik hatte vergangenes Jahr die Schweizergarde im Vatikan samt einem Papamobile vor- beziehungsweise ausgestellt. Die Saggladärne als Veranstalter des Larifari unter der Regie von Pascal Odermatt legen wert auf einen ausgeglichenen Abend zwischen Musik und Sketchen. Die Gaudi-Clique warf dabei einen Blick aufs Jahr 2061 – immer ein dankbares Motiv, um aktuelle Entscheidungen und Entwicklungen auf die Schippe zu nehmen. So gestand Fako-Obmann Peter Lüdin als Autor der neuen Ortschronik, dass er sie eigentlich schon ein Jahr zuvor, zur Einweihung der neuen Gemeindeverwaltung, habe veröffentlichen wollen.

Und Bruno Helfenberger als Vertreter des Basler Fasnachts-Comités sowie Sonja Rowedder und Brigitte Frei als Prattler-Fako-Frauen nahmen die Rivalitäten mit der Grossstadt aufs Korn: «Ohne die Baselbieter wäre das Weltkulturerbe Basler Fasnacht nicht mehr als ein Quartierfest!»

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