Coronavirus

FDP-Ärztin Christina Jeanneret warnt eindringlich vor der heutigen Landratssitzung – vergeblich

FDP-Landrätin und Ärztin Christina Jeanneret.

FDP-Landrätin und Ärztin Christina Jeanneret.

Sie komme sich vor wie ein Rufer in der Wüste: Seit Wochen versucht Christina Jeanneret ihre eigene Partei und das ganze Parlament davon zu überzeugen, dass die Landratssitzung im Basler Kongresszentrum verschoben werden muss. Doch die Warnungen der Spitalärztin verhallen ungehört.

Masken und Desinfektionsmittel liegen bereit. Der Baselbieter Landrat trifft sich heute um 10 Uhr zur ersten Sitzung seit Mitte Februar. Wegen der Coronakrise zügelt das Parlament aber ins viel grössere Congress Center in Basel. Doch einer Landrätin genügt das nicht. «Ich war von Anfang an dagegen, dass man in dieser Phase der Epidemie eine Landratssitzung abhält. Das ist eine Hochrisiko-Veranstaltung», sagt Christina Jeanneret auf Anfrage der bz.

Und die FDP-Landrätin weiss, wovon sie spricht: Sie ist Ärztin für Innere Medizin am Kantonsspital Baselland. «Ich war früher auch in der Infektiologie tätig und betreute beispielsweise in den 1980er-Jahren die ersten HIV-Patienten», erzählt die 62-Jährige. Jeanneret begann schon vor Wochen damit, in ihrer Partei Überzeugungsarbeit zu leisten, denn: «Es ist von allergrösster Wichtigkeit, den raschen Anstieg der Patientenzahlen zu verhindern. Schon jetzt haben wir in Baselland nur noch 40 freie Beatmungsplätze.»

Doch ihre Warnungen verhallten ungehört: «Dass die FDP Mitte März den Parteitag trotzdem durchführte, halte ich noch immer für einen Fehler.» Vorsichtsmassnahmen wie Abstand halten, Masken oder Desinfektionsmittel seien wichtig, doch zeige sich, dass auch mit Social Distancing Ansteckungen geschehen, so Jeanneret. Und schliesslich sei mit Landratskollege Balz Stückelberger jemand im Saal gewesen, der später positiv getestet wurde. «Er hatte Glück, dass er trotz seines Asthmas keinen schwereren Verlauf hatte und nun wieder genesen ist.»

Die zweite Ärztin im Landrat hält die Sitzung für vertretbar

Die Oberwilerin trat auch an Landratspräsident Peter Riebli mit der Bitte heran, die Sitzung mindestens um zwei bis drei Wochen zu verschieben. Doch es nützte nichts: «Ich fühle mich wie ein Rufer in der Wüste.» Sie selbst wird heute nicht im Kongresszentrum Platz nehmen. «Ich bin bei mir zu Hause in Quarantäne, habe Husten und etwas Fieber», erzählt Jeanneret offen. Ob es Corona ist, wisse sie allerdings noch nicht. Um einen Test zu rechtfertigen, sei ihr Fieber zu niedrig. «Als Spitalärztin bin ich sowieso besonders gefährdet.»

Die einzige andere Spitalärztin im Parlament, Pascale Meschberger von der SP, wird dagegen teilnehmen. «Da der Saal gross ist und Masken sowie Hygienemittel bereitstehen, halte ich es für vertretbar», sagt die Liestaler Chirurgin. Ob das die richtige Entscheidung ist, könne wohl niemand mit Gewissheit sagen. «Aber es ist wichtig, dass das Parlament wieder die Aufsicht über die Regierung wahrnimmt», sagt sie.

67-jähriger Andi Trüssel pfeift auf sein Alter

Das ist auch die Haltung der Fraktionspräsidenten von SVP, FDP, CVP/GLP und den Grünen/EVP. «Es ist unsere institutionelle Pflicht», sagt Andreas Dürr (FDP). «Laut Verfassung müssen Notverordnungen sofort dem Landrat vorgelegt werden», ergänzt Klaus Kirchmayr (Grüne). Als grosser Skeptiker des Coronavirus zeigt sich der 67-jährige Andi Trüssel (SVP): «Als Elektroingenieur gehe ich auch weiter arbeiten. Man kann mir vorwerfen, dies sei grobfahrlässig, doch wenn ich fünf Ärzte zum Virus befrage, erhalte ich vier Antworten.»

Jeannerets Kommentar: «Ich hoffe wirklich, dass sich meine Warnungen als unbegründet erweisen. Doch das wissen wir erst in zwei Wochen, da die Symptome teils erst dann kommen.»

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