David Goodall hat auch deshalb den Freitod gewählt, weil er einen Beitrag im Kampf gegen die Überbevölkerung leisten wollte. Dies geht aus einem Rundbrief der Organisation Exit International hervor, der am Mittwochmorgen verbreitet wurde.

Das Schreiben stützt sich auf letzte Gespräche des verstorbenen Umweltwissenschaftlers mit seinen Begleitern, wie Exit-International-Direktor Philipp Nitschke schreibt. Dazu zählte auch Ruedi Habegger, der Mitbegründer der Sterbehilfeorganisation Eternal Spirit, die Goodall am vergangenen Auffahrtsdonnerstag in den Tod begleitete.

«Es gibt einfach zu viele von uns»

«Es gibt einfach zu viele von uns, die zu viel konsumieren und zu viele Ökosysteme zu schnell verändern», soll der 104-Jährige kurz vor seinem begleiteten Suizid in einem Liestaler Sterbezimmer gesagt haben. Die Klimaerwärmung sei ein erkennbarer Ausdruck dessen. Gleichzeitig ermunterte Goodall andere alte Menschen dazu, es ihm gleichzutun.

Die Gesellschaft solle es wenigstens jenen Menschen, die so wie er sich zum Freitod entschlossen haben, keine zusätzlichen Hürden in den Weg legen und diesen den letzten Schritt erleichtern.

Laut Nitschke begrüsste Goodall den Medienauflauf nach seiner Ankunft in Basel, um seine Gedanken zum Zustand der Welt teilen zu können. Hingegen sei er verärgert über sein Heimatland Australien gewesen, dass ihn dazu gezwungen hätte, zuerst «zur anderen Seite der Welt» zu reisen, um jenen friedlichen Tod zu erlangen, auf den er seiner Ansicht nach ein Anrecht gehabt hat.

David Goodall: Bis fast zuletzt wollte er die Medien dabeihaben

David Goodall: Bis fast zuletzt wollte er die Medien dabeihaben

Alles andere als ruhig ging es in den Räumlichkeiten der Sterbehilfeorganisation Eternal Spirit am Donnerstagvormittag in Liestal zu und her. David Goodall starb am Mittag im Beisein von Familienmitgliedern. Bis fast zuletzt begleitete ihn eine Gruppe von Journalisten aus aller Welt. 

Pessimistischer Ausblick

Was die Zukunft der Welt angeht, so gab Goodall zum Abschied einen ziemlich pessimistischen Ausblick. Es sei zu spät, zum ökologisch ziemlich ausgeglichenen Zustand der Erde Ende der 1950er-Jahre zurückzukehren. Das Einzige, was die Menschheit jetzt noch tun könne, sei es, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen und weitere Schäden zu verhindern.

Die Erste Welt müsse sich dabei stets bewusst sein, dass sie die Hauptschuld an der Umweltkatastrophe trage. Doch kurzsichtige Partikularinteressen dürften verhindern, dass selbst die Klimaziele von Paris umgesetzt werden.