Wenn das in Lörrach beheimatete Stimmen-Festival eigens in der Schweiz eine Medienkonferenz einberuft, dann hat es Neuigkeiten zu vermelden, die uns diesseits der Landesgrenze betreffen. Tatsächlich erweitert das Musikfestival unter der Leitung von Markus Muffler sein Wirkungsgebiet in der Schweiz. Neben den bekannten Spielstätten in der Reithalle des Riehener Wenkenparks und auf dem Arlesheimer Domplatz veranstaltet «Stimmen» im Juli auch zwei Konzertabende in Binningen.

Die Gemeinde sei es gewesen, die vor zwei Jahren mit dem Wunsch an ihn herangetreten sei, hier ein Rockkonzert durchzuführen, erzählt Markus Muffler. Für ihn kam das allerdings nicht infrage, da «Stimmen» im Pop- und Rockbereich bereits mehrere Spielorte etabliert hatte. Was hingegen noch gefehlt habe, und zwar im gesamten Dreiländereck: ein grosses Klassik-Openair. «Dafür musste man bisher weit fahren», so Muffler.

«Ein richtig dickes Brett»

Als Leiter des Lörracher Burghofs pflegt er bereits eine Partnerschaft mit dem Sinfonieorchester Basel (SOB) «für das wir ein bisschen Asylgeber waren in den letzten Jahren.» Muffler spielt auf die Wanderjahre des Orchesters an, das seit der temporären Schliessung des Stadtcasinos schon mehrfach im Burghof Konzerte gegeben hat.
Jetzt werden die beiden Institutionen zusammen den Schlosspark Binningen beschallen. Oder wie es Muffler ausdrückt: «Wir machen ein richtig dickes Brett».

Zwei Abende sind angesagt: Am ersten werden die schönsten Tonfilm-Schlager der 20er- und 30er-Jahre versprochen. Das klingt nach Max Raabe, in diesem Fall aber steht die Sopranistin Natalie Karl auf der Bühne, zusammen mit dem Tenor Michael Pflumm wird sie Lieder wie «Ich küsse Ihre Hand, Madam» anstimmen.

Opernklassiker im Schlosspark

Der zweite Abend verspricht Opernklassiker: Mit der 38-jährigen Olga Peretyatko haben Sinfonieorchester und «Stimmen» eine Sängerin verpflichtet, die, so Markus Muffler, «als Nachfolgerin von Anna Netrebko gilt.» Sie wird mit dem Tenor Dmitry Korchak auf der Bühne stehen. Angekündigt sind Opernarien und Duette von Bellini («Norma» und «I puritani»), Donizetti («Don Pasquale»), Mozart («Le nozze di Figaro») und Bizet («Les Pêcheurs de perles»). Stellt sich die Frage, warum sich Binningen darum bemüht hat, Teil des «Stimmen»-Universums zu werden. Binningen würde von manchen auch als «schönstes Wohnquartier von Basel bezeichnet», sagte Gemeindepräsident Mike Keller. «Das tut mir weh, weil es etwas Wahres hat. Sehr viel vom Leben findet in der Stadt Basel statt.»

Natürlich könne man die Stadt nicht konkurrenzieren, räumte Keller ein, dennoch möchte man der Bevölkerung auch in der eigenen Gemeinde etwas bieten. «Wir wollen den wunderschönen Schlossplatz mit Leben füllen», schwärmt der Politiker. Er sei erfreut, dass nach dem Dorffest des vergangenen Jahres auch 2019 wieder ein Open-Air-Fest stattfinden wird. Und gutes Wetter habe man schon bestellt.

Der Schlosspark wird für eine maximale Kapazität von 700 Besuchern eingerichtet. Dabei handelt es sich um 600 Sitzplätze, die wie bei klassischen Konzerten üblich in verschiedenen Kategorien erhältlich sind. Zudem bietet «Stimmen» 100 Flaniertickets an. Das seien Eintritte ohne Sitzplatz, erkärt Muffler. «Man kann eine Picknickdecke mitnehmen und das Geschehen ungezwungener am Rand mitverfolgen. Wir denken, dass das gerade für Leute interessant sein könnte, die vielleicht noch nicht so vertraut sind mit Belcanto-Konzerten.»

Wie kann eine Gemeinde wie Binningen ein solches Grossprojekt finanziell stemmen? Die Leistungen der Gemeinde seien vorwiegend administrativer und ideeller Art, ist zu erfahren. Finanziell möglich gemacht haben die Klassikabende jedoch zwei neue Sponsoren aus der Schweiz: die Basellandschaftliche Kantonalbank und die Vista Klinik.

Auch in Arlesheim spielt die Musik

Die beiden Binninger Nächte vom 5. und 6. Juli stehen am Anfang des diesjährigen Stimmen-Festivals. Während in Lörrach auf dem Marktplatz die grössten Acts erwartet werden, darunter der Hamburger Popsänger Jan Delay, die Punk-Legende Iggy Pop oder die amerikanische Indie-Folkband Beirut, wird «Stimmen» gegen Ende auch in einer zweiten Baselbieter Gemeinde Halt machen: in Arlesheim.

Dort werden Morcheeba erwartet, die britische TripHop-Formation um Sängerin Skye Edwards, die man vor Jahren im Kloster von Guebwiller erleben konnte. Sakrale Umgebungen scheinen Morcheeba zu liegen. Auch am zweiten Abend auf dem Domplatz präsentiert «Stimmen» alte Bekannte: Calexico aus Arizona, die auf der aktuellen Tour ihren Wüstensound durch den Singer-Songwriter Sam Beam alias Iron & Wine erweitern.

Wie zugkräftig diese Namen im Jahr 2019 noch sind? Das wird sich im Juli zeigen. Aufs Festival einstimmen kann man sich hingegen schon vor den Schulferien: «Stimmen on Tour» bringt die faszinierende US-amerikanische Harfenistin Mikaela Davis in die Clubs, am 27. Juni macht die Tour den Auftakt im Guggenheim Liestal.