Liestal Air

Ein Sommernachts-Traum mit Caro Emerald

Die Sängerin Caro Emerald aus Holland, Newcomer Damian Lynn sowie mehrere Basler Popbands verzaubern am Samstag das Publikum am 10. Liestal Air.

«Ich beginne damit, meine Schuhe auszuziehen», sagt Caro Emerald auf Englisch, als sie am Samstag kurz nach 22 Uhr nach ihrem ersten Song am Liestal Air das Publikum begrüsst. Sie trägt ein buntes Kleid mit Pfauenmuster und entledigt sich erst mal ihrer roten Lackpumps. Die ausgebildete Jazzsängerin aus Holland, die mit richtigem Namen Caroline Esmeralda van der Leeuw heisst, macht es spannend: Sie beginnt ihren ersten Song «I Belong to You» hinter der Bühne und hat so einen dramatischen Auftritt, als sie für die zweite Strophe des Liedes, das auch aus einem James-Bond-Film stammen könnte, endlich auf die Bühne kommt.

Vielschichtig dank Loop-Station

Vor Emerald treten vier Schweizer Formationen mit englischsprachigen Liedern auf. Nach den Basler Bands Thorne und The Drops trat der Luzerner Newcomer Damian Lynn auf – begleitet nur von einem Schlagzeuger und seinem eigenen Gitarrenspiel. Der 23-jährige Singer-Songwriter erklärt, dass er mit einer sogenannten Loop-Station arbeitet. Mit dem Gerät kann er Hintergrundgesang und Beat-Box-Rhythmen live aufnehmen und sie dann als Endlosschlaufe abspielen, während er singt. So erreicht er bei einigen Songs einen Klang, als ob eine fünfköpfige Band auf der Bühne stände. Soll mal einer sagen, Männer können nicht multitasken.

Lynn präsentiert einige hitverdächtige Songs von seinem Debüt-Album «Count to Ten», das am vergangenen Freitag erschienen ist, und erinnert dabei an eine Mischung aus Ed Sheeran und Jason Mraz. Dazu kommen einige überraschende Covers. Es sei schwierig als Newcomer, wenn man noch kein fixes Publikum habe, erklärt Lynn. «Darum gibt es Coversongs, wo man mal sehen kann, was der da vorne so kann.» Lynn versteht es, das Original nicht nur zu imitieren, sondern es auf seine eigene Weise zu interpretieren. Er gibt älteren und neueren Songs wie zum Beispiel «Sittin on the Dock of the Bay» oder «I’m Sexy and I Know it» eine eigene Note.

«Kommt doch nach vorne»

Nach Lynn geben erneut Basler den Ton an. Die Band Blush präsentiert unter anderem Songs von ihrem dritten Album «Lifelines», das Anfang Jahr erschienen ist. Wie die Akteure vor ihnen versuchen das Basler Duo und seine Band, das Publikum auf den Platz vor der Bühne zu locken. Der zweite Abend des Liestal Air ist nicht so gut besucht wie der Freitag mit den Mundart-Urgesteinen Polo Hofer und Stiller Has (bz vom Samstag). Es herrscht eher Grillabendstimmung. «Kommt doch von den Essensständen nach vorne, das ist besser für die Linie», ruft Dominik Sutter von Blush.

Wirklich in grosser Zahl nach vorne drängen die Besucher erst um 22 Uhr für Caro Emerald. Nach viel Gitarren-Pop glänzt Emeralds sechsköpfige Band mit Trompeten-, Saxofon-, Klarinetten- und Keyboardsolos. Ihre Popsongs, die sich an Swing-Jazz, Tango- und Mambo-Rhythmen aus den 1940er- und 1950er-Jahren orientieren, bringen Liestal zum Tanzen. «Dies ist die perfekte Atmosphäre. Es ist hinreissend, auf so einem kleinen Platz aufzutreten. Gestern spielten wir vor 20 000 Leuten», erklärt Emerald, die am Freitag noch in Rom auftrat.

Die 34-jährige Amsterdamerin spielt bis um 23.15 Uhr und geht dann von der Bühne. «Das ist jetzt mega schnell vorbeigegangen», sagt eine begeisterte Zuschauerin. «Geil», resümiert ihr Partner. «Vielleicht spielt sie jetzt noch den Grössten». Er sollte recht behalten. Emerald singt drei Zugaben, darunter auch ihren grössten Hit «A Night Like This». Zusammen mit dem Cover von «Dream a Little Dream of Me» bringt Emerald so die wunderbare Sommernacht zu Ende und schickt die Zuschauer glücklich auf den Heimweg.

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