Biennale Pratteln

Ein erfrischender Querschnitt durch verschiedene Gattungen an der Biennale

Die Werke der regionalen Künstler beeindrucken an der Biennale Besucher und Juroren ebenso wie die viel versprechende Urban Art.

«Das ist einfach der Wahnsinn. Ich bin beeindruckt. Genial!», hört man den ehemaligen Gemeindepräsidenten von Pratteln, Beat Stingelin, begeistert ausrufen, der als geladener Gast über den Urban-Art-Walk auf dem ehemaligen Buss-Areal flaniert.

Die Biennale Pratteln hat gestern in strahlendem Sonnenschein ihre Türen geöffnet. Künstler, Medienschaffende und Interessierte wurden nach einer Einführung durch Direktor Willy Surbeck und Initiator Hermann Alexander Beyeler auf einen Rundgang durch den Urban-Art-Bereich geführt, «der in seiner Vielseitigkeit und in seinem Ausmass schweizweit einzigartig ist», wie Surbeck strahlend verkündet.

Das sagt die Jury

Fünf Juroren haben die ausgestellten Werke aus zahlreichen Einsendungen ausgewählt und werden am Ende der Biennale Preise in vier Kategorien – Bild, Skulptur, Installation und Video – vergeben. Rainer Vollkommer, Direktor des Landesmuseums Liechtenstein und ausgebildeter Archäologe, hält fest: «Ich war angenehm überrascht von der guten Zusammenarbeit der Jury. Bei sehr vielen Werken waren wir uns sofort einig.»

Bodo Brinkmann, Leiter und Kurator der Abteilung Alte Meister im Basler Kunstmuseum, fügt hinzu: «Das Ergebnis dieser Auswahl ist ein erfreulicher und erfrischender Querschnitt durch verschiedene Gattungen und Techniken.» Der Kurator am Brüsseler Royal Museum of Fine Arts of Belgium und Professor für Kunstgeschichte an der Universität Gent, Joost Vander Auwera, stimmt dem zu und ergänzt: «Die Leistung der Biennale Pratteln besteht darin, der lokalen Kunst Sichtbarkeit zu geben und die Originalität von weniger bekannten Künstlern zu würdigen.»

Weitere Jurymitglieder sind Viktoria von der Brüggen, Kunsthistorikerin und Kuratorin an verschiedenen Häusern in Frankreich, England und der Schweiz, sowie Rolando Bellini, Direktor der Biennale Florenz.

Plattform für urbane Kunst

Für den Urban-Art-Bereich, der ausserhalb des Wettkampfs steht, zeichnet Philipp Brogli verantwortlich. Der Gründer des «Artstübli» und Förderer urbaner Kunst hat verschiedene Streetartists dazu animiert, die Gelegenheit zu ergreifen und auf Wandflächen von insgesamt 1500 Quadratmetern ihre Kunstwerke anzufertigen.

Der Urban-Art-Walk lädt dazu ein, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen und zu erleben, wie ihre Kunst den Raum des Industriegeländes belebt und sich aneignet. «Flächen in dieser Grössendimension, die für Urban Art genutzt werden dürfen, sind in der Schweiz einzigartig», sagt Brogli.

Die Kunstwerke werden auch nach Abschluss der Biennale bestehen bleiben. Brogli verrät: «Wir überlegen uns, auch nach der Biennale hier Führungen zu organisieren.» Direkt an der Bahnlinie beim Bahnhof Pratteln sind zusätzlich zu den Gebäudefassaden sieben grosse Aluminiumplatten angebracht, auf denen die Künstler verkäufliche Werke kreiert haben. «In die Rahmen kann man neue Platten montieren, sodass wechselnde Bilder hier Platz finden», erklärt Brogli.

Eine dieser Platten sowie eine Backsteinfassade hat Streetartist und Bildkünstler Giuseppe Aiello alias Thaf gestaltet. Der Altstätter SG mit italienischen Wurzeln lebt in Basel und arbeitet am liebsten ohne Vorgaben. «Für diese Fassade musste ich allerdings eine Skizze machen, damit das Motiv die fest montierten Elemente umspielt», sagt Aiello. «Details mache ich aber frei aus dem Kopf.»

In der Galerie

Im Ausstellungsraum der Galerie tigert Tomas Ribas umher. Im Gegensatz zu anderen Künstlern, die entspannt durch den Ausstellungsraum flanieren, muss er sein Werk immer wieder kontrollieren. Die Lichtinstallation beinhaltet einen 30 Kilo schweren, ausgehöhlten Eisblock, dessen filigrane Struktur sich durch das Schmelzen des Eises langsam bewegt, was auf einer grossen Leinwand schemenhaft nachzuverfolgen ist, während das Schmelzwasser hörbar in eine Metallwanne tropft. «Der langsame Übergang von Wasser zu Eis zeigt einen natürlichen Prozess, den Ansatz eines unaufhaltsamen Kreislaufs», erklärt Ribas seine Gedanken dazu.

Die ausgestellten Werke sind von erstaunlicher Vielfalt und Kreativität. Hansruedi Schlegels Installation aus einem Stück Treibholz, das als Pendel mit Laserstrahl immer neue Lichtbilder auf den Boden zeichnet, wirkt fast hypnotisierend. Bruno Siegenthalers expressive und dynamische Bilder sprühen vor Energie, während Margareta Leuthardts Werk mit Ruhe und Bewegung spielt.

Jonas Studers analoge Fotografien leuchten überirdisch, und Sylvia Goeschkes Glaskugel-Bilder zeigen planetarische Dimensionen. Skulpturen wie ein Bienenkorb aus über 1000 Büchern verblüffen in ihrer Materialität.

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