Hölstein

Dreist: Während die Gäste trauern, hagelts auf dem Friedhof-Parkplatz Bussen

Auf dem Friedhofs-Parkplatz in Hölstein liess die Gemeinde gnadenlos die Parkscheiben kontrollieren – ausgerechnet, als gerade eine Beerdigung im Gang war. Jetzt will der Pfarrer intervenieren.

Es ist nicht gerade die feine englische Art. Als die Gäste einer Trauerfeier in Hölstein nach der Abdankung zu ihren Autos zurückkehrten, fanden sie Busszettel unter den Scheibenwischern. Die Parkscheibe war nicht gestellt. Die Gebüssten waren verärgert – und baff: Waren es nicht Gemeindeangestellte, welche die Trauergäste bei der Ankunft auf den Friedhofparkplatz eingewiesen hatten? Die Mitarbeiter waren sogar so nett, spät eintreffende Autofahrer dazu zu ermuntern, ihre Fahrzeuge an den Rändern abzustellen, da alle Parkfelder bereits belegt waren. Zu befürchten hätten sie nichts, habe es geheissen – während einer Beerdigung werde sicher nicht kontrolliert.

Weit gefehlt. Bei der Einfahrt zum Parkplatz beim Hölsteiner Friedhof hat es ein blaues Schild. Die Parkzeit ist auf sechs Stunden begrenzt. Dazu muss aber die Parkscheibe gestellt werden. Bei etwa 15 Autos war das nicht der Fall. Die Mitarbeitenden von «24 Security», die in Hölstein mit derartigen Kontrollen beauftragt sind, stellten allen Fehlbaren eine 40-Franken-Busse aus.

Ein bz-Leser, der ebenfalls gebüsst wurde, schreibt, man sei verarscht worden. Gemeindeangestellte hätten tatsächlich versichert, es würden keine Kontrollen durchgeführt. Es sei zudem pietätlos, während einer Beerdigung Autos von Trauergästen abzupassen.

Einige Gebüsste gingen nach der Beerdigung, die am 8. Februar stattfand, auf die Gemeindeverwaltung. Schalterangestellte sammelten die Zettel ein und richteten aus, der Gemeinderat werde über einen Rückzug beschliessen. Der Entscheid war jedoch negativ.

«Sonderbehandlung nicht möglich»

«Aus Gründen der Rechtsgleichheit können die Bussen nicht zurückgezogen werden», sagt Hölsteins Gemeindeverwalter Fritz Kammermann zur bz. «Die Gebüssten hatten die Parkscheibe nicht gestellt. Die Regelung ist jedoch klar und beim Friedhofparkplatz auch deutlich signalisiert.» Die Strassenverkehrsordnung gelte für alle, auch für die Gäste einer Bestattung. «Wer zu einer Beerdigung fährt, muss innerorts auch die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde einhalten», sagt Kammermann. «Eine Sonderbehandlung ist leider nicht möglich.»

Kammermann zeigt jedoch auch Verständnis: «Ich begreife ein Stück weit, dass man sich nervt, wenn man einen Busszettel findet – gerade in einer emotional belastenden Situation. Aber der Fehler liegt nicht bei uns.

Pfarrer will intervenieren

Zum Vorwurf, die Beerdigungsgäste seien getäuscht worden, sagt Kammermann: «An jenem Tag war ein anderer Parkplatz nicht benutzbar. Darum waren Werkhofmitarbeiter damit beauftragt, die Autos auf den Friedhofparkplatz zu lotsen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gesagt hätten, es gebe keine Kontrollen.»

Die Trauerfeier am 8. Februar in der Kirche St. Margaretha leitete Roland Bressan, Pfarrer bei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Bennwil-Hölstein-Lampenberg. «Uns ist zu Ohren gekommen, dass gebüsst wurde», sagt er zur bz. «Wir werden nun mit dem Gemeinderat das Gespräch suchen und ihn darauf aufmerksam machen, dass bei solchen Anlässen etwas mehr Sensibilität angebracht sein könnte.»

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