Kunst

Der Gründer ist selber Ausstellungsobjekt – so verneigt sich das Museum vor Sammler Heinrich Weiss

Heinrich Weiss (M.) im Gespräch mit alt Bundesrat Otto Stich (l.) sowie Museumsleiter Christoph Hänggi im Jahr 2004.

Heinrich Weiss (M.) im Gespräch mit alt Bundesrat Otto Stich (l.) sowie Museumsleiter Christoph Hänggi im Jahr 2004.

Das Museum für Musikautomaten in Seewen verneigt sich vor Sammler Heinrich Weiss. Miterleben kann Heinrich Weiss die sich um ihn drehende Sonderausstellung nicht mehr. Der Gründer des Museums für Musikautomaten in Seewen ist Anfang dieses Jahres verstorben.

Nur wenige Monate haben dem Sammler und Erfinder gefehlt, um im Juni seinen 100.Geburtstag feiern zu können. Diesen nimmt das Bundesmuseum im Schwarzbubenland zum Anlass, um sich mit Heinrich Weiss zu beschäftigen. Bis zum 1.November sind Fotos und Lieblingsobjekte des Museumsgründers ausgestellt.

Heinrich Weiss gilt als Erfinder des Barcodes

Der Direktor des Musikautomatenmuseums, Christoph Hänggi, zeigt den Besucherinnen und Besuchern verschiedene Stationen aus dem Leben von Heinrich Weiss. Dies anhand von vielen Fotos und zwölf seiner Lieblingsinstrumente, die über das ganze Museum verteilt sind. Auf acht Stellwänden kann den Lebensstationen von Weiss in Schrift und Bild nachgegangen werden. Der Gründer des Musikautomatenmuseums gilt als Erfinder des Barcodes, der heute nicht mehr wegzudenken ist. Der leidenschaftliche Sammler machte sich einen Namen als Experte für mechanische Musikinstrumente. Für seine Verdienste erhielt er von der Universität Basel einen Ehrendoktorentitel. Vor einigen Jahren wurde ein Film über das Wirken von Weiss gedreht.

«Wann immer er in seinem Leben etwas anpackte, geschah dies mit viel Energie, Fleiss und Leidenschaft», schreibt Museumsdirektor Hänggi in einer Mitteilung. Am 22.Juni 1920 in Albisrieden bei Zürich geboren, wurde Weiss zunächst Mechaniker. Am Abendtechnikum und an der ETH Zürich liess er sich weiter ausbilden. Im Jahr 1950 übernahm er dann aber den fast maroden Druckereibetrieb seiner Schwiegereltern in Basel und war damit erfolgreich in einem ganz anderen Metier. Er konnte nämlich Druckaufträge für die Verpackungen der Chemieindustrie übernehmen. Dies besonders erfolgreich, weil er unter anderem eine Frühform des Strichcodes zur besseren Erkennung all dieser Verpackungen entwickelte.

Ende der 1970er-Jahre gründete er das Museum

Parallel wuchs die Sammelleidenschaft von Heinrich Weiss. Zunächst sammelte er Uhren, um sich später den Musikdosen und mechanischen Musikinstrumenten zu widmen. Ende der 1970er-Jahre eröffnete er in Seewen ein Museum, in dem er Musikautomaten ausstellte. Seit 1990 führt die Eidgenossenschaft die Einrichtung als Museum des Bundes.

Im März 2019 meldete das Bundesamt für Kultur bei der Unesco das «Uhrmacherhandwerk» als lebendige Tradition der Schweiz an und schloss dabei auch das «Kunsthandwerk der Herstellung von Musikdosen und Automaten» mit ein. Eine Tatsache, die Heinrich Weiss am Ende seines Lebens mit grosser Genugtuung zur Kenntnis nahm.

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