Von einer Überraschung zu sprechen, wäre übertrieben, doch das gestrige Resultat im zweiten Wahlgang der Ersatzwahl für den Gemeinderat entspricht für das politische Muttenz einem Coup. Die SP verliert als wählerstärkste Partei der diesjährigen Landratswahlen einen ihrer beiden Sitze. Yves Laukemann unterlag Thomas Schaub (CVP) mit 1267 zu 1473 Stimmen. Die Stimmbeteiligung lag bei 23 Prozent. Damit gehen die freigewordenen Sitze von alt Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) und der im März neu gewählten Regierungsrätin Kathrin Schweizer (SP) an Thomas Schaub und Doris Rutishauser (FDP). Letztere wurde bereits im ersten Wahlgang im Juni gewählt.

Bürgerliches «Päckli» funktioniert

Der letztlich deutliche Sieg von Thomas Schaub hat zwei Gründe. Schaub ist seit Jahren aktiv im Muttenzer Vereinsleben, im Gewerbeverein, in der Bürgergemeinde und als Vizepräsident der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission auch in der Gemeindepolitik. Dazu konnte er auf die schlagkräftige Unterstützung der bürgerlichen Partner zählen. Die FDP machte sich seit der Wahl von Rutishauser vehement für Schaub stark. Die SVP unterstützte Schaub zwar nicht offiziell, ihre Wähler verhalfen dem CVPler wohl aber ebenfalls zum Sieg. Laukemann zog hingegen erst vor viereinhalb Jahren nach Muttenz und war einem Grossteil der Bevölkerung unbekannt. Der SP fiel es schwer, eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Ersatzwahl von Schweizer zu finden. Laukemann wurde erst SP-Mitglied, als er für die Wahl angefragt wurde.

SP will Sitz 2020 zurückholen

«Muttenz ist und bleibt halt schon ein Dorf, in dem es wichtig ist, dass man sich kennt», resümiert Thomas Schaub. Für Laukemann ist die Niederlage besonders bitter, fehlten ihm doch im ersten Wahlgang nur wenige Stimmen zur Wahl. Schaub und den Bürgerlichen sei es im «Päckli» besser gelungen, ihre Wählerschaft zu mobilisieren. «Während ich im Vergleich zum ersten Wahlgang nicht zulegen konnte, gewann Thomas Schaub fast 500 Stimmen hinzu.»

Susanne Holm, Präsidentin der SP Muttenz, macht aus ihrer Enttäuschung kein Geheimnis. «Ich bedaure es sehr, dass die Balance im Gemeinderat nicht mehr gewährleistet ist.» Sie spricht gar von einem «Schlag für die SP». Man werde nun alle Kräfte bündeln, um bei den Gesamterneuerungswahlen im kommenden Februar den Anspruch der SP wieder geltend zu machen.

Die SP-Präsidentin befürchtet, im neu zusammengesetzten Gemeinderat kämen die sozialen und umweltpolitischen Anliegen zu kurz. Ganz anders sieht dies naturgemäss FDP-Präsident Daniel Schneider, seines Zeichens treibende Kraft hinter der bürgerlichen Zusammenarbeit. Er glaubt, dank der Wahl von Thomas Schaub würden gute Zeiten auf Muttenz zukommen. «Diese Wahl heisst für mich, dass Muttenz in den kommenden Jahren die Finanzen wieder in den Griff bekommen wird.»