Das sind die extremen Baselbieter Kandidierenden für die Nationalratswahlen vom 18. Oktober: Ganz links steht gemäss Auswertung der Vimentis-Spinne Grünen-Nationalrätin Maya Graf (Sissach), ganz rechts SVP-Nationalrat Thomas de Courten (SVP). Dass von den 60 bei Vimentis teilnehmenden Kandidierenden ausgerechnet zwei Bisherige Extrempositionen bekleiden, kommt nicht überraschend. Langjährige Politiker wie Graf und de Courten identifizieren sich mit dem jeweiligen Programm ihrer Partei in der Regel stärker als Newcomer, sie liegen also eher auf Parteilinie.

Überraschend ist hingegen, dass mit dem Allschwiler Philippe Hofmann ein CVPler der konservativste Kandidat ist. Hierzu gilt es allerdings anzufügen, dass Hofmann ein unkonventioneller Vertreter der Baselbieter CVP ist. Das (hier nicht publizierte) Spinnenprofil von CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (Biel-Benken) unterscheidet sich sehr stark von jenem ihres Listenkollegen: Schneider-Schneiter ist viel liberaler als Hofmann, der aufgrund seiner Positionen sehr gut in die SVP passen würde.

Der liberalste Kandidat überhaupt findet sich mit Sven Inäbnit (Binningen) erwartungsgemäss bei der FDP. Inäbnit politisiert in Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen ziemlich klassisch auf Parteilinie, unterscheidet sich davon aber durch eine ebenso konsequent liberale Haltung in Law-and-Order-Fragen oder der Migrationspolitik.

Mit Klaus Kirchmayr (Aesch) kommt naturgemäss der umweltfreundlichste Kandidat aus den Reihen der Grünen. Gleichwohl ist Kirchmayr nicht der Durchschnittsvertreter seiner Partei. Bei Finanz- und Wirtschaftsfragen politisiert er nicht weit weg von Vertretern aus dem bürgerlichen Lager. Ganz auf Parteilinie politisiert demgegenüber Christoph Hänggi (SP, Therwil), der es zum aussenpolitisch offensten Kandidaten gebracht hat, sowie Beat Schmid (Oberwil), der sich als BDP-Vertreter das Label des mittigsten Kandidaten anhängen darf.

1. Die Linkste

Maya Graf (Grüne)

Maya Graf (Grüne)

Nicht die SP, sondern die Grünen stellen mit Maya Graf die linkste Kandidatin bei den Nationalratswahlen. Die ehemalige Sozialarbeiterin aus Sissach politisiert seit 2001 im Nationalrat und präsidierte diesen sogar 2012/ 2013. Graf setzt sich von allen Kandidaten am stärksten für den Ausbau des Sozialstaates ein. Auch in der Ausländerpolitik nimmt Graf eine sehr linke Position ein. Der Bund soll ihrer Meinung nach mehr Geld für die Integration ausländischer Jugendlicher zur Verfügung stellen, und Ausländer dritter Generation sollen automatisch eingebürgert werden. Wichtiger ist ihr nur noch der Umweltschutz.

2. Der Rechteste

Thomas de Courten (SVP)

Thomas de Courten (SVP)

Der Unternehmer Thomas de Courten aus Rünenberg sitzt seit 2011 für die SVP im Nationalrat. Er zeichnet sich durch eine strikte Ausländerpolitik aus: kein Stimmrecht auf Kantonsebene für Ausländer, die seit zehn Jahren in der Schweiz leben, und keine automatische Einbürgerung für Ausländer dritter Generation. Ein grosses Anliegen ist ihm zudem der Abbau von Bürokratie beim Staat und von «unnötigen Regulierungen» in der Wirtschaft. Das Spinnenprofil de Courtens ist typisch SVP – allerdings ist es bei ihm noch etwas stärker ausgeprägt und damit polarisierter als bei anderen Vertretern seiner Partei.

3. Der Mittigste

Beat Schmid (BDP)

Beat Schmid (BDP)

Der Ingenieur aus Oberwil bewegt sich als Mittigster ganz auf der Linie seiner Partei. Sein Spiderweb scheint aber so ausgeglichen, dass ein persönliches Profil schwer auszumachen ist. Schmid ist gleichermassen für einen umfassenden Sozialstaat wie für eine restriktive Finanzpolitik. Auch der Umweltschutz und die freie Wirtschaft sind ihm fast gleich wichtig. Einzig in der aussenpolitischen Öffnung und einer weniger strikten Ausländerpolitik kann man bei dem BDPler einen leichten Schwenker feststellen. Er möchte sich, wie er sagt, nicht in politische Grabenkämpfe verwickeln lassen.

4. Stärkste aussenpolitische Öffnung

Christoph Hänggi (SP)

Christoph Hänggi (SP)

Der Leiter des Museums für Musikautomaten in Seewen politisiert seit 2009 im Landrat. Er ist zudem Vizepräsident der SP Baselland. Bei der Beantwortung des Fragebogens weist er den grössten Willen zur aussenpolitischen Öffnung auf und verfolgt dabei auch eine offene Ausländerpolitik. Er setzt sich zudem stark für den Umweltschutz ein. Dies zeigt sich durch seine Förderung des öffentlichen Verkehrs und des Umstiegs auf erneuerbare Energien. Im Vergleich zu den anderen Kandidierenden auf der SP-Liste ist er in Finanz- und Wirtschaftsfragen näher bei bürgerlichen Positionen.

5. Der Umweltfreundlichste

Klaus Kirchmayr (Grüne)

Klaus Kirchmayr (Grüne)

Der Fraktionspräsident der Grünen im Baselbieter Landrat setzt sich am konsequentesten aller Kandidierenden für ökologische Anliegen ein. Alleine damit rechtfertigt sich seine Mitgliedschaft bei den Grünen. Ansonsten ist der Unternehmer aus Aesch kein klassischer Vertreter des rot-grünen Lagers: In der Wirtschafts- und Finanzpolitik zeigt er eine auffallende Nähe zu liberalen Bürgerlichen, in Fragen nach dem Ausbau des Sozialstaates positioniert sich Kirchmayr zwar links der Mitte, aber doch entfernt von SP-Positionen. Kirchmayr ist wohl das, was man gemeinhin einen Ökoliberalen nennt.

6. Der Liberalste

Sven Inäbnit (FDP)

Sven Inäbnit (FDP)

Erwartungsgemäss stellt die FDP den liberalsten Nationalratskandidaten. Sven Inäbnit aus Binningen ist seit 2013 im Landrat. Er setzt sich ein für eine freie Marktwirtschaft, aber auch für die Freiheit des einzelnen Bürgers. Wenig Interesse zeigt er für den Ausbau des Sozialstaates und für den Umweltschutz. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der FDP ist er in der Ausländerpolitik sowie bei Sicherheitsfragen weniger strikt. Man könnte Inäbnit also einen konsequent Liberalen nennen. Er vertritt allerdings ganz klar nicht den Mainstream der Baselbieter Kantonalpartei.

7. Der Konservativste

Philippe Hofmann (CVP)

Philippe Hofmann (CVP)

Der Allschwiler Einwohnerrat und Flurnamenforscher vertritt auch für CVP-Verhältnisse sehr konservative Standpunkte. Vergleicht man sein Spinnenprofil mit jenem von Dominik Straumann von der SVP (unten), so findet man relativ wenige Unterschiede. In der Ausländerpolitik und im Rechtssystem sind die beiden nahezu deckungsgleich. Einzig der Umweltschutz liegt Hofmann noch eher am Herzen. In der Wirtschaft zeigt sich Hofmann nur wenig liberal und auch punkto gesellschaftliche Freiheiten ist bei ihm fast nichts zu holen. Hofmann ist ganz klar ein untypischer Vertreter der Baselbieter CVP.

8. Strengstes Rechtssystem

Dominik Straumann (SVP)

Dominik Straumann (SVP)

Dass Dominik Straumann für das strengste Rechtssystem steht, überrascht kaum. Der ehemalige Polizist war zwölf Jahre lang Mitglied der Justiz- und Sicherheitskommission im Landrat. Eine Stärkung von Polizei, Armee und Grenzwacht zählt zu seinen Schwerpunkten. Auch in der Ausländerpolitik gilt er als Hardliner. Die Schweiz soll seiner Meinung nach keine Wirtschaftsflüchtlinge und Dienstverweigerer aufnehmen. In der Wirtschaft nimmt der Muttenzer eine eher liberale Haltung ein. So möchte er attraktive Rahmenbedingungen für Produktion und Forschung schaffen.

Mehr Infos auf: www.vimentis.ch