Abfall-Deponien

Angehende Umweltwissenschaftler mit «Robin Wood» auf der Suche nach Lecks

Marco Agostini aus Pfeffingen hat in Duggingen eine alte Abfall-Deponie entdeckt, die nun Stück für Stück den Müll wieder frei gibt. (Archiv)

Marco Agostini hat die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Seit über zwei Jahren ist der Pfeffinger in den Wäldern im Gebiet Angenstein und im Birstal anzutreffen, immer auf der Suche nach Abfall.

Auf seinen Streifzügen entdeckte der 54-Jährige mehrere undichte ehemalige Deponien und illegale Entsorgungsstellen. In Duggingen etwa stolperte er über Plastikplanen, daneben ragten Metallstangen und ein Ski aus dem Boden. Mittlerweile hat es Agostini zu gewisser Bekanntheit gebracht, sein Spitzname: «Robin Wood».

Der Kanton Baselland reagierte auf die unappetitlichen Funde des ehrenamtlichen Waldputzers. Das Amt für Umwelt und Energie (AUE) bietet seit Jahren Praktika an, seit Herbst schickt das Amt Studierende auf die Abfallpirsch. Im vergangenen Herbst untersuchte eine angehende Umweltwissenschaftlerin der Universität Basel die Deckschichten von ehemaligen Ablagerungsstandorten, seit April führt ein Kommilitone die Arbeit fort.

Die Studierenden sind schon fündig geworden, wie das AUE auf Anfrage schreibt. Es gebe Ablagerungsstandorte, «bei welchen vereinzelte Abfälle sichtbar sind und aus abfallrechtlicher Sicht Handlungsbedarf besteht», schreibt Dominic Utinger vom AUE. Abschliessende Ergebnisse könnten noch keine vermeldet werden.

Wer soll das bezahlen?

Die Praktikantin, die im Herbst im Einsatz stand, hat 142 systematische Begehungen und Feldaufnahmen durchgeführt. Dabei beurteilte sie bei den Ablagerungsstandorten den Zustand der Deckfläche, der so genannten Rekultivierungsschicht. Marco Agostini begrüsst das Vorgehen des Kantons. «Es ist gut, dass die Studierenden die Standorte unter die Lupe nehmen», sagt der Präsident der Grünen Partei Reinach-Aesch-Pfeffingen. «Es war dringend nötig, dass etwas geht. Ich habe mehrere undichte Deponien entdeckt.»

Bei der erwähnten undichten Deponie Letten/Länzberg in Duggingen wurde zunächst über die Haftung gestritten. Das Waldstück gehört der Bürgergemeinde Aesch, die Deponie wurde jedoch von der Einwohnergemeinde Aesch betrieben. Der Kanton stellte klar: Bei früheren Deponien ist der Abfallinhaber für die Entsorgung von Abfällen und die Versiegelung der Deckschicht zuständig – und Abfallinhaber ist immer der Grundeigentümer.

Die Haftungsfrage könnte sich noch an etlichen Orten stellen. Alleine im Kanton Baselland wird die Zahl der Ablagerungsstellen auf rund 1400 geschätzt. «Im Baselbiet gibt es im Wald rund 300 Ablagerungsstandorte», schreibt das AUE.

Einfach abgeladen und verbuddelt

Bis in die 1980er-Jahre war es in der Schweiz üblich, Abfälle in Gruben, Höhlen, Erdspalten oder offen zu entsorgen. Beim Material handelte es sich um Hauskehricht, aber auch um gewerbliche Abfälle, in seltenen Fällen stammt der Abfall aus der Industrie. Der sogenannte Deponiekörper wurde in der Regel versiegelt, zum Beispiel mittels Planen, darüber kam ein Deckel, die Rekultivierungsschicht. Meist bestand sie aus Aushub- und Bodenmaterial.

Mit den Jahren kann die Deckschicht brüchig werden, etwa wegen Rutschungen oder im Bereich von umgestürzten Bäumen – der Müll kommt wieder ans Tageslicht. Doch es gibt auch Fälle, bei denen auf bereits geschlossenen, rekultivierten Ablagerungsstellen weiterhin illegal Kehricht abgeladen wurde. Für diesen herumliegenden Müll sind laut Abfallrecht, wie bei Littering, die Gemeinden zuständig.

Bei der Deponie Letten/Länzberg geht es vorwärts. Die Bürgergemeinde Aesch hat eine technische Untersuchung angeordnet. Ein Bagger wird Material ausheben, damit das Innere der Deponie begutachtet werden kann. Liegt der Untersuchungsbericht vor, entscheidet das AUE über das weitere Vorgehen. Zuvor wird die Deckschicht nicht repariert.

Darsteller in «SRF»-Sendung

Marco Agostini geht die Arbeit so schnell nicht aus. Er und seine Helfer dehnen ihre Streifzüge auf den Kanton Solothurn aus. «Ich habe Hinweise aus Nunningen erhalten, dass auch dort eine Deponie leck sein könnte», sagt der Unternehmer, der bei den kantonalen Wahlen am 31. März für den Landrat kandidiert.

Vorerst hat der zweifache Familienvater aber noch einen TV-Auftritt: Die Sendung «Einstein» des Schweizer Fernsehens wird die Grabungen in Duggingen filmen – mit «Robin Wood» als Protagonist.

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