Riehen
Zweikampf ums Präsidium: Allianzen machen den Unterschied

Für den zweiten Wahlgang am 23. Februar sind optimale Strategien und Allianzen gefragt. Im Riehener Gemeinderatswahlkampf ist alles möglich. Es geht um die Mehrheitsverhältnisse in der Landgemeinde und deren politische Zukunft.

Tobias Gfeller
Merken
Drucken
Teilen
Hansjörg Wilde und Christine Kaufmann wollen beide Riehen regieren.

Hansjörg Wilde und Christine Kaufmann wollen beide Riehen regieren.

Juri Junkov

Auf den ersten Blick scheint der 1000-Stimmen-Vorsprung von Hansjörg Wilde (parteilos) beim Kampf um das Riehener Gemeindepräsidium auf Christine Kaufmann (EVP) komfortabel. Doch mit den Stimmen von Guido Vogel (SP), der sich höchstwahrscheinlich zurückzieht, kann Kaufmann Wilde noch überflügeln. Bleibt die Frage, was die LDP an ihrer Mitgliederversammlung am Dienstag beschliesst. Klar ist, dass deren Präsidiumskandidat Thomas Strahm nicht mehr antritt.

Unklar bleibt aber, was mit seinen 852 Stimmen aus dem ersten Wahlgang vom vergangenen Sonntag passiert. Kann sich die Partei auf Wilde oder Kaufmann festlegen oder wird sie Stimmfreigabe beschliessen? Strahm selber schliesst aus, treibende Kraft hinter den Gesprächen zu sein. «Ich werde mich wohl ganz raushalten und das Feld anderen überlassen.» Den Liberalen, die eher in Richtung Mitte tendieren, steht wohl Christine Kaufmann näher. Doch für einen Grossteil ist klar, dass der Gewerbler Wilde der neue Gemeindepräsident sein soll, obwohl er für viele ein politisches Fragezeichen darstellt. Die Frage für die Liberalen ist bloss, ob sie über den eigenen Schatten springen und den politisch unerfahrenen und konservativen Wilde wählen können.

Schadet Albietz’ Wahl?

Der Präsidiumswahlkampf zwischen Kaufmann und Wilde ist vom Gemeinderatswahlkampf nicht zu trennen. Kaufmann liegt dort nach dem ersten Wahlgang gut im Rennen, Wilde trat erst gar nicht an. «Es braucht nochmals einen richtigen Effort und eine grosse Mobilisierung», betont Kaufmann. Das Zünglein an der Waage werden wohl die Mittewähler um die CVP sein. Zwar kämpft diese in der bürgerlichen Wahlallianz mit der FDP und SVP für Hansjörg Wilde, doch hat sie mit Daniel Albietz ihren Gemeinderat bereits im Trockenen. Dieses Glanzresultat könnte einige CVP-Anhänger von einem Gang an die Urne abhalten und so für die bürgerliche Allianz zum Bumerang werden. Darunter leiden würden die bürgerlichen Gemeinderatskandidaten Silvia Schweizer (FDP) und Eduard Rutschmann (SVP). Zwar haben beide aufgrund des ersten Resultats im ersten Wahlgang beste Chancen, doch Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass sich in Riehen zwischen den beiden Wahlgängen der Wind drehen kann.

Thomas Strahm muss auch bei den Gemeinderatswahlen seinen Platz räumen, damit die LDP mit Christoph Bürgenmeier auf die Unterstützung der bürgerlichen Allianz zählen kann. «Wir haben einen Vertrag, der besagt, dass wenn eine Partei nicht einverstanden ist, sich in der bürgerlichen Wahlallianz nichts ändert. Strahm ist nach seinem Alleingang und der damit verbundenen immensen Schwächung der Bürgerlichen nicht unterstützbar», stellt Rutschmann klar.

Eine Nachwahl ist möglich.

Die EVP scheint mit Annemarie Pfeifer und Christine Kaufmann auf gutem Weg. Auch die SP liegt gut im Rennen und verspricht einen intensiven Wahlkampf. «Nun konzentrieren wir uns voll auf die Personen Guido Vogel und Franziska Roth», kündigt SP-Präsident Martin Leschhorn an. «Wir wollen mit aller Kraft verhindern, dass die SVP mit Rutschmann und Wilde zwei Leuten in den Gemeinderat schickt.»

Der SP im Nacken lauert der grüne Bündnispartner Andreas Tereh. «Wir werden innerhalb unseres Bündnisses nicht gegeneinander arbeiten. Wir werden keine Gräben auftun, wo keine sind», stellt Tereh klar. Auch er hofft auf eine Wahl Kaufmanns als Präsidentin. Dann würde im Gemeinderat ein zusätzlicher Platz frei. Für diesen gäbe es am 13. April eine Nachwahl, für die wieder ein absolutes mehr nötig ist. Allenfalls ist auch für den letzten Sitz ein zweiter Wahlgang nötig.