Jubiläum
Zunft zu Rebleuten: 650 Jahre im Zeichen des Wolfs

Die Zunft zu Rebleuten feiert am Samstag ihren Geburtstag mit einem Marsch. Wo es hingeht, wissen die Gäste nicht.

Dominique Waldmann
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Das Wappen der Zunft ziert der Wolf mit seinem Rebmesser. zvg

Das Wappen der Zunft ziert der Wolf mit seinem Rebmesser. zvg

Heute feiert die Zunft zu den Rebleuten ihr 650-Jahr-Jubiläum. Dafür versammeln sich alle Mitglieder und prominente Gäste – darunter auch Guy Morin, Regierungspräsident Basel-Stadt – auf dem Münsterplatz. Morin freut sich auf den Anlass, wie er sagt. In seiner Rede wird er sich bei der Zunft für ihre «ehrenamtlichen Leistungen» bedanken. Er findet auch, dass die Zunft eine «spannende Geschichte» habe. Anton Lauber, Baselbieter Regierungspräsident, und Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, werden ebenfalls anwesend sein. Nach Chorgesang und weiteren Attraktionen im Münster folgt ein 1.3 Kilometer langer Marsch ins Unbekannte. Eduard Etter, Meister der Zunft, will nicht verraten, wo das Programm weitergeht. «Es ist eine Überraschung und soll eine bleiben.»

Die Zunft zu den Rebleuten hat nicht zum ersten Mal mit prominenten Baslern zu tun. Der spätere Basler Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein war um 1635 Oberzunftmeister. Ihm verdankt die Eidgenossenschaft ihre Unabhängigkeit vom Deutschen Reich: Wettstein handelte diese 1648 mit den Habsburgern aus.

Der Aufstieg der Rebleute

Mit 340 aktiven Mitgliedern stellt die Zunft zu Rebleuten die drittgrösste in Basel dar. Zudem hat sie eine Liegenschaft in der Freien Strasse Basel. Unter anderem wird sie auch dadurch zur reichsten Zunft von Basel, mit einem Vermögen im siebenstelligen Bereich (Jahresbilanz 2015). Damit kann die Zunft jährlich Beträge von 100'000 bis 120'000 Franken vergeben. Ausserdem ist sie im Besitz eines eigenen Rebbergs in der Aeschener Klus, der mit seinen Trauben und der Tatkraft der zunfteigenen Winzer edle Tropfen hervorbringt.

Vermögend war die Zunft aber nicht immer. Die Rebleute waren arme Leute und so war es auch eine arme Zunft. Zu Beginn wurden die Rebleute mit der Zunft der Grautücher zu einer «gespaltenen Zunft» vereinigt. 1453 wurde aber die Trennung der beiden Halbzünfte angeordnet. In der Folgezeit mussten aufgrund von finanziellen Nöten Grundstücke – ein Wald und eine Wiese – verkauft werden. Dafür behielt sie die Liegenschaft in der Freien Strasse im Besitz. Seit rund 500 Jahren befindet sich dort das Zunfthaus.

Zur Tradition gehört auch das Aufnahmeritual: Neulinge müssen bei Trommelwirbel und vor versammelter Gemeinschaft 3.5 Deziliter Weisswein aus dem Silberwolf in einem Zug austrinken. Bei Verlangen der Neulinge kann aber statt Weisswein auch Wasser in den Silberwolf gefüllt werden. Das findet während dem jährlichen Zunftessen im Oktober statt. In der Barfüsserkirche kann der Silberwolf betrachtet werden – ohne Inhalt, sicherlich zum Bedauern des einen oder anderen Besuchers.

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