Coronavirus
Zermürbt vom Daheimbleiben? So gehen die Basler mittlerweile mit den Anweisungen des Bundes um

Das sommerliche Wetter lockte in den beiden Basel am Wochenende trotz Corona viele Menschen ins Freie.

Ayse Turcan
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Auch in Coronazeiten halten sich viele Baslerinnen und Basler gerne im Schützenmattpark auf.

Auch in Coronazeiten halten sich viele Baslerinnen und Basler gerne im Schützenmattpark auf.

Juri Junkov

Sonntagnachmittag um 16 Uhr. Der Himmel ist dunstig, die Luft warm. Eine Brise weht über den Centralbahnplatz und trägt die Gitarrenklänge eines Strassenmusikers bis zur Tramstation der Linie 1. Auf den Perrons stehen zahlreiche wartende Personen: zu zweit, zu dritt oder auch alleine. Beim Schützenmattpark ein paar hundert Meter weiter zeigt sich ein Bild, wie es vor Coronazeiten an einem Sonntagnachmittag im Frühling normal gewesen wäre: Jogger, Hündeler, Pärchen, die Händchen halten, und Familien, die auf der Rasenfläche sitzen. Fast scheint es, als wäre die Coronakrise längst vorbei.

Stadtreinigung ausgelastet wie in normalen Zeiten

Die Polizei Basel sieht es ähnlich: «Wir haben den Eindruck, dass sich am vergangenen Wochenende mehr Leute als vor Wochenfrist im Freien aufgehalten haben», sagt Toprak Yerguz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement. Die Mehrheit der Baslerinnen und Basler halte sich aber an die Auflagen.
Wo Menschen sind, entsteht auch Dreck. Dass trotz der Losung «Spazieren Ja, Picknick Nein» viele Mitgebrachtes auf den Grünflächen der Stadt konsumieren, zeigt sich am Abfall, der sich mancherorts nicht nur in, sondern auch neben den Mülltonnen stapelt. Stefan Pozner von der Stadtreinigung bestätigt: «Dieses Wochenende hatten wir viel zu tun.» Nachdem sie zu Beginn des Lockdown für kurze Zeit etwas weniger Arbeit gehabt hätten, herrsche jetzt abgesehen von personellen Umstellungen schon fast wieder Normalbetrieb. An stark frequentierten Orten wie dem Rheinbord seien daher wieder zusätzliche blaue Container aufgestellt worden.

In den Naherholungsgebieten im Kanton Baselland zeigt sich ein vergleichbares Bild. Nicht nur Wanderer und Velofahrer bewegen sich entlang der Birs oder im Hardwald, auch viele Familien suchen sich ein ruhiges Plätzchen in der Natur. Und sie scheinen langsam genug zu haben von Corona: «Wir stellen eine gewisse Sättigung bezüglich der Einhaltung der Verhaltensregeln fest», sagt Adrian Gaugler von der Baselbieter Polizei.

Basler Polizei stellt weniger Ordnungsbussen aus

Wenn sich mehr Leute im Freien aufhalten und weniger Verständnis für die Coronamassnahmen herrscht, liegt die Vermutung nahe, dass mehr Personen gebüsst werden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Während Baselland keine konkreten Zahlen kommuniziert und lediglich bekanntgibt, Bussen «im mittleren zweistelligen Bereich» wegen Verstössen gegen die Sicherheitsmassnahmen ausgestellt zu haben, sind in der Stadt am vergangenen Wochenende etwas weniger Bussen verteilt worden als an Ostern. «Im Zusammenhang mit Corona wurden 65 Ordnungsbussen ausgestellt», so Toprak Yerguz.

Während zu Beginn des Lockdown jeweils den ganzen Tag über Polizeibeamte am Rheinbord entlang patrouillierten und die dort sitzenden Personen ansprachen, waren am Wochenende gefühlt weniger Polizisten auf Streife. Yerguz betont aber, am Auftrag der Polizei habe sich nichts geändert. «Die Kantonspolizei Basel-Stadt geht nach wie vor auf Personen zu und informiert. Uneinsichtige werden konsequent gebüsst.» Ins gleiche Horn bläst auch Gaugler von der Baselbieter Polizei: «Wir kontrollieren und sanktionieren weiterhin.»

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