Reiner Eichenberger
Wirtschaftsprofessor: Uni spart nicht viel mit Einstellungsstopp

Die Universität Basel stelle sich mit dem Einstellungsstopp auf weniger Mittel ein, sagt Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger. Ausserdem drohe er Uni der Ruf einer finanziell unsicheren Institution.

Jonas Hoskyn
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Ökonom Reiner Eichenberger.

Ökonom Reiner Eichenberger.

Susi Bodmer

Der Einstellungsstopp an der Basler Universität ergibt nur unter einem Aspekt Sinn: Die Universität rechnet für die Zukunft mit deutlich weniger finanziellen Mitteln. «Unter diesen Umständen ist es ein Weg, sich einen gewissen Handlungsspielraum für einen längerfristigen Umbau zu bewahren», sagt Reiner Eichenberger. Der Fribourger Wirtschaftswissenschaftler gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen der Schweiz und befasst sich regelmässig mit Hochschulpolitik. Für alle anderen möglichen Szenarien, welche die Regierungen beider Basel zurzeit diskutieren, hält Eichenberger das Vorgehen der Universität für höchst problematisch. «Es gibt andere Möglichkeiten zu sparen als über einen Einstellungsstopp.» Der Universität Basel drohe so der Ruf einer finanziell unsicheren Institution. «Das kann dem Image stark schaden.»

Zudem lasse sich mit dem Einstellungsstopp kurzfristig kaum Geld einsparen: «Die Lehrpläne sind gegeben. Kurzfristig umzustellen, ist gar nicht möglich und auch mittelfristig mit riesigen Kosten verbunden», sagt Eichenberger. Um die leeren Professorenstellen zu kompensieren, müsse die Universität in einem solchen Fall Privatdozenten oder Gastprofessoren anstellen. «Drei Stunden Lehre zu ersetzen, kostet pro Semester zwischen 15 000 und 20 000 Franken», sagt er. Noch nicht berücksichtig sind dabei die Betreuung der Assistenten und die gesamte Forschung, die wegfallen. «Unter dem Strich ist der Spareffekt viel kleiner als erwartet.»

«Nicht mehr viel Luft drin»

Auch sei es ein Trugschluss zu glauben, man könne als Universität nach der Beendigung des Einstellungsstopps einfach weiterzumachen wie zuvor: «Für eine gute Uni ist es wichtig, neue Leute anzustellen», sagt Eichenberger. Vor allem die Forschung werde stark von jungen Professoren getragen. «Wenn man jetzt aufhört zu rekrutieren, ist das ein akademischer Aderlass.»

Zwar ist die Basler Universität in den letzten Jahren in den Rankings zurückgefallen, dabei würde aber vor allem die Grösse der Universitäten eine Rolle spielen, was ein falsches Bild abgebe, so Eichenberger. «Wenn man vergleicht, wo pro investiertem Franken wie viel Output rauskommt, rangiert die Uni Basel schweizweit ganz oben.» Die ETH, welche eigentlich als Nummer eins in der Schweizer Bildungslandschaft gilt, sei da deutlich schlechter aufgestellt. «Die Universität Basel macht bereits jetzt sehr viel aus ihren Mitteln. Da ist nicht mehr viel Luft drin.» Die Kehrseite: Jede Sparmassnahme hat direkt einen Qualitäts-Abbau zur Folge.

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