Konkrete Pläne
Wird ein See in Aesch zum Anziehungspunkt der Expo 2030?

Die Gemeinde Aesch will Ernst machen: Bis in wenigen Jahren soll sich das Baselbiet über einen See freuen können – auch an einer Expo 2030?

Daniel Ballmer
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Der rostige Monolith im Murtensee wurde zum eigentlichen Symbol der Expo 02.

Der rostige Monolith im Murtensee wurde zum eigentlichen Symbol der Expo 02.

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Eine Einzigartigkeit soll es sein. Für das Entwicklungsgebiet Aesch Nord. Für die Gemeinde. Für den Kanton Baselland. Die Gemeinde wolle sich abheben von anderen Standorten, attraktiv sein für nationale und internationale Firmen mit hohen Ansprüchen, erklärt Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger. Aesch könnte bieten, was die Region bisher nicht zu bieten hat: einen See.

Die Gemeinde hat sich allerdings noch keine Gedanken darüber gemacht, inwiefern sie Teil einer Expo sein könnte. Offen ist auch, ob das Entwicklungsprojekt für einen See in die Pläne für eine Expo 2030 passen würde. An der Expo 64 war es eine U-Boot-Fahrt zum Grund des Genfersees, an der Expo 02 zählte die künstliche Wolke auf dem Neuenburgersee zu den Höhepunkten. Und der rostige Monolith bei Murten wurde zum eigentlichen Symbol der damaligen Landesausstellung. Oder anders: Was ist eine Expo ohne See?

Standortattraktivität steigern

So weit aber ist es noch lange nicht. Denn noch hat Aesch einen weiten Weg vor sich. Bereits 2007 hatte die Gemeinde für Erstaunen gesorgt, als sie in ihrem heftig diskutierten Richtplan im Gebiet Aesch Nord unweit der Grenze zu Reinach und westlich der Industriezone einen Standort für einen See ausgeschieden hatte. «Es ist mittlerweile auch hierzulande salonfähig, sich aktiv und innovativ mit der Standortattraktivität zu befassen», sagt Hollinger. «Wir alle stehen im Wettbewerb.»

Aesch treibt die Entwicklung des Gebiets denn auch voran. Erst Ende April hatte die Gemeinde ihre Pläne präsentiert. Bereits in zweieinhalb Jahren soll der Aushub für die ersten Hochhäuser und die anderen neuen Gebäude starten. Der Bezug ist schon in fünf Jahren vorgesehen. Und vielleicht können die Aescher dann auch schon bald ihren künstlichen See geniessen. Hollinger: «Es ist eine ehrgeizige Idee, aber technisch möglich.» Noch seien viele Fragen offen.

Im April war noch die Rede von einer Grösse von mehreren Fussballfeldern. Mittlerweile geben sich die Gemeindebehörden etwas zurückhaltender, sprechen von einem «lokalen, zum Charakter des Gebiets passenden Gewässer». Gespeist werden soll der See mit Dachwasser der benachbarten Gebäude sowie mit Drainagewasser aus der Umgebung. Der Gemeinderat hat für die Entwicklungsplanung bereits grünes Licht gegeben. Die Pläne müssen nun aber auch noch von der Gemeindeversammlung abgesegnet werden. Von ihr braucht es die Zustimmung zu den Quartierplänen.

Mitinvestoren gesucht

Der See soll das Naherholungsgebiet vor der Haustüre aufwerten. Badebetrieb ist dagegen keiner geplant. «Der See wird dennoch hoffentlich auf Interesse in der Bevölkerung stossen», ist Hollinger überzeugt. «Wasser ist ein sehr anziehendes Element.» Hinzu komme der ökologische Effekt mit der Wiederverwertung von Dachwasser aus dem nahen Gewerbegebiet. Vorwärts geht es auch mit der Erschliessung: Bereits Ende Jahr soll der Kanton mit dem Zubringer Aesch Nord zur H 18 beginnen.

Bleibt die Frage der Finanzierung als Teil der Entwicklungsplanung. Die Kosten dürften sich im siebenstelligen Bereich befinden, würden aber aktuell neu berechnet. Klar aber ist, dass das Projekt nur zu stemmen ist, wenn sich die Investoren in Aesch Nord, die Gemeinde und der Kanton gemeinsam beteiligen. Letzterer habe 2007 den Richtplan genehmigt und sei von den grossen Entwicklungen betroffen, weshalb die Gemeinde davon ausgeht, dass er sich beteiligen wird. Immerhin sei über Steuereinnahmen und Standortattraktivität mit einem «Return on investment» zu rechnen. «Nichtstun wäre das Schlechteste», betont Hollinger. «Das weiss man wohl auch in Liestal.»

Erstes Projekt trockengelegt

Es ist nicht das erste Mal, dass im Baselbiet Pläne für einen See gewälzt werden. 2006 war es die damalige Baudirektorin Elsbeth Schneider, die das Projekt lanciert hatte. Ihre Vision: Ein See, der in Münchenstein auf rund 500 Metern Länge und zirka 100 Metern Breite zum Bade lockt. Ins Auge gefasst hatte Schneider ein idyllisches Stück Land gleich bei der Hofmatt, östlich von dort, wo Birs, Hauptstrasse, Autobahn, Zug- und Tramlinie aufeinandertreffen. Geschätzte Kosten: 6 bis 8 Millionen Franken. Die Vision aber versandete. 2010 zog der Kanton endgültig den Stöpsel.

Das soll in der Gemeinde Aesch nicht passieren. «Es ist meiner Meinung nach die Aufgabe der Politik, Ideen zu haben und visionär voranzugehen», sagt die Gemeindepräsidentin. Das sei immer auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Hollinger: «Ohne jemanden, der am Karren zieht, bleibt dieser stehen. Und Stehenbleiben können wir uns nicht leisten.»