Interview
«Wir haben hier unsere Wurzeln und wollen auch langfristig bleiben»

Severin Schwan geht von einer guten Akzeptanz des Projekts aus und denkt, dass die meisten Basler sich darüber freuen, dass Roche in Basel investiert und qualifizierte Arbeitsplätze schaffen wird.

Stefan Schuppli
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Optimistisch: CEO des Schweizer Pharmaunternehmens Hoffmann-La Roche Severin Schwan.

Optimistisch: CEO des Schweizer Pharmaunternehmens Hoffmann-La Roche Severin Schwan.

Roche

Der neue Roche-Turm soll 205 Meter hoch werden, nochmals fast 30 Meter höher als der im Bau befindliche. Schon dieser ist dominant. Befürchten Sie nicht, dass damit die Toleranz der Basler Bevölkerung gegenüber Hochhäusern strapaziert wird?

Severin Schwan: Diese Investition ist ein deutliches Bekenntnis zu Basel und zur Schweiz. Wir sind seit fast 120 Jahren hier, wir haben hier unsere Wurzeln und wollen auch langfristig bleiben. Von daher ist uns das Verhältnis mit den Nachbarn und der Bevölkerung ganz wichtig. Da haben wir uns viele Gedanken gemacht. Es ist klar, dass eine so grosse Investition polarisieren kann und es auch kritische Stimmen geben wird. Aber ich glaube, die meisten Basler freuen sich darüber, dass wir hier investieren, qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und gleichzeitig grossen Wert auf Architektur und eine nachhaltige Stadtentwicklung legen.

Andere Bauprojekte wurden verhindert oder hatten es zumindest sehr schwer hier in Basel

Wir werden nach Bezug von Bau 1 (der neue geplante Turm, die Red.) Ende nächsten Jahres immer noch 3000 der 9000 Stellen in Basel an 13 Aussenstellen über die ganze Stadt verteilt haben. Wir wollen die betroffenen Mitarbeiter wieder an einem Ort zusammenbringen. Ganz entscheidend war dabei auch die Überlegung, dass wir durch die Verdichtung des bestehenden Industrieareals vermeiden, andernorts Grünflächen verbauen zu müssen. Es ist sogar so, dass wir durch diese Verdichtung neue Grünflächen auf dem bestehenden Areal freimachen, insbesondere auf der Südseite zum Rhein hin. Das ist im gegenseitigen Interesse von Roche und der Stadt.

Braucht es Aufzonungen oder Änderungen von Bauvorschriften auf dem Areal?

Es braucht einen neuen Zonenplan. Wir werden Anfang 2015 beim Kanton das Gesuch um einen neuen Bebauungsplan einreichen, der dann vom Grossen Rat bewilligt werden muss. Das betrifft den mittleren Teil des Areals nördlich der Grenzacherstrasse.

Wie werden dereinst all die Leute auf das Areal kommen? Braucht es nicht auch eine neue Anbindung an den öffentlichen Verkehr?

Ein ganz wichtiges Thema. Wir haben ein Mobilitätskonzept, welches vorsieht, dass 70 Prozent der Beschäftigten mit dem öffentlichen Verkehr, per Fahrrad oder zu Fuss zur Arbeit kommen. Wir haben auf dem Areal eine neue Einstellhalle für 1500 Fahrräder geplant. Auch die Anbindung zum öffentlichen Verkehr ist wichtig, da stehen wir mit den Behörden in engem Kontakt. So ist eine neue Tramlinie in der Grenzacherstrasse denkbar. Auch eine S-Bahn vom Badischen Bahnhof zum Bahnhof SBB würde mittelfristig zu einer grossen Entlastung führen.

Wann wurde es klar, dass es einen zweiten Turm geben wird?

Es geht nicht einfach um einen zweiten Turm. Insgesamt sollen über die nächsten Jahre elf neue Gebäude erstellt werden. Mit der positiven Geschäftsentwicklung haben wir in der Region in den letzten Jahren rund 3000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wir mussten immer mehr Leute in Aussenstellen unterbringen, und wir merkten: Bau 1 reicht nicht. Da begannen wir unsere Überlegungen, welche Funktionen hier in Basel behalten werden sollen und welche beispielsweise nach Kaiseraugst, unseren zweiten Standort in der Region Basel, verlagert werden sollen.

Und trotzdem soll ein weiterer Turm dazukommen, der sogar noch höher ist.

Wir sind in den Planungsprozess ohne konkrete Vorgaben für einzelne Gebäude eingestiegen. Es sind viele Alternativen geprüft worden und wir glauben, dass wir mit dem vorgestellten Konzept eine sehr ausgewogene und überzeugende Lösung gefunden haben.

Der hohe Turm könnte auch tiefer sein, wenn auf die Stufung verzichten würde.

Ja, das ist richtig. Aber die beiden gestuften Gebäude, die sich in der Mitte des Areals befinden und diese auch klar definieren, sollen bewusst in einem Dialog stehen und damit eine Verbindung zwischen dem Nord- und Südareal schaffen. Darum herum befinden sich die anderen Gebäude in verschiedenen Abstufungen. Ich bin überzeugt davon, dass der Bau 1 in diesem Gesamtensemble zusätzlich an Qualität gewinnt.

Sie halten also an Basel als Hauptsitz fest, komme was wolle

Wir sind mit dem Standort Basel und der Schweiz historisch eng verknüpft. Basel ist unsere Heimat, wir fühlen uns hier sehr wohl. Und wir finden hier insgesamt auch gute Standortbedingungen vor: ein gutes Ausbildungssystem, ein gutes universitäres Netzwerk, wir haben stabile politische Rahmenbedingungen, vernünftige Steuern, der Kontakt zu den Behörden ist problemlos, pragmatisch und unkompliziert. Wir vertrauen darauf, dass diese Rahmenbedingungen auch so bleiben. Daran müssen wir aber auch in Zukunft alle gemeinsam hart arbeiten.

Macht Ihnen die Masseneinwanderungsinitiative Sorgen?

Ich hätte mir persönlich ein anderes Ergebnis gewünscht. Aber wir erwarten, dass die Umsetzung der Initiative mit Augenmass erfolgt. Wir werden uns da einbringen. Als Österreicher bewundere ich die Schweiz, die immer wieder die Fähigkeit zeigt, auch in schwierigen Situationen pragmatische Lösungen und Kompromisse zu finden.

Ist das die grösste Bau-Investition von Roche an einem Standort?

Ja, mit Abstand, jedenfalls in dieser gebündelten Form.

Wie viel effektiv neue Arbeitsplätze werden dazukommen?

Ich will hier keine Prognose in Zahlen abgeben. Wenn das Geschäft gut läuft, ist mit einem Zuwachs zu rechnen. Wir stehen gut da, und wir haben einige neue Produkte in der «Pipeline». Die Aussichten sind gut.

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