Klimaschutz
Wie sich die Basler Pensionskasse weiss wäscht: Investitionen in Kohlefirmen künftig tabu

Investitionen in Firmen wie die russische Gazprom oder die deutsche RWE sind wegen ihres Geschäfts mit der Kohle für die Basler Pensionskasse künftig tabu.

Stefan Boss
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Dunkle Rauchschwaden steigen aus dem RWE Braunkohlekraftwerk Niederaussem. (zvg)

Dunkle Rauchschwaden steigen aus dem RWE Braunkohlekraftwerk Niederaussem. (zvg)

Keystone

Es ist ein Erfolg für den Klimaschutz: Die Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS) hat per 1. Januar 2019 ihre Anteile an Kohlefirmen abgestossen. Die Mitteilung des Entscheids versteckte sie diesen Frühling ganz am Schluss in einer Medienmitteilung so gut, dass er durch die Öffentlichkeit bisher nicht beachtet wurde. Konkret stiess die Pensionskasse Aktien von rund 50 Firmen ab, welche über 5 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen.

Noch vor eineinhalb Jahren wollte die PKBS von einem solchen Schritt nichts wissen, wie der Basler Regierungsrat damals in einer Antwort auf einen Anzug Nora Bertschis erklärte. Die Grüne Grossrätin hatte gefordert, dass die PKBS, welche das Basler Staatspersonal von Lehrerinnen bis zu Tramchauffeuren versichert, auf Investitionen in fossile Energieunternehmen verzichte. Nun also ist sie immerhin aus der besonders klimaschädlichen Kohle ausgestiegen.

Investitionsvolumen in der Höhe von 40 Millionen Franken

Es geht um ein Volumen im Umfang von 40 Millionen Franken, wie Susanne Jeger, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Pensionskasse, auf Anfrage freimütig erklärt. Darunter befinden sich durchaus bekannte Unternehmen wie die russische Gazprom (mit Anteilen von 1,2 Millionen), die australisch-britische BHP Group (5,4 Millionen) und die deutsche RWE (0,5 Millionen).

In ihrer Hauszeitschrift «Aspekte» begründete die Kasse den Ausstieg mit den «Folgen für das Klima», die Abbau und Nutzung von Kohle verursachen. Schweizerinnen und Schweizer verursachen Treibhausgase nicht nur über Verkehr, Heizung, Industrie und Landwirtschaft, sondern auch über die Investitionen, die ihre Pensionskassen in Energiefirmen tätigen. Die Studie des Bundesamts für Umwelt «Kohlenstoffrisiken für den Finanzplatz Schweiz» kam 2015 zum Schluss, dass jeder Schweizer Versicherte über seine Pensionskasse pro Jahr CO2-Emissionen von 6,4 Tonnen finanziert, das entspricht etwa dem jährlichen Treibhausgasausstoss pro Person im Inland. Rechnet man noch die ganzen Bankguthaben dazu, betragen die Emissionen gar ein Vielfaches.

Die grüne Grossrätin Lea Steinle, die für Nora Bertschi nachrückte, begrüsst den Entscheid der Basler Pensionskasse, künftig auf Investitionen in Kohle zu verzichten. «Das ist ein wichtiger Schritt», sagt sie auf Anfrage. «Die Basler Pensionskasse könnte aber noch mehr machen und zum Beispiel auch Firmen ausschliessen, welche Erdöl fördern oder Pipelines bauen», fordert sie. Sie vermisst bei der Pensionskasse Basel-Stadt eine klare Dekarbonisierungsstrategie», wie sie beispielsweise die Pensionskasse der Stadt Zürich aufweise.

Die Pensionskasse könnte Firmen ausschliessen, die Erdöl fördern oder Pipelines bauen.

(Quelle: Lea Steinle (Grüne) Basler Grossrätin)

Den Anfang gemacht hatte vor drei Jahren die Pensionskasse des Bundes: Sie versichert das Bundespersonal und stiess als erste grosse Kasse in der Schweiz ihre Anteile an Kohlefirmen ab. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass solche Investitionen bei verstärkten Massnahmen für den Klimaschutz plötzlich deutlich an Wert verlieren könnten. Es war die Furcht vor einer Kohlenstoffblase (carbon bubble), die sie zum Handeln veranlasste. Die kantonalen Pensionskassen in Genf und Zürich entschieden sich für einen gleichen Schritt. Das Pariser Klimaabkommen von 2015, das die Schweiz mitunterzeichnet hat, verpflichtet die Staaten, ihre Investitionen in fossile Energie zurückzufahren. Es will die globale Erhitzung auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzen.

Der Druck bleibt dennoch bestehen

Ist es denkbar, dass die Pensionskasse Basel-Stadt in absehbarer Zeit auch auf Investitionen in Erdöl und Erdgas verzichten wird, wollten wir von Geschäftsführerin Susanne Jeger wissen? «Die Weiterentwicklung von Massnahmen» sei unter Berücksichtigung des Leitbildes der Pensionskasse «ein laufender Prozess», hält sie fest. Das Leitbild berücksichtigt neu auch Risiken durch den Klimawandel. Neben dem Ausschluss von Firmen setzt die Basler Pensionskasse laut Jeger weiterhin auf den Dialog mit Unternehmen, um sie für soziale und ökologische Ziele zu gewinnen. Sie pflegt über den Engagement Pool der Stiftung Ethos schon seit längerem den Dialog mit den börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz, seit Anfang Jahr auch mit den 300 grössten börsenkotierten Unternehmen im Ausland.

Der politische Druck in Basel, den Finanzmarkt auf mehr Nachhaltigkeit zu trimmen, dürfte jedenfalls anhalten. Im Februar hat der Grosse Rat den «Klimanotstand» ausgerufen. Zudem hat der Rat eine Motion von Nicole Amacher (SP), welche die Basler Kantonalbank verpflichtet hätte, ihre Investitionen bis 2030 aufs Ziel netto-null-CO2-Emissionen auszurichten, nur hauchdünn mit Stichentscheid des Präsidenten Heiner Vischer (LDP) abgelehnt.

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