Vor gut vier Jahren verkündete der Norweger Jostein Eikeland grosse Pläne. Im Walliser Städtchen Martigny entstehe mit der Alevo Group eine Firma, die den Batteriemarkt weltweit revolutionieren werde. In der Schweiz würden nach einem Geheimrezept die Elektrolyte hergestellt, in den USA die Batterien produziert, die grosse Energiemengen speichern könnten und auch durch schnelles Laden und Entladen funktionstüchtig blieben. Ein Investitionsvolumen von einer Milliarde Franken sei vorhanden, erklärte Eikeland. Innerhalb von drei Jahren würden alleine in den USA über 2500 Jobs geschaffen.

Was die Investorensuche betrifft, war Eikeland teilweise erfolgreich. Ein schwedischer Journalist enthüllte, wie Eikeland über Offshore-Konstruktionen Investorengeldern in dreistelliger Millionenhöhe einwerben konnte. An Bord war auch Rybolowlew, der sich mit dem Bergbauunternehmen Uralkali ein Milliardenvermögen verdient hatte. Mit einer Investitionsspritze von 126 Millionen Dollar übernahm der Russe im Jahr 2016 die Macht bei der Schweizer Batteriefirma Alevo. Eikeland wurde degradiert, Gefolgsleute von Rybolowlew ersetzten ihn an der Unternehmensspitze.

Marktreif wurde die Technologie damit aber auch nicht. Das US-Wirtschaftsmagazin «BusinessNC» beschrieb, dass für 68 Millionen Dollar eine leerstehende Zigarettenfabrik gekauft, dort 200 Millionen Dollar investiert und immerhin 290 Arbeitsplätze geschaffen worden seien. Das neue Management habe versprochen zusätzlich 200 Mitarbeitern anzustellen sowie eine 250-Megawatt-Anlage zu installieren. Dies habe die Behörden Anfang 2017 verleitet, neue Steuererleichterungen in Millionenhöhe in Aussicht zu stellen. Faktisch hat nach übereinstimmenden Medienberichten aber nur eine Grossbatterie je die Fabrik verlassen, und auch über deren Funktionstüchtigkeit bestünden Zweifel.

Das Ende der Alevo

Im Frühjahr 2017 strichen Zulieferer ihre Kreditlimiten. Darunter eine chinesische Firma, die Kupfer und Nickel lieferte. Im August war die US-Gesellschaft Konkurs und wurde unter Chapter 11 gestellt, ein Instrument des amerikanischen Rechts, das ein geordne-
tes Insolvenzverfahren erleichtert. 290 Arbeiter verloren den Job.

Das international aufgestellte Kartenhaus fiel nun in sich zusammen. Im November 2017 wurde ein Nachlassverfahren über die Schweizer Muttergesellschaft, die Alevo Group AG, eingeleitet. Diese organisierte den Finanzfluss und hält die Patentrechte. Kurz darauf war auch die deutsche Alevo Battery Technology GmbH, die Forschungsgesellschaft der Gruppe, insolvent. Die «NZZ am Sonntag» berichtete über die Zahlungsunfähigkeit und wie gutgläubige Anleger um ihren Einsatz gebracht worden seien.

Auf Anfrage erklärt der deutsche Insolvenzverwalter aber, die Assets der deutschen Firma seien bereits im Dezember von einer Auffanggesellschaft, der Kristall 205 GmbH, übernommen worden. Die Firma ist mittlerweile in Innolith Science and Technology GmbH umbenannt, was auf den Geldgeber verweist: Rybolowlew.

Die deutsche Alevo-Belegschaft arbeitet nun unter dem Label Innolith. Eine Person, die sich vor allem im Hintergrund aufhält, ist dabei besonders von Interesse: Alan George Greenshields. Der Brite lebt seit vielen Jahren in Basel – und war als Promoter eines hochtrabenden Batterieprojekts schon einmal in die Schlagzeilen geraten.

Der Anfang der Fortu Holding

2012 berichtete diese Zeitung, wie Greenshields als Verwaltungsratspräsident mit der Basler Fortu Holding AG das grosse Rad drehen wollte. Diese besass die Rechte an einer angeblich bahnbrechenden Batterietechnologie, die im süddeutschen Raum entwickelt wurde. Es ist dieselbe, die dann bei Alevo zum Einsatz kam und nun Innolith beflügeln soll. In der Basler Fortu Holding waren die internationalen Investorengelder gebündelt, die Produktionsanlage stand in den USA. 670 Millionen Dollar sollten in der Fabrik in Michigan investiert werden. 645 Arbeitsplätze sollten geschaffen werden. Die örtlichen Wirtschaftsförderer stellten Entlastungen in Höhe von 100 Millionen Dollar in Aussicht.

Ein Jahr später war die Fortu-
Batterie leer. Alte und neue Investoren hatten sich zerstritten, eine notwendige Finanzierungsrunde scheiterte. Die Firma ging pleite, rund 60 Millionen Franken waren verloren. Die amerikanischen Kommunalbehörden erfuhren aus der Zeitung, dass den grossen Worten aus Basel keine Taten folgten. Greenshields erklärte, die Marktumstände seien ungünstig gewesen.

Die Fortu-Story lieferte die Blaupause für die spätere Alevo-Geschichte. Zwar hatte Eikeland seit 2009 seine Batterie-Pläne promotet, doch die nötigen Patente hatte er erst 2014 aus dem Nachlass der Fortu übernommen.

Greenshields war bis zum Schluss bei Fortu involviert, bei Alevo trat er erst an der Seite von Rybolowlew wieder auf. Mit der Innolith, der dritten Auflage des offenkundig wiederaufladbaren Batterie-Spiels, steht Greenshields nun wieder in der ersten Reihe. Er hat nicht nur die Hauptfirma in seiner Wahlheimat Basel angemeldet, er präsidiert sie auch und ist bei den deutschen Innolith-Firmen involviert.

Die Innolith schweigt

Auf Fragen zu Strategie und Hintergründen der Innolith-Gruppe erklärt ein Sprecher, die Firma sei noch in «stealth mode» (verdeckt). Sie kommuniziere derzeit deshalb weder über die Technologie noch über den Firmenstatus. Es gebe keine Auskünfte über Tochterfirmen oder Akquisitionen.

Ob Innolith an die Patentrechte herankommt, die unter Aufsicht des Nachlassverwalters bei der Alevo Group liegen, ist nicht entschieden. Die Frist der Nachlassstundung wurde Anfang März auf September verlängert. Ohne diese Rechte wird
die Übernahme der deutschen Forschungsabteilung allerdings weitgehend wertlos bleiben, bestätigt ein Marktbeobachter.

Nicht mehr greifbar sind seit vergangener Woche die mit Rybolowlews Geld aufgebauten Produktionsanlagen in den USA. Sie wurden als Gesamtpaket an das Konsortium IM3NY verkauft, zu dem auch Siemens gehört. Die Käufer hatten in Mitteilungen gejubelt, für einen Bruchteil eine Anlage im Wert von 200 Millionen Dollar erwerben zu können. Sie wird abmontiert und an neuem Ort für den Aufbau einer eigenen Batterieproduktion verwendet.

Dass Innolith ebenfalls in den USA eine Batteriefabrik hochziehen wird, erscheint derzeit als unwahrscheinlich. Obwohl Dmitri Rybolowlew erfolgreich mit Donald Trump geschäftete, steht er als Nummer 76 auf der Liste jener Oligarchen, die
seit Ende Januar von den USA sanktioniert werden.