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Wie die Römer nach Basel kamen und wo man sie heute noch findet

Die ersten Römer in Basel begruben ihre Toten da, wo sich heute die Freie Strasse befindet. Auf dem Münsterhügel befand sich zu Caesars Zeiten eine befestigte Siedlung mit einer imposanten Wehranlage, sie wurde aber vornehmlich von Kelten bewohnt.

Matthias Zehnder
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Wo man die Römer in Basel heute noch findet
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Militärgürtel aus einem Offiziersgrab.
Gestempelte römische Ziegel, gefunden auf dem Münsterhügel.
Auf dem Münsterplatz liegt ein gusseiserner Deckel an der Stelle, wo sich vor mehr als 17000 Jahren ein Sodbrunnen befand.
Münsterhügel

Wo man die Römer in Basel heute noch findet

zvg

«Gallia est omnis divisa in partes tres ...» Generationen von Lateinschülern sind mit diesen Sätzen gross geworden. Es sind die ersten Worte aus der Beschreibung des Gallischen Kriegs von niemand Geringerem als Julius Caesar. Und Generationen von Schweizern haben sich darüber gefreut, dass Caesar die Helvetier als tapferes Volk beschrieb, das die Gallier an Tapferkeit übertreffe, weil sie sich in fast täglichen Gefechten mit den Germanen messen.

Auf dem Münsterhügel befand sich zu Caesars Zeiten eine befestigte Siedlung mit einer imposanten Wehranlage, sie wurde aber vornehmlich von Kelten bewohnt. Römisches Militär war zwar zugegen, es haben aber vornehmlich keltische Adelige mit ihrem Gefolge auf dem Münsterhügel gewohnt. «Wir haben Funde aus dem ersten und zweiten Jahrzehnt vor Christus, wir haben aber keine Hinweise auf Gebäude, welche die Römer da errichtet haben», erklärt Andrea Hagendorn, Leiterin Ressort Münsterhügel der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt. Es gebe zwei Möglichkeiten, wie die römischen Soldaten auf dem Münsterhügel gelebt haben könnten: «Entweder hat das Militär kleine Lager errichtet oder sich in den keltischen Siedlungen niedergelassen und mit der keltischen Bevölkerung zusammengearbeitet.»

Basel gab es nur auf Papier

Lange ging man davon aus, dass sich die Verhältnisse um 44 vor Christus änderten. Laut der Grabinschrift für den römischen Feldherrn L. Munatius Plancus ist 44 vor Christus die Colonia Raurica in Basel gegründet worden. Doch «die Siedlung ist wohl nie über den Gründungsakt hinausgekommen», meint Andrea Hagendorn. «Wir haben einige Gegenstände aus Italien gefunden, vor allem Geschirr, und Hinweise auf frühe militärische Ausrüstungsgegenstände. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass sich die Soldaten Caesars tatsächlich in Basel niedergelassen haben.» Es werde deshalb bis heute in der Forschung diskutiert, ob es die Siedlung wirklich oder nur auf dem Papier gegeben hat. «Vielleicht werden wir aber eines Tages überrascht und finden archäologische Spuren, die beweisen, dass es eine frührömische Stadt gegeben hat.»

Die Verhältnisse in unserer Region ändern sich erst, als Gaius Octavius vom römischen Senat 27 vor Christus den Ehrentitel «Augustus» erhält: Er verwandelt in den kommenden Jahren die römische Republik in ein Kaiserreich und ordnet das Reich neu. Die Region Basel gehört jetzt zur Provinz Belgica, die von Belgien bis ins Burgund reicht. In diese Zeit fällt die Gründung einer kleinen Siedlung einige Kilometer rheinaufwärts vor Basel, die zu Ehren des Kaisers «Colonia Augusta Raurica» getauft wird. Diese römische Stadt ist für die nächsten 350 Jahre der wichtigste Ort am Oberrhein.

Zur gleichen Zeit wird auch die Siedlung auf dem Münsterhügel grundlegend umgestaltet. Kaiser Augustus hätte das Römische Reich gerne bis an die Elbe ausgedehnt. Doch die römische Armee wird im Jahr 9 nach Christus im Teutoburger Wald vernichtend geschlagen. Tiberius, der Nachfolger von Augustus, gibt die Pläne zur Unterwerfung Germaniens deshalb auf und befestigt den Rhein als natürliche Grenze. Ab etwa 20 nach Christus scheint sich das Militär vom Münsterhügel zurückgezogen zu haben. Die nächsten zwei Jahrhunderte steht das heutige Basel ganz im Schatten von Augusta Raurica. Vor dem Münsterhügel verzweigt sich die römische Strasse, die von Augusta Raurica her kommt. Hier bildet sich jetzt eine kleine Siedlung, ein Vicus (Dorf). Sie ist jedoch so unbedeutend, dass sie nicht einmal einen eigenen Namen hat. Ihre Toten bestatten die Einwohner etwa 50 Meter westlich der Siedlung am Hang, der zum Birsigtal abfällt – also da, wo heute die Freie Strasse verläuft.

Réduit für die Römer

Augusta Raurica war bis in die spätrömische Zeit hinein die wichtigste römische Siedlung in der Region. «Ab dem dritten Jahrhundert kam es auch in Augusta Raurica zu einem Bevölkerungsrückgang», erzählt Archäologin Hagendorn. Bis gegen Ende des dritten Jahrhunderts rückte die römische Grenze immer näher, das römische Militär wich zurück, bis der Rhein wieder zur natürlichen Grenze wurde. «Kaiser Valentinian I. befestigte den Rhein und baute eine ganze Reihe von Festungen», erklärt Hagendorn. «Sowohl in Augst als auch auf dem Basler Münsterhügel bauten die Römer eine Festung, ein militärisch verteidigter Rückzugsraum für die Siedler.» Basel war also zunächst ein Réduit für die Römer, die sich vor den Angriffen der Alemannen flüchten mussten. Das wirtschaftliche Gefälle zwischen den römischen und den germanischen Gebieten war so gross, das es immer wieder zu Übergriffen kam.

Die erste Erwähnung Basels

«Aus diesem Basler Réduit hat sich ein Castrum entwickelt. Das war eine bedeutende Anlage, sie gehörte zu den grossen Anlagen entlang des Rheins», meint Hagendorn. Darüber gibt es auch schriftliche Zeugnisse. Der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus berichtet vom Wehrbau, dem sogenannten Munimentum, am Rheinknie und dass sich Kaiser Valentinian I. im Jahr 274 hier aufhielt. Marcellinus schreibt auch zum ersten Mal, wie sich der Ort nannte: Basilia.