Kulturfinanzierung

Wie Ausfallentschädigungen funktionieren

Veranstalter, Orchester oder Theatervereine können Ausfallentschädigung beantragen.

Veranstalter, Orchester oder Theatervereine können Ausfallentschädigung beantragen.

Um Gelder für Selbstständigerwerbende, Nothilfe von Swissculture oder Ausfallentschädigungen zu erhalten, ist ­einiges an administrativem Know-how gefragt. Katrin Grögel, Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, sagt denn auch: «Wir verbringen viel Zeit mit ­Beratungstelefonen.» Aber den Künstlerinnen, Künstlern und Veranstaltern werde geholfen, wo es möglich ist.

Das Kulturamt ist zuständig für die Bearbeitung von Ausfallentschädigungen. Nicht wenige Veranstalter klagen darüber, dass die Auszahlungen auf sich warten lassen. Grögel sagt, das liege am relativ aufwendigen, vom Bund vorgegebenen Abrechnungsschema. Dazu nennt sie ein Beispiel: «In vielen Fällen liegt die Endabrechnung der Kurzarbeitsentschädigung respektive des Erwerbsersatzes für den Schadenzeitraum – die Monate März bis Oktober 2020 – noch nicht vor. In diesen Fällen können wir aufgrund einer provisorischen Berechnung nur erste Raten oder Akonto-Zahlungen zusprechen.»

Was ist nun zu tun, wenn man eine Ausfallentschädigung beantragen will? Das ganze Programm einer Gesuchsstellung in sieben Punkten:

1. Wer kann beantragen?

Kulturbetriebe, also juristische Personen wie Veranstalter, Orchester oder Theatervereine. Ein Veranstalter, der Hilfe benötigt, muss seinen Ausfall beziffern können. Das gilt für abgesagte oder in reduziertem Ausmass durchgeführte Veranstaltungen. Die Eingabefrist für den Zeitraum März bis Oktober 2020 ist am 20. September 2020 abgelaufen. Der Entscheid über die Weiterführung der Massnahmen in Basel-­Stadt steht noch aus.

2. Wie viel Geld ist vorhanden?

Für die Periode März bis Ende Oktober stehen in Basel-Stadt 15 Millionen Franken vom Bund und 15 Millionen vom Kanton zur Verfügung.

3. Wie wird berechnet?

Die Einnahmenausfälle aus Ticketing, Gastrobereich, Shopeinnahmen, Fremdvermietungen und Sponsoring werden mit den Vorjahresabrechnungen verglichen. Mehraufwände wegen Covid können verrechnet werden: Schutzmassnahmen, höhere Kosten in der internationalen Zusammenarbeit mit Künstlern aufgrund von Reisebeschränkungen und Quarantäneauflagen, zusätzliche Reinigungskosten aufgrund von Covid, zusätzliches Personal für Einlasskontrollen. Das Minus an Einnahmen plus die zusätzlichen Aufwände ergeben ein Zwischentotal. 

4. Was wird abgezogen?

Von diesem Zwischentotal werden folgende Posten abgezogen: nicht angefallene Kosten aufgrund von reduziertem Betrieb oder Betriebsschliessung, Kurzarbeitsentschädigung, Entschädigung durch Privatversicherung oder Mietzinserlass sowie Covid-Hilfe durch private Stiftungen. Ebenso nicht berücksichtigt in der Rechnung wird ein allfälliger entgangener Gewinn.

5. Wie viel wird ausbezahlt?

Vom bezifferten Schaden darf der Kanton laut Bundesverordnung maximal 80 Prozent auszahlen. In Basel-Stadt sagt das Reglement, dass bis zu einer Grenze von 100000 Franken 80 Prozent erstattet werden, bei höheren Beträgen in einer ersten Rate 60 Prozent. Sofern die Mittel ausreichen, wird dies mit der Endabrechnung erhöht auf 80 Prozent.

6. Wie profitieren die Künstler?

Gemäss Bundesverordnung können selbstständigerwerbende Kulturschaffende künftig keine Ausfallentschädigungen mehr beantragen. Sie können jedoch Corona-Erwerbsersatzentschädigung bei der kantonalen Ausgleichskasse anfordern. Zudem sind die Veranstalter aufgefordert, ihrerseits die Kulturschaffenden in ihre Anträge zu inkludieren. Sie werden – sofern sie Ausfallentschädigung erhalten – verpflichtet, die Kulturschaffenden, mit welchen sie Verträge oder Vorverträge abgeschlossen haben, auf der Basis von Mindestlohnansätzen der jeweiligen Branche zu entschädigen. 

7. Wie viele beantragen Hilfe?

Bis zum Stichdatum vom 20. September 2020 sind bei der Abteilung Kultur 586 Gesuche eingegangen. Bearbeitet und Entscheide getroffen wurden bis heute 381. Das bedeutet, 381 Kulturschaffende und Kulturunternehmen haben entweder abschliessende Entscheide erhalten und – falls es Zusagen waren – auch die entsprechende Auszahlung. Oder sie haben auf der Basis von provisorischen Berechnungen ­erste Raten oder Akonto-Zahlungen erhalten. Die verbleibenden Gesuche sind
in Bearbeitung, sie werden bis Ende Dezember abgeschlossen.

Meistgesehen

Artboard 1