«Kunst in der bz»

Wie aus einer anderen Zeit

Die Serie «Kunst in der bz» entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel und dem Kunsthaus Baselland.

Die Serie «Kunst in der bz» entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel und dem Kunsthaus Baselland.

Am Mittwoch wird die Edition der Reihe «Kunst in der bz» im Kunstmuseum Basel präsentiert.

Vom 14. April bis zum 4. Juni sind in dieser Zeitung jeden Donnerstag ganzseitige Künstlerwerke erschienen. Die Serie «Kunst in der bz» entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel und dem Kunsthaus Baselland. Nun wurden alle acht Arbeiten in einer Edition zusammengefasst. Entstanden ist ein Produkt, das einer glücklichen Fügung entsprungen ist. Nein, falsch. Ganz am Anfang stand eigentlich ein Unglück, die Corona-Pandemie. Was dann folgte, ist ein Paradebeispiel für das Ideenpotenzial und die Tatkraft, die in unserer Stadt und der Region offensichtlich auch in schlechteren Tagen vorhanden sind, für das bemerkenswert hohe Mass an Bereitschaft zu Kooperation und Innovation.

Beim Projekt «Kunst in der bz» hat sich in diesem Sinn sehr viel Gutes zusammengefügt – dank letztlich glücklicher Umstände, aber vor allem dank sehr viel guten Willens. Eine Selbstverständlichkeit war es zu keinem Zeitpunkt, wohl für keinen der zahlreichen Beteiligten. Aus der Sicht der Zeitung kann ich sogar sagen, dass heutzutage gar nichts mehr für selbstverständlich genommen werden kann – angesichts des enorm raschen Wandels in der Medienwelt nicht einmal mehr die schiere Existenz unseres Printprodukts.

Nichts ist selbstverständlich - ganz im Gegentei

Die Corona-Pandemie war und ist für die Medienunternehmen in der Schweiz und unserer Region mehr Krise als Chance. Aber die Chance, die man eigentlich nicht hat, muss man unbedingt packen. Auch davon zeugt «Kunst in der bz». Es ist wunderbar, dass sich insbesondere in einem solchen Projekt die immer noch vorhandene Teil-Überlegenheit eines auf Papier gedruckten Mediums zeigt. Möchten wir die eindrücklichen Kunstwerke etwa nur auf unseren Bildschirmen betrachten? Diese Form der Darstellung kann nur Ergänzung sein.

Erleben wir also mit der «Kunst in der bz» ein keines Revival der Printmedien, die sich ja, glaubt man den Auguren in aller Welt, längst in Agonie befinden? Das wäre wohl etwas gar viel Zweckoptimismus. Und doch zeigen die vielen Reaktionen auf das Projekt und die gedruckte Zeitung im allgemeinen, wie dieses irgendwie aus der Zeit gefallene Produkt gerade in Krisenzeiten geschätzt wird. Eine gedruckte Zeitung auf dem Frühstückstisch ist der im Wortsinn (an-)fassbare Beweis dafür, dass sich die Welt doch noch in relativ geordneten Bahnen bewegt. Oder sie ist sogar ein Teil von dem, was wir als Heimat verstehen.

Ein überaus sinniges und stimmiges Fusionsprodukt

Wenn wir schon beim Vertrauten und bei der Verlässlichkeit angelangt sind: Der Nährboden für vieles, was in der Stadt Basel und der Region geschieht und was sie in Krisenzeiten nicht ins Schlingern geraten lässt, ist die lange Tradition der Kultur, die tiefe gesellschaftliche Verwurzelung der Kunst und des künstlerischen Schaffens. Museen und Kunsthäuser wiederum haben mit einer gedruckten Zeitung einiges gemein: Sie sind gewissermassen Orte oder Produkte des Widerstands gegen die andauernde Beschleunigung des Weltgeschehens, im Idealfall sind sie die Gegenpole zum allgegenwärtigen Oberflächengekratze. So betrachtet, ist das Projekt «Kunst in der bz» ein überaus sinniges und stimmiges Fusionsprodukt.

Am Mittwoch, 17. Juni, wird die in einer Auflage von 800 Exemplaren gedruckte Edition im Kunstmuseum Basel präsentiert. Nach einer Begrüssung werden Anita Haldemann, stellvertretende Direktorin am Kunstmuseum Basel, und Ines Goldbach, Direktorin Kunsthaus Baselland, ein Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern Franziska Furter, Sophie Jung, Daniela Keiser sowie Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger führen. Anschliessend besteht die Möglichkeit, eine Edition zum Preis von 25 Franken zu kaufen und von den anwesenden Kunstschaffenden signieren zu lassen. Der Erlös aus dem Verkauf geht vollumfänglich an den KünstlerInnenfonds der «Regionale».

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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