Kinderfasnacht
Wenn der Waggis mit der Prinzessin und die Erdbeere mit der Blume

Mit der Kinderfasnacht ging am Dienstag ein weiteres Fasnachts-Highlight über die Bühne. Die bz hat ganz genau hingeschaut: Das Augenmerk unserer Zwillings-Reporterinnen lag ganz auf den Kostümen und sie stellten zwei Listen dazu auf.

Martina Rutschmann
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Pink und Glitzer gehört für viele Mädchen bei der Fasnacht einfach dazu.
24 Bilder
Von oben hat man einfach den bessern Überblick.
Jeder will was Süsses.
Auch grössere Wagen sind an der Kinderfasnacht unterwegs und beglücken die Kleinen.
Diese Clique bahnt sich den Weg durch die Besuchermassen.
Ein Wagen aus Birsfelden mit dem Sujet: «Gmeind´sVerwahrig e´Baragge für d´Gmeind.»
Wenn der Sohn Spiderman sein will, muss auch der Vater mitmachen.
Die «Sunne-Binggis» haben mit ihrem Namen das diesjährige Fasnachtswetter auf den Kopf getroffen.
Gross und Klein verkleiden sich, wie sie wollen: Von Waggis bis Prinzessinnen ist an der Kinderfasnacht alles erlaubt.
Ein «Schissdräggzügli» läuft den Kohlenberg hinauf.
Riesige Besuchermassen strömten für die Kinderfasnacht in die Basler Innenstadt.
Diese Kinder werden von Mami und Papi im Leiterwagen herumchauffiert.
Was die Kinder nicht alles für ein Dääfeli machen.
Hoher internationaler Besuch: Obama und seine Frau beehren die Basler Fasnacht.
Die Lieblingsbeschäftigung der Waggis: Mit Räppli um sich werfen.
Die Nachwuchs-Waggis verteilen fleissig Süssigkeiten.
Schlange stehen für Süsses.
Die Mittlere Brücke ist voller Fasnächtler.
Klein und Gross geniessen den Fasnachts-Zyyschtig.
«Wöry Long Bye-Siggel» ist am Barfüsserplatz unterwegs.
Süsses von den Saugoofe.
Mutter und Kind werden mit Räppli attakiert.
Der hinterlistige Waggis hatts auf die nichtsahnenden Zuschauer abgesehen.
Kinderfasnacht am Zyyschtig

Pink und Glitzer gehört für viele Mädchen bei der Fasnacht einfach dazu.

Juri Junkov

Jööööööööhhhhhhhh! Danke, adieu, Sie müssen gar nicht weiterlesen. Denn mehr gibt es nicht zu sagen über die Kinderfasnacht. Ausser vielleicht noch einmal ein lautes und langes: Jööööööööhhhhhhhh! Süss sind sie, die Tigerlein, die Fröschchen, die Käferchen. Wenn sie in ihren Kinderwagen liegen und nicht wissen, wie ihnen geschieht. Sich zu fragen scheinen, wie es passieren konnte, dass sie ein Erwachsener in ein Plüschfell gesteckt und ihnen einen Sack Räppli auf den Schoss gelegt hat. Und das, ohne sie vorher zu fragen, ob es ihnen denn genehm sei.

Skeptisch schauen die Baby-Fasnächtler dem bunten Treiben zu, den anderen Kindern, die erst seit Kurzem oder schon längst gehen können und unabhängig davon, ob sie drei oder 13 Jahre alt sind, sackweise Räppli umher werfen – manchmal ziellos ins Juhee, manchmal bewusst in den Kragen eines anderen Kindes. Manchmal rinnt den Fröschchen und Tigerlein ob all der Hektik ein Tränchen über die Wange und dann schauen sie wieder drein, als würden sie sagen: «Ihr spinnt doch alle!» Die kleine Angst funkt dazwischen, wenn ein Waggis mit Monsterkopf ihnen etwas zubrüllt, das sie weder verstehen noch begreifen. Und das erst noch von oben herab statt auf Augenhöhe.

Die Faszination wischt Tränen weg

Der traurige Moment dauert aber nie lange, Begeisterung und Faszination schaffen es immer wieder, die Tränchen in ihrem Fluss zu unterbrechen. Für die Faszination gibt es tausend und mehr Gründe an der Kinderfasnacht. Weil alles so wahnsinnig Jööööööööhhhhhhhh ist. Und weil vieles wieder ist, wie es vor langer Zeit einmal war, damals, als wir Erwachsenen noch in Wagen und Kostüm gesteckt wurden und nicht wussten, wie uns geschieht.

Der Ueli beispielsweise hat ein Revival, er ist wieder vermehrt unterwegs, in Miniatur-Ausführung mit seinen Glöckchen und dem schwarz-weissen Gewand. Und auch der Blätzlibajass mit den Stoffstücken tobt sich wieder aus, während es die Alti Dante nicht unter die Top Ten schafft. Die Zwillinge Danaé und Louise Gaudey (10) haben sich für die bz auf Reportage gemacht und je eine Liste zusammengetragen. Danaés Job war es, nach den zehn originellsten Kinderkostümen Ausschau zu halten, während ihre Schwester Louise mit einer Strichchen-Liste herausfand, welche Kostüme dieses Jahr am beliebtesten sind. Die «Originell-Liste» ist subjektiv, wobei sich Danaé mit ihrer Schwester abgesprochen hat und den Segen für ihre Wahl bekam.

Die zäh originellschte Goschdyym

Die Entscheidung fiel Danaé Gaudey (10) nicht ganz leicht. Welches sind die originellsten Kostüme? Dann merkte sie, dass es vor allem Tiere sind, die ihr gefallen. Aber nicht nur - auch Pflanzen und Märchenfiguren haben es ihr angetan:

1. Fisch
2. Paradiesvogel
3. Kuh
4. Blume
5. Froschkönig
6. Gespenst
7. Erdbeere
8. Krokodil
9. Ente
10. Zwerg

Die zäh beliebtischte Goschdyym

Für ihre Schwester Louise Gaudey (10) war die Aufgabe rasch erfüllt: Das beliebteste Kostüm 2014 ist der Waggis, gefolgt von der Prinzessin. Die Restlichen sind eine Mischung aus traditionellen und zeitlosen sowie modernen Kostümen:

1. Waggis
2. Prinzessin
3. Hexe
4. Pippi Langstrumpf
5. Ueli
6. Blätzlibajass
7. Spiderman
8. Feen / Elfen
9. Pirat
10. Indianer

Mix aus Tradition und Modernem

Die «Beliebt-Liste» bringt einen klaren Sieger hervor: So viele Waggisse wie in diesem Jahr waren schon lange nicht mehr unterwegs. Nummer zwei war ebenfalls rasch ermittelt: Die Prinzessin kommt besonders gut an bei Mädchen. Diese beiden Sujets zeigen auf, was generell auffällt: Traditionskostüme mischen sich mit Modernem wie etwa dem Spiderman. Und wie sieht es punkto Originalität aus? «Gut!», befand Danaé, die bei ihrer Wahl vor allem auf Tierisches und teilweise Pflanzliches setzte.

Die Reporterinnen selber waren übrigens ebenfalls als Waggis unterwegs, allerdings mit Converse-Turnschuhen statt mit Zoggeli. Als Reporter muss man schliesslich viel gehen, für die Zehen wären Zoggeli manchmal jedoch besser gewesen: Das Sich-auf-den-Füssen-herumtrampeln lässt sich beim wilden und fast schon anarchistischen Durcheinander namens Kinderfasnacht nicht vermeiden. Da haben es die Cortège-Fasnächtler, die am Mittwoch wieder unterwegs sind, leichter mit ihrer fester Route. Etwas aber werden sie im Vergleich zu den Kleinen kaum erreichen: das Jööööööööhhhhhhhh!

Jedenfalls nicht so lang.