Basler Dokumentarfilm

Wenn Blicke mehr sagen als Worte

Der Basler Dokumentarfilm «Wer sind wir?» begleitet zwei junge Menschen mit Behinderung und ihre Eltern ein Stück durchs Leben.

Was freut man sich doch über die Geburt eines Kindes. Über seine ersten Regungen, den ersten Blick, die ersten Laute. Und nicht selten stehen Eltern wenig später etwas verzweifelt da und wünschen, dass das Kind nicht bloss schreien und glucksen, sondern sich etwas klarer mitteilen könnte. Das Problem löst sich meist, sobald das Kind zu sprechen anfängt.

Nicht so bei Helena und Jonas im Dokumentarfilm «Wer sind wir?» des Basler Filmemachers Edgar Hagen. Die 1996 geborene Helena leidet an einer Erbkrankheit, die mit Epilepsie und kognitiver Beeinträchtigung einhergeht. Beim neun Jahre jüngeren Jonas wurde eine Hirnfehlbildung festgestellt, die sich auf die Motorik auswirkt. Den gleichen Befund hat Jonas’ jüngerer Bruder, Felix.

Helena, Jonas und Felix sind rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen. Helena wuchs nach der frühen Trennung ihrer Eltern vorwiegend bei ihrer Mutter Veronika in Basel auf. 2015 zog sie in eine betreute Wohngruppe. Jonas lebt mit seinem Bruder und seinen Eltern in einem Einfamilienhaus in Deutschland. Die Familie wird rund um die Uhr von Pflegekräften unterstützt. Seit 2012 besucht Jonas in Stuttgart eine Schule, die Inklusion praktiziert und später auch Felix aufnimmt.

Doch wie gehen Eltern mit der Tatsache um, dass ihr eigenes Kind anders ist und andere Bedürfnisse hat als andere? Damit, dass es nie ein eigenständiges Leben führen wird? Als Eltern ist man in einem grösseren Mass gefordert, die eigene Biografie schreibt sich durch die besonderen Bedürfnisse des Kindes heftig um. Die Eltern äussern sich freimütig und erzählen von ihren Zweifeln, von zeitweiliger Überforderung. Auch vom engagierten Kampf, den sie führten, um das Beste für ihre Kinder zu arrangieren.

Im Zentrum des Films aber steht die Frage nach der Kommunikation. Wie verständigt man sich mit Menschen, die nicht sprechen können, und von denen man nicht weiss, ob sie Worte verstehen? Helenas Mutter hielt den gemeinsamen Alltag mit der Videokamera fest und fand in den Aufzeichnungen einen Schlüssel zu ihrem Verhalten. In der Wohngruppe schliesslich verständigt man sich mit Hilfe von Piktogrammen.

Auf Augenhöhe mit den Protagonisten

Anders Jonas. Er versteht, was man sagt, und hat einen Computer, den er mittels Augenbewegungen bedient. Die Kinder kommunizieren, wie es eine Schulkameradin formuliert, mit Jonas in einer Art «Augensprache». Auch der Vater scheint Jonas zu verstehen, gleichwohl wünscht er sich nichts sehnlicher, als mit seinem Sohn, seinen Söhnen, ein normales Gespräch führen zu können.

Edgar Hagens Film ist in seinen einzelnen Beobachtungen feinfühlig und erläuternd, die von Aurelio Buchwalder geführte Kamera bewegt sich weitgehend auf Augenhöhe mit den Protagonisten. Doch fehlt dem Film insgesamt etwas der Zusammenhang. Und es erschliesst sich dem Zuschauer nicht, was den Regisseur dazu bewog, die in letztlich fast allen Belangen sehr unterschiedlichen Schicksale von Jonas und Helena einander gegenüberzustellen.

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