Strafgericht
Wegen Verjährung: Täter könnte 16 Jahre nach Bluttat straffrei davonkommen

Eifersuchtsdrama Das Basler Strafgericht muss ein Tötungsdelikt aus dem Jahre 2000 beurteilen. Das Hauptproblem der Staatsanwaltschaft ist die Verjährung.

Patrick Rudin
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(Symbolbild)

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Es ist fast auf den Tag genau 16 Jahre her: Am Abend des 13. Dezember 2000 entdeckte eine Frau in der Wohnung in der Basler Klybeckstrasse die Leiche ihrer 23-jährigen Tochter, nachdem den ganzen Tag über weder der Freund noch die Familie die junge Frau telefonisch erreichen konnten. Der Verdacht fiel schnell auf den eifersüchtigen Exfreund, doch an einer Tankstelle am Genfersee verliert sich nach zwei Tagen die Spur des Mannes. Es dürfte eine der längsten und weitesten Fluchten der Schweizer Kriminalgeschichte sein: Im Mai 2015 wurde er in Neuseeland definitiv in Auslieferungshaft genommen und an die Schweiz ausgeliefert, am Mittwoch beginnt vor dem Basler Strafgericht der Prozess gegen ihn.

Die Flucht gibt Rätsel auf, vermutlich flog er mit einem gefälschten belgischen Reisepass von Paris über Seoul und Fiji nach Auckland und liess sich in Neuseeland als Flüchtling registrieren. Dort heiratete er, zeugte zwei Kinder, betrieb einen Lebensmittelladen und liess sich einbürgern.

Tötung wäre bereits verjährt

Die lange Zeitdauer hat juristische Folgen: Eine vorsätzliche Tötung wäre seit Dezember 2015 bereits verjährt, Ausnahmen gibt es lediglich für Delikte an Kindern. Ein Mord hingegen verjährt nach damaligem Recht erst nach 20 Jahren (heute nach 30 Jahren), somit wäre für die Tat aus dem Jahr 2000 auch heute noch ein Schuldspruch möglich.

Für eine Verurteilung wegen Mordes muss die Staatsanwaltschaft ein besonders skrupelloses Motiv oder eine ausserordentlich verwerfliche Art der Ausführung der Tat nachweisen. Da ein Angeklagter sich nicht selbst belasten muss, bleiben dafür faktisch nur die Spuren am Tatort.

Gelingt der Beweis für diese Mordqualifikation nicht, bleibt nur ein Freispruch. Ob der heute 44-jährige Mann die Tat bestreitet, ist noch nicht bekannt.

Vom Tellerwäscher zum Kellner

Der aus Sri Lanka stammende Mann reiste Ende 1990 als 18-jähriger Asylbewerber in die Schweiz ein und arbeitete sich in verschiedenen Restaurants vom Tellerwäscher über den Buffetburschen bis zum Kellner hoch.

Die Beziehung zum späteren Opfer war laut Staatsanwaltschaft schwierig: Insbesondere in der Wohnung des Mannes am Spalenring kam es zu Handgreiflichkeiten und Streit, immer wieder wurde die Polizei gerufen.

Im Sommer 2000 soll sich die Frau dann von ihm getrennt haben, er fiel als Stalker auf. Wenige Wochen vor ihrem Tod vertraute die Frau einer Arbeitskollegin an, dass sie Heiratspläne mit einem anderen Mann habe. Es ist unklar, ob der Exfreund davon Wind kriegte, die Staatsanwaltschaft geht jedenfalls von einem heftigen Streit in der Nacht vom 12. Dezember 2000 in der Wohnung der Frau in der Klybeckstrasse aus. Der Beschuldigte soll sie zuerst gewürgt und ihr dann mit einem Dolch die Kehle durchgeschnitten haben. Am Morgen nach der Tat meldete er sich telefonisch am Arbeitsplatz und sagte, er komme nicht mehr zur Arbeit, es sei nun «alles fertig».

Bei einem Schuldspruch droht dem Mann eine Freiheitsstrafe von mindestens zehn Jahren, das Urteil der fünf Richter über die Schuld des Angeklagten fällt am Freitag.

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