Coronavirus
Wegen Berufsverbot in der Stadt: Sexarbeiterinnen zieht es ins Baselbiet

Wegen Corona gilt in der Stadt im Erotikgewerbe faktisch ein Arbeitsverbot. Ein Bordellbetreiber fordert schweizweit einheitliche Regeln.

Elodie Kolb
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Wegen der Corona-Massnahmen in Basel stehen zurzeit keine Sexarbeiterinnen an der Ochsengasse.

Wegen der Corona-Massnahmen in Basel stehen zurzeit keine Sexarbeiterinnen an der Ochsengasse.

Nicole Nars-Zimmer

Die Massnahmen gegen das Coronavirus im Erotikgewerbe sind schweizweit nicht einheitlich geregelt. Deshalb verlagert sich die Basler Sexarbeit unter anderem ins Baselbiet. Der Basler Bordellbetreiber Diego ist unzufrieden mit der Handhabe der Coronamassnahmen. Das «Edelweiss», sein Etablissement in Basel, muss geschlossen bleiben. Das sei «eine Katastrophe». Er ist der Meinung, die Massnahmen sollten einheitlich in der ganzen Schweiz geregelt werden.

Von Kanton zu Kanton unterschiedlich

Während auf Bundesebene die Erotikbetriebe geöffnet bleiben dürfen, sofern sie sich an die Regeln für Gastro- und Clublokale halten, entschied die Basler Regierung, die Bordelle zu schliessen. Da dies nicht schweizweit geregelt ist, unterscheidet sich die Situation von Kanton zu Kanton. «Viele unserer Damen arbeiten jetzt im Baselbiet oder in Bern. Und die Freier gehen dahin, wo die Damen sind», sagt Diego. «Diese Frauen müssen schliesslich auch irgendwie ihr Geld verdienen», meint er.

Die Alternative wäre, die ausländischen Frauen zurück in ihre Heimatländer zu schicken. Aber auch das sei keine Lösung, da sie dort ebenfalls kein Geld verdienen können. Auf Anfrage sagt die Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe, Aliena: «Seit dem Arbeitsverbot in Basel-Stadt erhalten wir Anfragen von Sexarbeiterinnen, in welchen Kantonen sie noch legal arbeiten dürfen. Wir erleben, dass die Frauen bemüht sind, ihr Einkommen weiterhin sicherzustellen. Andere haben sich entschieden, wieder in ihre Herkunftsländer zurückzureisen.»

In Baselland, Solothurn und im Aargau sind zwar die Erotikbetriebe ebenfalls geschlossen, allerdings gibt es kein explizites Verbot von Sexarbeit in privaten Wohnungen oder in Hotelzimmern. Die Baselbieter Polizei hat keine Kenntnis darüber, ob jetzt mehr Arbeiterinnen aus Basel im Baselbiet unterwegs sind, wie es auf Anfrage heisst.

Anfängliche Regellücke wurde geschlossen

Zunächst wurden in Basel im Kampf gegen das Virus nur die Erotikbetriebe geschlossen, Escort-Services wurden weiterhin angeboten. Nachdem das «Regionaljournal Basel Baselland» von SRF auf diese Lücke im Dezember aufmerksam gemacht hatte, wurde die kantonale Bestimmung angepasst.

Als Erotikbetriebe wurden explizit «Bordellbetriebe, Cabarets und ähnliche Lokale» in der Mitteilung erwähnt. Zudem wurde die Prostitution generell verboten. Diese Präzisierung sei laut Gesundheitsdepartement nötig gewesen, da Betreiber die Vielzahl an Bezeichnungen im Erotikgewerbe ausgenutzt hätten, um offenzubleiben.

Es sei schwierig, die Einhaltung der Massnahmen zu überprüfen, sagt Toprak Yerguz, Sprecher der Basler Polizei. «Wenn es Hinweise für Verstösse gibt, gehen wir diesen nach.» Eine kantonsweite, lückenlose Kontrolle über die Einhaltung der Regeln in allen Branchen sei aber einfach nicht möglich.

Erotikgewerbe kann nicht von Härtefallhilfe profitieren

In Basel hat das Sexgewerbe keinen Anspruch auf Härtefallunterstützung. Das ändert sich auch nicht nach der Erweiterung des Kreises der Anspruchsberechtigten am Dienstag. Neu haben zusätzlich Freizeitbetriebe und Zulieferer von Restaurants und Hotels Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

Auf Anfrage erklärt Brigitte Meyer vom Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, warum das Erotikgewerbe in Basel keine Härtefall-Unterstützungsleistungen erhält. «Wir orientieren uns bei der Definition der unterstützten Branchen an den im Covid-19-Bundesgesetz bezeichneten Unternehmen.» Allerdings können laut Meyer selbstständige Sexarbeitende «in arbeitgeberähnlicher Stellung» bei der Ausgleichskasse Corona-Erwerbsentschädigung beziehen.

Der Basler Bordellbetreiber Diego hat seine eigene Interpretation: «Das Erotikgewerbe wird eigentlich immer negativ bewertet. Ich glaube, die Behörden erhoffen sich durch das Verbot, dass einige Betriebe in Konkurs gehen, schliessen müssen und sie diese so loswerden.» (elk)