Präsidialdepartement im Umbruch
Das «Top-Sharing» ist zu Ende: Eine Co-Leiterin Kultur wirft das Handtuch

Die Basler Kultur-Co-Leiterin Sonja Kuhn wechselt nach fünf Jahren den Job. Ihre Kollegin Katrin Grögel führt die Abteilung künftig alleine.

Patrick Marcolli und Stefan Strittmatter
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Doppelporträt von Sonja Kuhn und Katrin Grögel. Amt für Kultur BS

Doppelporträt von Sonja Kuhn und Katrin Grögel. Amt für Kultur BS

Christian Knörr / bz Zeitung für die Region

Die einstige Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) prägte Ende 2017 den Begriff des «Top-Sharing». Damit rechtfertigte sie einen ungewöhnlichen Schritt: Die Abteilung Kultur, der zuvor immer nur eine Person vorgestanden hatte, wurde fortan im Duett geführt: Von Sonja Kuhn und Katrin Grögel.

Unter Ackermanns Nach­folger Beat Jans (SP) wird der Ackermann’sche Anglizismus nun wieder in den Passiv-Wortschatz zurückgestuft. Wie das Präsidialdepartement gestern bekannt gab, wird sich Sonja Kuhn einer neuen beruflichen Herausforderung stellen und das Departement Ende Juli verlassen. «Regierungspräsident Beat Jans bedauert den Entscheid sehr», heisst es in der Medienmitteilung. Sonja Kuhn habe die Abteilung Kultur in den letzten Jahren «wesentlich mitgeprägt und einen wichtigen Teil zur Stärkung der Basler Kulturszene beigetragen».

«Wichtige Meilensteine» für die Kultur erreicht

Künftig wird die Abteilung allein von Katrin Grögel geführt. Ausgeschrieben wird die Stelle der stellvertretenden Abteilungsleitung. Über ihre bis­herige Kollegin sagt Grögel: «Ich habe die Zusammenarbeit mit Sonja Kuhn sehr geschätzt. Dies auch während besonders herausfordernden Zeiten wie jüngst der Corona-Pandemie, welche die Kulturszene hart getroffen hat.» Sie sei sehr dankbar für diese wertvolle gemeinsame Zeit des Wirkens», so Grögel.

In der Medienmitteilung spricht sie von «wichtigen Meilensteinen», welche die Doppelleitung für die Abteilung Kultur erreicht habe.» Konkret genannt werden unter anderem die Erstellung und Umsetzung des Kultur­leitbilds für die Jahre 2020-25, die Weiterentwicklung der Museumslandschaft, die Begleitung der Verhandlungen zum Neuen Kulturvertrag BS/BL, das Ini­tiieren von Interkultur- und Ink­lu­sions­projekten, sowie die ­Abfederung der Auswirkungen der Covid-Pandemie auf die ­Kultur.

Stellvertretende und interimistische Leitung

Sonja Kuhn war 2016 als stellvertretende Leiterin in der Abteilung Kultur angetreten, übernahm danach die interimistische Leitung, bis sie ab Januar 2018 die Co-­Leitung gemeinsam mit Grögel innehatte (mit einem Beschäftigungsgrad von je 70 Stellenprozent). Kuhn hat Jahrgang 1968 und studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Zürich. Vor Ihrer Tätigkeit bei der Abteilung Kultur BS war sie als Geschäftsführerin der Schweizerischen Management Gesellschaft und als Redaktionsleiterin beim Schweizer Fernsehen tätig.

Im vergangenen Juni zeigte sie sich in einem Interview mit ­dieser Zeitung besorgt über die Auswirkungen der Pandemie auf die Kulturlandschaft: «Corona hat offen gelegt, wie verletzlich die Kulturszene ist», sagte Kuhn damals und stellte die Frage: «Wie sieht die Kulturwelt aus, wenn die Krise überstanden ist?» Im Bezug auf die Verteilung der Gelder für die Kulturförderung sprach sie von «Evolution statt Revolution» und räumte ein, dass sie wisse, dass das einigen nicht schnell genug von statten ginge. Sonja Kuhn, die im Gegensatz zu Beat Jans und Katrin Grögel in der Medienmitteilung nicht zu Wort kommt, betont auf Anfrage, dass ihre Kündigung vollends auf ihren Wunsch erfolgt sei und ihr diese Entscheidung nicht leicht gefallen sei.

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