Rheinclub Basel
Wasserfahrer fühlen sich von der Stadt ignoriert

Eingezäunt und ausgegrenzt: Die Wasserfahrer vom Rheinclub Basel fühlen sich in ihrem Zuhause, der Kaserne, gemobbt.

Simon Erlanger
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Seit es den Maschendrahtzaun gegen Wildpinkler gibt, können die Weidlinge des Rhein-Clubs Basel (RCB) nur noch per Kran hervorgeholt werden.

Seit es den Maschendrahtzaun gegen Wildpinkler gibt, können die Weidlinge des Rhein-Clubs Basel (RCB) nur noch per Kran hervorgeholt werden.

Martin Töngi

Es ist Präzisionsarbeit vom Feinsten: Langsam und vorsichtig hievt der mobile Kran der Basler Stadtgärtnerei einen rund 11 Meter langen und 1,5 Tonnen schweren Weidling über den Maschendrahtzaun vor dem Bootshaus des Rhein-Clubs Basel (RCB) gleich neben der Kaserne. Das Boot wird vom Kulturfloss-Kapitän Tino Krattiger für sein Musikfestival gebraucht, das nächste Woche auf dem Rhein beginnt.

Vom Rhein abgeschnitten

Der Maschendrahtzaun, der den Einsatz des Krans nötig macht, schneidet das Bootshaus vom Klingentalgraben und damit vom Rhein ab. Es gibt ihn erst seit kurzem, wie der Präsident des Rhein-Clubs Basel und langjährige Wasserfahrer André Rotach erklärt. Immer wieder würden das RCB-Bootshaus, das daneben stehende Vereinslokal und die angrenzende Kasernenmauer von Wildpinklern missbraucht. Deshalb habe sich der Rhein-Club mit der Bitte um Abhilfe an die Stadt gewandt. Diese habe dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion reagiert und ohne jegliche Rücksprache mit dem RCB das Bootshaus samt Vereinslokal und Vorplatz eingezäunt, so Rotach. Dadurch sei es unmöglich geworden, die Boote von Hand aus dem Bootshaus zu ziehen und im Rhein zu Wasser zu lassen. Jedes Mal brauche es jetzt den Kran der Stadtgärtnerei, was den Steuerzahler teuer zu stehen komme.

Aus der Kaserne verdrängt

Der Zaunbau ist nicht die einzige Aktion der Stadt, welche den RCB-Präsidenten in Rage treibt. Nur per Zufall, habe er erfahren, dass sein Verein vom geplanten Umbau der Kaserne direkt betroffen sei, erzählt André Rotach (bz berichtete). Zwar bleiben das Boothaus und das 1908 vom Rhein-Club erbaute Vereinslokal dem Verein erhalten. Das Lager und das Vereinsarchiv im Untergeschoss der Kaserne müssen die Wasserfahrer aber räumen. Eigentlich hätte das schon jetzt geschehen müssen. Nun habe der Rhein-Club aber eine Fristerstreckung erhalten bis Sommer 2016.

Doch noch immer sei unklar, was mit dem Archiv und den Trophäen aus 130 Jahren Vereinsgeschichte geschehen soll und wo all die Bojen, Anker und Schwimmwesten künftig gelagert werden. Die Stadt habe ihm zwar angeboten, den Keller auch künftig mieten zu können, verlange für die 80 Quadratmeter aber neu einen «marktgerechten Preis» von 80 Franken pro Quadratmeter. Das sei sogar mehr als die gegenwärtige Jahresmiete. Der Verein könne sich dies nicht leisten, so Rotach. Es sei im Übrigen merkwürdig, dass das zuständige Präsidialdepartement der Kasernen-Moschee ein Angebot unterbreitet habe, auch nach 2020 auf dem Areal bleiben zu dürfen, während sich niemand um den traditionsreichen Wasserfahrer-Verein kümmere. Man sei in der Existenz bedroht, so Rotach: «Wenn wir Wasserfahrer von der Bildfläche verschwinden, dann gibt es keine netten Fotos mehr von Weidlingen auf dem Rhein. Dann verschwindet eine Basler Tradition.

Den ultimativen Beweis dafür, dass sich Basel um den Rhein-Club foutiert, sieht André Rotach in einer weiteren Aktion, von der er nur durch Zufall erfahren habe: So soll der Vorplatz des Bootshauses während der Umbauzeit der Kaserne als Depot für Werkzeug und Baumaterial dienen. Damit werde aber der Zugang zu den Booten verunmöglicht, und das für volle drei Jahre.

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