Erinnerungsstücke

Was haben Sie im Museum erlebt? Das Kunstmuseum möchte Alltagsgeschichten festhalten

Prof. Dr. Iris Zschokke-Gränacher Frau Zschokke, alte Dame und ihre Erinnerung an das Kunstmuseum Basel.

Prof. Dr. Iris Zschokke-Gränacher Frau Zschokke, alte Dame und ihre Erinnerung an das Kunstmuseum Basel.

Das Kunstmuseum Basel hat zum Auftakt dieses Wochenende, 2. und 3. Februar, eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel «Das Museum zum Sprechen bringen» geplant. Es warten viele Anlässe die das Kollektiv zum Sprechen bringen sollen.

Etwas gequält schaut sie drein, die Hollywood-Diva: Im Juni 1991 sorgte Liz Taylor im Hof des Kunstmuseums Basel für den Glanzpunkt am Benefiz-Dinner «Art Against Aids» im Anschluss an die damalige Art-Vernissage. Der Fotograf André Muelhaupt hat die von Zaungästen umringte Filmlegende für die «Basler Zeitung» abgelichtet.

Die Fotografie ist eines der Dokumente, die das Kunstmuseum Basel dazu bewegt hat, einen Blick an der Sammlung und den Sonderausstellungen vorbei zu richten. «Wir möchten das Museum zum Sprechen bringen», sagt Rainer Baum, Leiter der Bibliothek und des Archivs des Museums. «Die grossen Kunstereignisse wie das Picasso-Wunder von 1967 sind genügend aufgearbeitet, uns schwebt eine Museumsgeschichte von unten vor», präzisiert Daniel Kurjaković, Programmkurator des Museums.

Kollektives Gedächtnis

Zum Auftakt ist dieses Wochenende, 2. und 3. Februar, eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel «Das Museum zum Sprechen bringen» geplant: Mit einer Foto- und Dokumentenausstellung, einem Oral-History-Studio, Digitalisierungs- und Wikipedia-Workshops, einem Pop-up-Kino sowie Gesprächsrunden soll das kollektive Gedächtnis zum Ausschütten gebracht werden.

Auf die Teilnahme von Liz Taylor wird das Museum dabei verzichten müssen (sie ist 2011 verstorben), nicht aber auf die Anwesenheit von Iris Zschokke-Gränacher, die 1942 als damals neunjähriges Mädchen ebenfalls ein Stück Mikrogeschichte mitgeschrieben hatte.

Fotos, die sie in Basler Tracht auf dem Bock einer Kutsche und inmitten einer Kinderschar zeigen, die gebannt einer Kasperlitheater-Aufführung im Museum folgen, waren die eigentlichen Auslöser für die Aktion – und für den Kontakt des Museums mit der Abgebildeten, die sich auf einem Foto im Jahresprogramm des Museums wiedererkannt hatte.

Die Fotos stammen aus einem Album, das Iris’ Mutter 1988 dem Museum vermacht hatte. Sie zeigen Momente eines Wohltätigkeitsbasars «zugunsten kriegsgeschädigter Kinder», der vom 5. bis 7. Mai 1942 im Kunstmuseum stattfand. Die Mutter war Organisatorin und spannte ihre Tochter für den Anlass ein.

Iris Zschokke ist eine elegante Dame, der man das fortgeschrittene Alter in keiner Weise anmerkt. Unter dem Arm trägt sie bei unserem Treffen einen Bilderrahmen, in dem fein säuberlich die Spielkarten eines Quartetts aufgereiht sind, das 1942 verkauft worden war: «Der Basler Künstler Erik Bohny hat auf den Karten prominente Basler Persönlichkeiten abgebildet», sagt sie. Darunter auch ihre Mutter bei der Gartenarbeit. «Diese Darstellung wird sie wohl weniger erfreut haben, denn sie arbeitete nicht gerne im Garten», sagt sie.

Abwechslung in Kriegsjahren

Wenn sie auch nicht ganz so bekannt ist wie Liz Taylor, ist Zschokke doch auch eine prominente Persönlichkeit. Sie war die erste Physikprofessorin an der Basler Uni und unter anderem Trägerin des 1995 vergebenen Wissenschaftspreises des Kantons Basel-Stadt.
Und ja: Sie sei indirekt verwandt mit dem Bildhauer Alexander Zschokke, dem Schöpfer der Brunnenfiguren vor dem Museum: «Er war ein Grossvetter meines Schwiegervaters.»

Die Erinnerungen an den Basar von 1942 sind mit gemischten Gefühlen verbunden. «Auf der Kutschenfahrt durch die Stadt fühlte ich mich etwas ausgestellt», sagt Zschokke. Die Theateraufführungen im Museum hätten ihr aber viel Spass bereitet – «wir hatten damals ja nicht viele Erlebnisse dieser Art.» In unangenehmer Erinnerung ist ihr aber der Heimweg nach dem Theater geblieben. «Meine Mutter war voll eingebunden, ich musste allein heim nach Riehen», erzählt sie. Der unglückliche Zufall wollte es, dass sie beim Badischen Bahnhof wegen eines Fliegeralarms in einen Luftschutzkeller flüchten musste. «Dort sass ich zwei Stunden fest, ohne irgend jemanden zu kennen.»

Zum Kunstmuseum steht Zschokke bis heute als Mitglied des Vereins der Freunde des Museums in einer engen Beziehung. «In einer mehr oder weniger engen», wie sie im typisch baslerischen Understatement sagt. «In Basel ist man doch selbstverständlich mit dem Museum verbunden», sagt sie. Und genau darauf hoffen Baum und Kurjaković, die das Veranstaltungswochenende organisieren: Auf Baslerinnen und Basler, die ihre von Verbundenheit geprägten Erinnerungen ins Museum tragen werden.

Kunstmuseum Basel «Das Museum zum Sprechen bringen»: Veranstaltung zur Aufarbeitung der Museums-Mikrogeschichte.
Am Samstag und Sonntag, 2./3. Februar, jeweils ab 10 Uhr Programmdetails: www.kunstmuseumbasel.ch

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