Riehen
Wahlen sind niemals Zufall

Die EVP verliert, die SVP gewinnt. Trotz hauchdünnem Abstand widerspiegelt sich darin der Volkswille – und die Entwicklungen im Dorf, das keine Stadt sein will. Die Analyse zu den Riehener Wahlen.

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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2. Wahlgang Gemeinderat Riehen Guido Vogel (SP, links) und Felix Wehrli (SVP, rechts) sind die beiden nachgewählten Gemeinderäte

2. Wahlgang Gemeinderat Riehen Guido Vogel (SP, links) und Felix Wehrli (SVP, rechts) sind die beiden nachgewählten Gemeinderäte

Kenneth Nars

Der hauptverantwortliche Strippenzieher dieser Wahlen ist auf den ersten Blick schnell ausgemacht: Herr Zufall. Natürlich, es fällt leicht, ihm die Schuld in Form von Schnee in die Schuhe zu schieben. Und zu behaupten, er habe die Kirchengänger vom Gang an die Urne abgehalten.

Wenn die EVP-Politikerin Annemarie Pfeifer diese höhere Macht als Grund anführt, klingt dies allerdings sehr nach Selbstschutz-Behauptung. Völlig nachvollziehbar. Wie bitter muss es sein, nach Jahren im Amt wegen gerade mal zwei Stimmen die Sachen packen zu müssen? Das ist dermassen knapp, das Drehbuch dazu verdiente das Prädikat «übertrieben».

Genauso falsch ist die Einschätzung, die Abwahl sei nur auf die Person Annemarie Pfeifer zurückzuführen. Die EVP hat an Bedeutung verloren, wie die Religion allgemein an Bedeutung verloren hat. Zudem konzentrierte sich der Wahlkampf der Evangelischen Volkspartei auf die neue Christine Kaufmann, die auch als Gemeindepräsidentin portiert wurde. Pfeifer traute die Parteileitung die Wiederwahl auch ohne grosses Tamtam zu.

Ein Signal für Basel, wenn auch nur ein kleines

Auch die Politiker mit Wohnsitz näher am Rhein werden registriert haben: Die bürgerliche Zusammenarbeit hat erstmals so richtig funktioniert. Knapp die Hälfte des Wahlvolks mass der Entscheidung hohe Bedeutung zu und gab eine Stimme ab; ein beeindruckendes Resultat für einen zweiten Wahlgang, der überdies noch unabhängig von anderen Urnenentscheiden stattfand.

Das gesteigerte Interesse mit Felix Wehrli von der SVP als Sieger lässt nur einen Schluss zu: LDP, CVP und FDP haben ihre Basis ohne eigene Kandidierende mobilisieren können. SP, Grüne und Basta dürfen sich darauf einstellen, dass sich dieser Trend auch in der Stadt fortsetzt. Gemeinsame Nationalratswahlen, gemeinsame Ständeratskandidatur. Zumindest auf der Ebene der Parteistrategen. Die Wahlen sind ein Signal für Basel, gewiss, die Bedeutung sollte aber nicht überschätzt werden.

Denn trotz zwischenzeitlichem Erfolg: In Basel wird die SVP nicht so bald in die Regierung einziehen. Besonders stark führen dies die Resultate aus dem vergangenen Regierungswahlkampf vor Augen. Basel ist derart links gepolt, dass sogar Basta-Kandidatin Heidi Mück FDP-Regierungsrat Baschi Dürr übertrumpfte. Das geht natürlich bei solchen Resultaten wie jetzt aus Riehen schnell vergessen.

Älter und konservativer – Riehen tickt anders

Riehen tickt anders. Das Dorf, das keine Stadt sein will, hat die älteste Einwohnerschaft der Schweiz. Und diese wählt zunehmend konservativ. Dessen ist sich sogar die Riehener SP bewusst, die mit zwei Männern angetreten war – in Basel undenkbar.

Ausgezahlt hat sich das nicht. Am Sonntag mussten die Sozialdemokraten froh sein, überhaupt einen Vertreter im Gemeinderat zu stellen. Guido Vogel erzielte trotz Bisherigen-Status das schlechteste Resultat. Auch die Grünliberalen konnten nicht den Schwung aus dem ersten Wahlkampf mitnehmen, selbst die gewonnene Volksinitiative zur Beschneidung der Ruhegehälter verlieh keinen Schub. Trotz Einwohnerrat-Erfolgen und Mitgliederzulauf: Die GLP wird es schwer haben.

Unter diesen Vorzeichen ist es eben nicht Zufall, dass Felix Wehrli erster SVP-Exekutivpolitiker im Kanton Basel-Stadt ist, sondern vielmehr eine logische Folge. Jene der politischen Konsolidierung links und rechts und jene der demografischen Entwicklung dieses Dorfes.

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