Das Dilemma ist: Wenn Männer das Wort Fasnacht hören, dann denken sie gleich, das heisst aufgebrezelt. Also die knackigen Waden in blütenweisse Kniestrümpfe gepackt, samtener Mantel, leider etwas zu eng, breite Schulterpolster, üppiges Jabot, strenge Larve. Oder, wenn sie etwas älter sind, also einer Generation angehören, die das noch nicht so leben konnte, dann fallen sie der Travestie anheim, packen sich in Frauenkleider, stopfen übergrosse Büstenhalter mit dicken Lumpen aus und nennen sich Alti Dante. Dazwischen gibt es eine ganze Bandbreite an Mänteln, Kutten oder vom vielen Tragen schon leicht muffeligen Möchtegern-Pelzen im Neandertaler-Look.

Völlig unterschätzt hingegen ist der Waggis. Ich persönlich bevorzuge die einfache Variante: rotes oder blaues Schlüppli, also Arbeiterhemd, angenehm im Schnitt, nicht zu weit, sicher nicht zu eng. Dazu eine klassische weisse Hose aus dünnem Stoff, gern etwas figurbetonter, wenn es die unteren Körperextremitäten zulassen. Dazu eine handelsübliche Ringelsocke, die Mütze nicht zu vergessen.

Für Pfeifer ist Bewegungsfreiheit im Schulter- und Kopfbereich entscheidend, deshalb wählen wir eine dezente Halblarve, die ist ja mittlerweile einigermassen akzeptiert, zumindest wenn es darunter ordentlich perlt. Zoggeli sind nur etwas für Guggen oder Wagen-Waggis, ebenso grosse rote Nasen und schlecht sitzendes Basthaar. Pfeifer bevorzugen dazu solides Schuhwerk. Gerne Rindsleder, Trekking tuts notfalls auch.

Länger war liederliches Benehmen der Beliebtheit des Kostüms abträglich, weshalb sein Potenzial heute unterschätzt wird. Aber genau so, wie das Trägerlybli und die farbige Sonnenbrille schlicht nach Ibiza gehören, gehört der Waggis an die Basler Fasnacht. Er ist nicht nur das Pièce der Wahl für den Partyschluuch, der sich an einer Wägeler-Bar mit Gummibärli (Wodka, Red Bull) oder klassischem Gin Tonic in der ungeteilten Aufmerksamkeit zivil gekleideter Damen sonnen möchte.

Der Waggis geht auch bestens für den Pfeifer von Welt, der sich – ganz Casual Fasnächtler – an nichts binden möchte, ausser an die Liebe zum feinen Klang, während er in einer charmanten Gaststube elegant durch die Nummern der Cliquenfreunde blättert, die ihn in ihrem Zyschtigs-Ziigli einstehen lassen würden. Natürlich wegen seines perforierenden Aasadss, aber auch weil so ein Waggis in sitzender Ausstattung verdammt gut aussieht. Und was den Schmuck angeht: Nichts schlägt da eine übergrosse Goldblaggedde.