Aufarbeitung

Vor über 60 Jahren erschütterten drei Morde die Region Basel — jetzt gibt es die Geschichte als Buch

Der Gedenkstein für den ermordeten Holzhändler Adolf Steinegger bei Wehr.

Der Gedenkstein für den ermordeten Holzhändler Adolf Steinegger bei Wehr.

Drei Raubmorde erschütterten die Region Basel vor über 60 Jahren. Bis heute blieben die Morde ungesühnt. Das Buch «Ungesühnt – Als Raubmorde Riehen und den Landkreis Lörrach erschütterten. Wer stand dahinter?» dokumentiert, was damals geschah.

Der Fasnachtsmontag am 3. März 1952 sollte der letzte Tag im Leben der 25-jährigen Deutschen Elisabeth Wirs werden. Sie arbeitete in der Riehener Gärtnerei Bäumlihof. Ihr Chef, Albert Bechtle, war schon gegen Mittag in die Stadt gefahren, um mit seiner Clique den Cortège vorzubereiten. Am Abend fuhr seine Ehefrau Emma mit dem Taxi auf den Maskenball. Ihre beiden Kinder liess sie mit Wirs zurück. Da ihr Mann keinen Schlüssel dabei hatte, deponierte sie ihn am üblichen Ort neben der Eingangstreppe.

Es wurde 3.30 Uhr in der Früh, bis die Gärtnersfrau wieder zu Hause war. Das Haus war verschlossen, nur das Licht über der Haustüre war entgegen der Gewohnheit ausgeschaltet. Der Schlüssel befand sich nicht am üblichen Ort, sondern einen knappen Meter vom Versteck in einer Rabatte. Emma Bechtle wurde misstrauisch.

Im Büro ihres Mannes fand sie das Hausmädchen in einer Blutlache. Die Kinder hatten nichts mitbekommen und schliefen im ersten Stock. Trotz der Einvernahme unzähliger Personen und Verdächtiger wurde der Täter der Bluttat nie gefunden. Alles sprach für jemanden mit Ortskenntnissen. Zudem war im März 1951 schon einmal in die Gärtnerei eingebrochen worden. Der Dieb erbeutete damals 4000 Franken.

237 Quellen belegen die wahren Begebenheiten

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 1953 kam es in Riehen zu einem weiteren Mord. Diesmal wurde die Wirtin des Restaurants «Zur Grenze» erstochen aufgefunden. Im Schlafzimmerschrank fehlten der Monatslohn des Dienstmädchens sowie 50 bis 60 Umschläge mit deponierten Gelder von Grenzgängern. Wie beim Mord in der Gärtnerei wurde der Täter nicht gefunden. Auch in das Wirtshaus war vorher schon einmal eingebrochen worden.

Geschildert werden diese Ereignisse in dem Buch «Ungesühnt - Als Raubmorde Riehen und den Landkreis Lörrach erschütterten. Wer stand dahinter?». Der Autor Christian Winterstein wohnte Anfang der 1950er- Jahre selber in Riehen in der Nähe eines der Tatorte. Der Mord liess ihn nicht mehr los. Das war der Grund, weshalb er sich an aufwendige Recherchen machte, eine wahre Fleissarbeit. 237 Quellen sind im Anhang aufgelistet.

Durch Zufall stiess er auf einen weiteren Mord, welcher ein Schlüssel für die anderen Taten sein könnte. Erst deshalb entschloss er sich, das Buch zu publizieren. Es beruht auf wahren Begebenheiten.

Die Exfrau belastete ihn

Am 2. Februar 1955 wurde in der Nähe von Wehr (D) der Holzhändler Adolf Steinegger erschlagen. Als Tatverdächtiger galt der 1930 in Wehr geborene Holzfäller Josef Albiez. Er gab die Tat zu und wurde zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. Albiez wurde 1979 nach 24-jähriger Haft auf Bewährung entlassen und setzte seinem Leben nur drei Jahre später ein Ende, indem er sich vor einen Zug warf.

Weil seine geschiedene Frau Gertrud ihn 1958 belastete, mit seinem Schwager Gottfried Lauber den Raubmord im Wirtshaus «Zur Grenze» begangen zu haben, legte Albiez ein neues, umfangreiches Geständnis ab. Demnach haben Albiez und Lauber die beiden Riehener Raubmorde gemeinsam begangen. Lauber spielte die aktive Rolle, Albiez stand angeblich nur Schmiere.

Lauber leugnete die Taten, nachweisen konnte man ihm nichts. Laut Albiez war er auch am Raubmord am Holzhändler beteiligt. Im Prozess wurde er mangels Beweisen freigesprochen. Bereits im Mai 1959 informierte die Staatsanwaltschaft Waldshut die Basler Kripo über ihre Erkenntnisse hinsichtlich der Riehener Fälle. Geschehen ist danach laut Winterstein in Basel nichts.

Die lückenlose Dokumentation könnte ein Bestseller sein

1969 nahm ein Detektiv der Kripo Basel den Fall auf. Aber auch das führte zu nichts. Die Riehener Morde blieben ungesühnt. Lauber lebte zurückgezogen in Birsfelden, wo er 1993 starb.

Der Verdienst Wintersteins ist es, die drei Bluttaten lückenlos dokumentiert zu haben. Lesen tut sich das nicht immer flüssig. Es gibt viele Wiederholungen, bisweilen ungeschickte Formulierungen und der Aufbau lässt zu wünschen übrig. Ein versierterer Autor hätte aus der Recherche einen Bestseller-Krimi gemacht. Spannend sind die geschilderten Ereignisse aber auch so.

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Christian Winterstein, Ungesühnt, 111 S., Schwabe Muttenz/mbassador Basel, ca 25 Franken.

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Autor

Peter Schenk

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