Kunstmesse
Volta zieht aufs Lysbüchel – und zwei neue Messen buhlen in der Art-Woche ums Publikum

Einen neuen Standort vermeldet die Kunstmesse Volta: Sie wird im Juni in der alten Coop-Verteilzentrale auf dem Lysbüchel-Areal im St. Johann-Quartier einquartiert. Zudem versuchen während der Art Basel zwei neue Satellitenmessen ihr Glück.

Naomi Gregoris und Marc Krebs
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Hier steht im Juni Kunst zur Disposition: Die Kunstmesse Volta nistet sich im ehemaligen Verteilzentrum von Coop an der Basler Elsässerstrasse ein. zVg

Hier steht im Juni Kunst zur Disposition: Die Kunstmesse Volta nistet sich im ehemaligen Verteilzentrum von Coop an der Basler Elsässerstrasse ein. zVg

Mitte Juni findet die Art Basel statt, und mit ihr Nebenmessen, die um die Gunst der kunstinteressierten Käuferschaft buhlen. In diesem Jahr versuchen zwei neue Messen, in Basel Fuss zu fassen.

Wobei die Bezeichnung «neu» nicht ganz zutrifft: Seit 25 Jahren gibt es in New York die Messe «Outsider Art Fair», die mit Werken von autodidaktischen, oft von Psychosen betroffenen Künstlern handelt. In der Schweiz ist diese Kunstrichtung abseits der konventionellen Institutionen auch als «Art Brut» bekannt. Berühmtester Vertreter hierzulande: der Berner Künstler Adolf Wölfli.

Update:

Die Kunstmesse Outsider Art Fair kommt doch nicht nach Basel, wie deren Direktorin auf Anfrage bestätigt. Das überrascht selbst das Hotel Pullman, in dessen Räume die 25 Galerien ausgestellt hätten.

Ideen aus New York und Berlin

Die Outsider Art Fair ist zwar eine Nischenmesse, erreicht in New York aber ein beachtliches Publikum. Im Januar 2018 wurde sie von 12 000 Kunstinteressierten besucht. Den Atlantik hat die Outsider Art Fair bereits überquert. Sie findet jeweils im Oktober, parallel zur Foire internationale d’art contemporain, in Paris statt. Jetzt kommt sie auch nach Basel: An der Outsider Art Fair werden rund 25 Galeristen ihre Künstler ausstellen. Standort ist das Hotel Pullman an der Clarastrasse. «Es wird keine Mini-Version der Art Basel sein», sagte der Besitzer der Messe im Februar gegenüber der «New York Times». «Wer vorbeikommt wird merken, dass er da ganz anderes Terrain betritt.»

Neues Terrain beschreitet auch die deutsche Messe «paper positions», die vom 12. bis 17. Juni mit rund 30 Galerien im Ackermannshof an der St. Johanns-Vorstadt zu Gast sein wird. Paper positions hat 2016 als Ausstellung in Berlin begonnen und ist heute ein Messeformat in Berlin und München. Die Messe handelt mit Zeichnungen, Collagen, Scherenschnitten, Texten, Fotografien, Künstlerbüchern und Objekten aus Papier. In Basel setzt sie laut Mitteilung auf eine «salonartige Situation mit fortlaufenden Ausstellungswänden».

Volta zieht wieder um

Neuland betritt auch die Satellitenmesse Volta. Diese ist in Basel längst etabliert – nicht aber ihr Standort. Seit die Messe 2005 ins Leben gerufen wurde, hat sie diesen bereits viermal gewechselt. Die erste Ausgabe fand in der Voltahalle statt, daher rührte auch ihr Name. Im Jahr darauf zog die Volta an den Basler Hafen, 2009 gab sie ein (vorerst) einmaliges Gastspiel in der Markthalle und zog dann weiter, für vier Jahre ins Kunstfreilager auf den Basler Dreispitz.

Als 2014 der Umbau des Lagers bevorstand, kehrte die Volta in die Markthalle zurück. Dieser zentrale Standort war für beide Parteien ein Segen, also auch für die Markthalle selber, die nach gescheiterten Konzepten einen grundlegenden Neustart erlebte. Noch ehe die neuen Markthallen-Betreiber erste Foodstände angelockt hatten, konnten sie mit der Volta einen Mietvertrag abschliessen. Ein Glücksfall, denn mit den Einnahmen konnten Mietzinsen über den Juni hinaus finanziert werden. Im vergangenen Jahr wurde jedoch klar, dass die Markthalle unterdessen zu sehr gewachsen und zu erfolgreich geworden ist, um für die Volta die Stände, Läden und Produktionsstandorte zu räumen. Der Personal- und Sachaufwand rechnet sich nicht mehr. Hinzu kommt, dass die Untermieter, etwa die Foodstände, ihr Geschäft zweieinhalb Wochen lang nicht betreiben können und sich über zu hohe Umsatzeinbussen beklagten.

Folge davon: Der Mietvertrag wurde 2017 nicht mehr erneuert. Die Markthallen-Betreiber halfen der Volta aber bei der Suche nach einem alternativen Standort. Fündig wurde man in der Nähe des Voltaplatzes, in der alten Coop-Verteilzentrale auf dem Lysbüchel-Areal. Gegen 75 Galerien werden dort auf 2500 Quadratmetern zu sehen sein.

Zwischennutzung im St. Johann

«There’s no place like home», frohlockt die Volta in einem Communiqué, der neue Standort sei nur fünf Spazierminuten vom Voltaplatz entfernt.

Dazu braucht man aber einen schnellen Schritt, die Elsässerstrasse 215 befindet sich nicht direkt am Platz, und abseits des Besucherflusses der anderen Kunstmessen. Einige Aussteller, so hört man, bedauern die Verlagerung an die Peripherie und sind skeptisch, ob sich der Wegzug aus der Markthalle bewährt. Die Messe selber ist optimistisch und hebt die Nähe zu den Tramstationen 1 und 11 sowie zum Novartis Campus hervor.

Doch auch diese Standort-Lösung könnte nur auf Zeit sein, handelt es sich doch vorläufig um eine einmalige Zwischennutzung. Ob die Volta auch in den folgenden Jahren im Gebäude an der Elsässerstrasse stattfinden kann, wird sich erst nach Abschluss der Mietverträge mit den neuen Mietern zeigen, meint Rolf Borner von Immobilien Basel-Stadt, die zusammen mit der Stiftung Habitat für das Grundstück zuständig sind. Die Ausschreibung für Interessenten läuft voraussichtlich noch bis diesen Sommer.

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