Internationale Suche

Verzweifelter Aufruf im Netz: Besorgte Mütter suchen ihre vermissten Teenagerinnen

Dieser Post geht durchs Internet: Die Teenager aus der Region werden von der Familie dringend gesucht.

Dieser Post geht durchs Internet: Die Teenager aus der Region werden von der Familie dringend gesucht.

Besorgte Mütter aus der Region wollen via Facebook ihre beiden Töchter finden. Polizei und Experten raten derweil von selbstständigen Suchaktionen ab. Der mediale Aufruhr könnte kontraproduktiv sein.

Zwei Familien aus der Region Basel versuchen derzeit, ihre 13-jährige respektive 16-jährige Töchter zu finden. Diese sind am vergangenen Mittwoch nicht nach Hause gekommen und seither unauffindbar.

Am Freitag veröffentlichte die Mutter des jüngeren Mädchens eine Vermisstmeldung mit Bild und Kontaktangaben. Sie postete diese auf Facebook. Laut der Mitteilung könnten die zwei Mädchen nach Berlin unterwegs sein, womöglich in Begleitung eines fünfzigjährigen Mannes. Am Montagnachmittag wurde die Publikation bereits 2500 mal geteilt und fast 200 Mal kommentiert.

Mediale Aufregung kann kontraproduktiv sein

Die Polizei Basel-Stadt rät vor selbstständigen Suchaktionen generell ab. «Im Gegensatz zu Privatpersonen hat die Polizei weitergehende Möglichkeiten» teilt das Justizdepartement auf Anfrage mit.

Die Behörden stehen mit dieser Beurteilung nicht alleine da: Anfang Jahr wurde die Leiterin der Abteilung Spezialfahndung bei der Kriminalpolizei des Kantons Bern, Gabriele Berger, zu diesem Thema vom SRF interviewt. Sie bekräftigte zwar ihr Verständnis für die Besorgnis der Eltern. «Aber so ein Aufruf im Netz ist heikel und kann für die betroffene Person schwerwiegende Nachteile haben.» Zum Beispiel warnte sie, dass die mediale Aufregung die Verschwundenen, sofern diese freiwillig von zu Hause abgehauen sind, eher von einer Rückkehr abschrecken. «Die gesuchte Person ist vielleicht in einer grossen Krise und hat sich deshalb zurückgezogen. Wenn sie von der Suche erfährt, kann das die Krise verschlimmern.» Die Person käme dann möglicherweise aus Scham nicht zurück oder würde sich länger nicht melden.

Die Posts könnten auch die Zukunft von Ausgerissenen belasten, denn sie bleiben sehr lange online. Nach einer Google-Suche kann jeder wissen, dass sie in Jugendjahren Zoff mit den Eltern hatten und weggelaufen sind. Auch würden Angehörige mit einer Flut an Hinweisen überschwemmt, von denen die meisten unbrauchbar seien. Das bringe die Angehörigen auf eine Achterbahn von Hoffnung und Enttäuschung. Eine schmerzhafte und kontraproduktive Erfahrung, so Gabriele Berger.

Spärlicher Umgang mit Vermisstenmeldungen

Tatsächlich schreibt die Mutter einer der Mädchen in der Kommentarspalte ihres Posts auf Facebook, sie werde keine Freundschaftsanfragen mehr berücksichtigen. «Manche wollen mir sicher nur zeigen, dass sie uns unterstützen wollen», schreibt sie. Aber sie sei auch auf ganz schräge Personen gestossen. «Ich habe gerade die Zeit nicht, jedes einzelne Profil zu checken, bevor ich dieses annehme.»

Auch die Polizei geht spärlich mit Vermisstmeldungen um. Auf der Webseite des Basler Justizdepartements finden sich gerade mal deren vier – seit 2014. Vermisstenaufrufe ohne strafrechtlichen Hintergrund werden erst veröffentlicht, wenn eine besondere Dringlichkeit besteht oder die zuvor eingeleiteten Schritte keine Ergebnisse gebracht haben. Laut Berger sind diese zum Beispiel bei demenzerkrankten Personen oder Kinder nützlich: «Man sieht ihnen nicht an, dass sie Hilfe brauchen und nicht für sich selber sorgen können.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1