Konzert

Verdammt! Jetzt macht Rossini auf Jazz

Vor zwei Jahren führte Choriosa das selber geschriebene Stück «Nachtleben» auf. Jetzt haben sich die Basler Sängerinnen und Sänger ganz und gar Rossini verschrieben.

Vor zwei Jahren führte Choriosa das selber geschriebene Stück «Nachtleben» auf. Jetzt haben sich die Basler Sängerinnen und Sänger ganz und gar Rossini verschrieben.

Der Basler Chor Choriosa führt am Wochenende Rossinis «Petite Messe Solennelle» auf. Das Werk lebt von der Gegensätzlichkeit: «Une pièce sacrée, une sacrée pièce de musique» - ein Stück geistliche Musik, ein verdammtes Stück Musik.

Eine Mischung aus jazzigen Fugen und traditionellen Renaissance-Klängen: Mit der «Petite Messe Solennelle» hat sich Lukas Merkelbach ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Werk für sein neues Projekt ausgesucht. Der 40-jährige Chorleiter aus Therwil und sein Chor Choriosa Basel befinden sich momentan in der Endprobenphase, am Samstag ist es dann soweit: Der 31-köpfige Chor präsentiert in der Leonhardskirche Gioachino Rossinis letztes Werk.

Zwischen Kirche und Salon

Die Aufführung ist geprägt von Gegensätzlichkeiten. Rossini selbst nannte sein Werk augenzwinkernd «une pièce sacrée, une sacrée pièce de musique» («ein Stück geistliche Musik, ein verdammtes Stück Musik»). Das «verdammte Stück Musik» Rossinis bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen religiöser Kirchenmusik und verspielter Leichtigkeit. Ein Gegensatz, der laut Merkelbach ideal zu Choriosa passt: «Als ich das Stück vor fünf Jahren zum ersten Mal hörte, wusste ich: Das ist es!», schwärmt er.

Rossinis Wortspiel ist denn auch der Grund für die ungewöhnliche Inszenierung, die sich Merkelbach für seinen Chor ausgedacht hat. Die zwei Konzerte finden an verschiedenen Orten statt und repräsentieren die Vielschichtigkeit des Werks. Während an der Aufführung am Samstagabend in der Leonhardskirche der geistliche Hintergrund des Stücks dominiert, steht der als Salonkonzert inszenierte Auftritt am Sonntagabend im Zunfthaus «Zur Mägd» für Rossinis verspielten Umgang mit der Musik.

Lust am Ausprobieren

Für den Chor ist die kommende Aufführung eine Chance, Neues auszuprobieren. Zum ersten Mal führt er ein abendfüllendes Stück auf und nicht eine Collage aus einzelnen Liedern. «Choriosa ist ein Chor, der nie zweimal den gleichen Stil verfolgt», erklärt Merkelbach. «Wir wollen Verschiedenes kennenlernen, das ist für uns viel interessanter.» Die religiöse Botschaft des Stücks will der Chordirigent nicht «streng frömmelig» deuten. «Für mich handelt es sich um eine kritische Auseinandersetzung mit Glaubensfragen. Es geht darum, seinen persönlichen Weg zu finden.»

Für sein aktuelles Projekt arbeitet Choriosa mit professionellen Solisten und Solistinnen zusammen. Auch das ist für viele der Beteiligten eine neue Erfahrung: Seit 2010 hat der Chor nicht mehr mit Profis zusammengearbeitet. Der Chor selbst hat seinen persönlichen Weg also wohl bereits gefunden. Das Credo: Neues entdecken und Spass haben.

Petite Messe Solennelle: Samstag, Leonhardskirche, 20 Uhr; Sonntag, Restaurant Zur Mägd, 17 Uhr.

Tickets kosten 35 Franken pro Person und können bei Bider & Tanner unter 061 206 99 96 bestellt werden. Für Kinder bis 10 Jahre ist der Eintritt frei. www.choriosa.ch

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