Basel
Vegi-Menüs bekommen Studenten nicht gut – sie seien «verstört»

Interne Dokumente zeigen, dass Studenten der Verzicht auf Fleisch nicht gut bekommt. Gewisse Kunden hätten ihre Teller vor der Schöpferei gar stehen gelassen. Wie geht es nun weiter?

Moritz Kaufmann
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Es begann als Lokalposse an der Uni Basel und hat sich zu einer landesweiten, gehässig geführten Diskussion entwickelt. Vor rund einem Jahr forderte eine Gruppe von Studenten an der Uni Basel eine radikale Neuausrichtung des Speiseplans an der Uni-Mensa. Selbst das Rektorat der Uni Basel sah sich genötigt, einzugreifen. Schliesslich kündigte die Mensa-Betreiberin, die in der gesamten Schweiz tätige SV-Group, Änderungen an. Seit Februar gibt es täglich zwei vegetarische Menüs, teilweise auch vegane.

Ein internes Protokoll einer Sitzung (es liegt in Auszügen der bz vor) zwischen der SV-Group und der Menu-Kommission der Uni zeigt aber, dass sich die Studenten schwer tun mit der Umgewöhnung. «Der Versuch zur Abwechslung des fleischlosen Menüs ist fehlgeschlagen», heisst es da. Die Idee sei gewesen, die Konsumenten von der «fixen Idee» abzulenken, Fleisch auf dem Teller zu haben. «Stattdessen reagierten die Kunden entsetzt, verstört und verzweifelt, gar wütend, als sie ihr ungewollt vegetarisches Menü vor ihnen entdeckten», hält das Protokoll weiter fest. Gewisse Kunden hätten ihre Teller vor der Schöpferei gar stehen gelassen.

«Vegi» besser nicht deklarieren

Besonders den veganen Kunden der Uni-Mensa kommt die Betreiberin SV-Group aber weiter entgegen. Seit Montag gibt es täglich ein Sandwich ohne tierische Produkte, jeden zweiten Mittwoch soll zudem ein veganer Burger serviert werden.

Kornell Otto, zuständiger Projektleiter für klimaschonende Gastronomie bei der SV-Group, bestätigt das neue vegane Angebot an der Mensa. Das sei kein «Kompromiss», sondern ein Ausbau der Snackangebote auf Wunsch der Studenten. Auf die Frage, wie es mit der «Umgewöhnung» auf weniger Fleisch stehe, antwortet er aber eher ausweichend: «Das Angebot an Fleisch hat sich nur leicht verändert.» Das Feedback sei positiv. Es sei ja weiterhin für jeden etwas dabei. Der Verkauf von vegetarischen Menüs habe zugenommen, lässt die SV-Group auf Nachfrage verlauten. Das liege wohl daran, dass «das Angebot an fleischlosen und fleischarmen Produkten ausgebaut und attraktiver gestaltet wurde.» Eine aktuelle Befragung liege aber nicht vor, sagt SV-Sprecherin Marion Münstermann.

Trotzdem: Das Attribut «vegi» scheint es schwer zu haben unter den Studenten. Das sagt auch Jens Hermes, vor einem Jahr einer der Vorkämpfer für weniger Fleisch an der Mensa. «Es hat sich offenbar gezeigt, dass, wenn man ein fleischloses Menü mit ‹vegetarisch› anschreibt, es weniger gut ankommt, als wenn man es nicht oder anders anschreibt», sagt er. Obwohl er vor einem Jahr noch lautstark einen fleischlosen Tag an der Uni forderte, ist er heute zufrieden mit dem Erreichten. «Es hat sich einiges getan. Und das, was sich getan hat, ist gut.»

Protest nur in Basel so gross

Hermes spricht damit auf die Diskussion an, die nun auch an anderen Hochschulen geführt wird. Zudem habe das Thema schweizweit Interesse geweckt. Tatsächlich sind vegane Aktivisten weiter in der Offensive. Den November haben sie zum veganen Monat erklärt. Interessierte, die auf eine vegane Ernährung umstellen wollen, werden unterstützt. Jeden Tag werden vegane Rezepte vorgestellt.

Kornell Otto von der SV-Group sagt rückblickend: «Die Diskussion um ein erhöhtes veganes Angebot hat sich in unseren anderen Betrieben so nicht gestellt.» Jeder Gastronomiebetrieb sei individuell wie seine Kunden. «Wir haben die Diskussion interessiert verfolgt. Ein so grosses Medienecho wie an der Uni Basel konnten wir bislang bei keinem unserer anderen Betriebe feststellen.»

Vegan-Aktivist Jens Hermes ist heute übrigens nicht öfter in der Uni-Mensa anzutreffen als früher, als es noch keine vegane Angebote gab. Das hat aber einen einfachen Grund: «Ich bin nicht mehr Student an der Uni Basel.»

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