E-Mobilität
Vandalismus, wenig Nutzung und viel Skepsis – verschwinden die Enuus bald wieder aus Basel?

Seit vier Monaten ziehen die eiförmigen Elektro-Fahrzeuge des Bieler Start-ups Enuu nun schon durch die Strassen Basels. Während den futuristischen Mobilen anfangs noch belustigt hinterhergeblickt wurde, wenn sie sich geräuschlos durch den Verkehr schlängelten, scheinen die Enuus heute bereits ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein.

Julian Förnbacher
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Basel als hartes Pflaster: Die Enuu-Vehikel sind für Vandalen beliebte Zielscheiben.

Basel als hartes Pflaster: Die Enuu-Vehikel sind für Vandalen beliebte Zielscheiben.

Juri Junkov

Wie Beobachtungen zeigen, stehen die Enuus oftmals tagelang am selben Ort, werden weniger bewegt als noch im Herbst. Das Interesse scheint wieder verflogen, wie das Basler Verkehrsdepartement bestätigt. «Das Amt für Mobilität hat kurz nach der Lancierung einige Anfragen aus der Bevölkerung erhalten, vor allem zur Frage, wo man Enuus abstellen darf. Seit Dezember gingen hierzu aber keine Anfragen mehr bei uns ein», heisst es.

Was jedoch offensichtlich zugenommen hat, ist der Vandalismus an den Hartschal-Vehikeln. Ob beschädigt, umgeworfen oder vollgesprayt – die Enuus müssen in Basel einiges über sich ergehen lassen. Dass die Beschädigungen an diesen Fahrzeugen in letzter Zeit zugenommen haben, habe man auch bei der Basler Staatsanwaltschaft registriert, wie Sprecher Peter Gill schreibt. Eine separate Statistik über Sachbeschädigungen an Fahrzeugen erfasse man jedoch nicht.

Am Anfang ist da die Zerstörungswut

SP-Grossrat Jörg Vitelli testete die Enuus bereits, als diese nur in Biel fuhren und in Basel noch nicht zugänglich waren. Seine Meinung zu den Gefährten ist klar: «Ich finde es eine unsägliche Sache, dass diese E-Gefährte die Basler Veloparkplätze blockieren», sagt er. Dass die Enuus oft mehrere Tage auf demselben Veloparkplatz stehen bleiben, während die Gefährte der Konkurrenz, etwa E-Bikes, viel regelmässiger bewegt würden, beobachte er regelmässig in seinem Wohnquartier. «Entsprechend vermute ich, dass die Enuus in Basel vergleichsweise weniger genutzt werden», sagt er.

Dass neue Formen der E-Mobilitätsdienste, die nach dem Sharing-Prinzip funktionieren, erst einmal auf Ablehnung stossen, ist nichts Neues. So wurden in Basel auch regelmässig E-Trottinetts verschiedenster Anbieter zum Opfer von Vandalismus, selbst der lokale Branchenprimus Pick-e-Bike hatte zu Beginn mit Zerstörungswut zu kämpfen. «In der Startphase zwischen Mai und August 2018 gab es rund 30 Fälle von Vandalismus», erzählt Geschäftsführer Stephan Brode.

Sein Projekt hat jedoch einen Weg gefunden, den Vandalen zu entgehen – man habe eine zweigleisige Strategie gefahren: «Zum einen haben wir unsere Community auf den sozialen Netzwerken aktiviert und sie gebeten, ein Auge auf unsere Bikes zu werfen. Zum anderen haben wir konsequent jeden Fall von Vandalismus verfolgt und bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Viele Fälle konnten aufgeklärt werden. Das wirkt abschreckend.»

Das zeigte Wirkung. Mittlerweile sind die E-Bikes akzeptiert und werden rege genutzt, der Vandalismus beschränkt sich auf wenige Fälle von unsachgemässem Gebrauch und Schmierereien.

Vandalismus auch an anderen Standorten

Ein Weg, den auch Enuu einschlagen sollte? «Ein Patentrezept gibt es leider nicht. Wichtig ist, Vandalismus nicht als gesellschaftsgegeben hinzunehmen, sondern jeden Fall zu verfolgen», sagt Brode von Pick-e-Bike. Vitelli versteht die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber den E-Autos, gleichwohl kann auch er den Vandalismus nicht nachvollziehen: «Seinen Unmut gegen dieses Angebot auf diese Weise kundzutun, finde ich verwerflich.»

Wichtig ist, jeden Fall von Vandalismus konsequent zu verfolgen.

(Quelle: Stephan Brode, Geschäftsführer Pick-e-Bike)

Der Enuu-Vandalismus ist allerdings kein spezifisch baslerisches Phänomen. Auch an anderen Standorten wurden die eiförmigen Fahrzeuge immer wieder zur Zielscheibe von Vandalismus. In Biel musste sogar unlängst ein Enuu von Tauchern der Berner Kantonspolizei aus einem Fluss geborgen werden.

Zukunft der Enuus bleibt ungewiss

Warum ausgerechnet die Enuus so viel einstecken müssen, bleibt unklar. Auch, weil die Betreiber des Start-ups eine Anfrage der bz hinsichtlich der Vandalismus-Vorfälle unbeantwortet liessen. Entsprechend war auch nichts über das geplante weitere Vorgehen der Firma, die im Smart City Lab auf dem Basler Wolf Areal beherbergt ist, oder über die Zukunft der E-Fahrzeuge in Basel in Erfahrung zu bringen.

Ob die E-Mobile noch lange auf den Basler Strassen herumflitzen werden, bleibt deshalb unklar. Nachdem sich Enuu nach wiederholten Vandalismusvorfällen bereits aus Zürich zurückziehen musste und seinen Service in Biel zum Jahreswechsel vorübergehend eingestellt hat, scheint zumindest nicht ausgeschlossen, dass man sich auch bald wieder aus dem Basler Markt verabschiedet.

Für Jörg Vitelli scheint klar, dass die Enuus das Basler Stadtbild nicht mehr lange mitgestalten werden: «Ich nehme an, dass die Enuus noch einige Monate in Basel bleiben werden, zumal sie ja 65'000 Franken aus dem Pendlerfonds erhielten. Doch wenn die Nutzung nicht ansteigt, wird es sich für die Betreiber kaum lohnen, den Betrieb hier langfristig aufrechtzuerhalten.»

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