Basler Verkehrs-Betriebe

Unzufrieden und kein Vertrauen: BVB-Mitarbeiter stellen der Leitung miserables Zeugnis aus

Für den eigenen Webauftritt lächelt die Belegschaft der BVB – in der aktuellen Mitarbeiterbefragung zeigt sich jedoch eine tiefe Unzufriedenheit vor allem mit der Unternehmensführung.

Für den eigenen Webauftritt lächelt die Belegschaft der BVB – in der aktuellen Mitarbeiterbefragung zeigt sich jedoch eine tiefe Unzufriedenheit vor allem mit der Unternehmensführung.

Die Zufriedenheit der Belegschaft liege gemäss neuester Mitarbeiterbefragung bei 61 von 100 möglichen Punkten. Die Stimmung bei der Belegschaft der Basler Verkehrs-Betriebe dreht weiter in der Abwärtsspirale.

Die Worte, die der langjährige Tramführer wählt, sind erschütternd. «So schlimm wie jetzt war es noch nie. Viele meiner Kollegen haben innerlich gekündigt und erdulden die Situation nur noch. Oder sie getrauen sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre gar nicht erst, etwas zu sagen.» Alleine ist er mit dieser Einschätzung nicht.

Kurz vor Weihnachten haben die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) die schlechte Botschaft im Ansatz publik gemacht: Die Zufriedenheit der Belegschaft liege gemäss neuester Mitarbeiterbefragung bei 61 von 100 möglichen Punkten. Dies ist einer weniger als bei der Befragung vor zwei Jahren, als sich die BVB vermeintlich auf ihrem Tiefpunkt befanden und sich von einem Skandalon zum nächsten hangelten.

Der «Schweiz am Wochenende» liegt nun die detaillierte Auswertung der Mitarbeiterbefragung vor. Sie zeigt das ganze Ausmass der Misere. Die Werte sind in fast allen entscheidenden Punkten nochmals gesunken, teilweise deutlich. Besonders frappant neben der grossen Unzufriedenheit ist das mangelnde Vertrauen in die Geschäftsführung. Die Mitarbeitenden stossen sich daran, dass die oberste Führung keine Vorbildfunktion übernehme.

Führung ist kein Vorbild

Gerade mal 8 Prozent der Mitarbeiter können guten Gewissens die Aussage «Die Geschäftsleitung lebt die Unternehmenswerte vor» unterschreiben. Dass diese die Anliegen und die Bedürfnisse der Mitarbeiter ernst nimmt, stimmen nur 9 Prozent voll zu.

60 Prozent der Befragten verneinen, dass genügend Kontakt der Geschäftsleitung zu den Mitarbeitern besteht. Im Vergleich zur letzten Mitarbeiterbefragung ist auch dieser Wert nochmals deutlich gesunken. Im Veränderungsprozess, den Direktor Erich Lagler den BVB verschrieben hat, sehen sich die Mitarbeiter nicht mitgenommen.

Der Tramführer sagt: «Die Missstände sind seit Jahren bekannt und es wird versprochen, dass sich etwas ändert, aber es passiert nie etwas. Die Leute fühlen sich in die Pfanne gehauen. In die Geschäftsleitung haben nur noch die wenigsten Vertrauen. Da kamen bisher viele schöne Versprechungen, aber wirklich verbessert wurde nichts.»

Die Zahlen sind ein weiterer Rückschlag für das krisengeplagte Unternehmen. Vor eineinhalb Jahren hatte die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rats nach einer umfassenden Untersuchung das schlechte Klima mit deutlichen Worten kritisiert. Noch am gleichen Tag traten der Verwaltungsratspräsident und sein Vize zurück.

Der zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) musste sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lange weggeschaut zu haben. Als Reaktion wurde den BVB in der Eignerstrategie von der Regierung eine bessere Mitarbeiterzufriedenheit ins Pflichtenheft geschrieben. Auch die neue Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler erklärte das Arbeitsklima bei ihrem Amtsantritt zur Chefsache.

Weit weg vom Benchmark

Wie schlecht die Situation bei den BVB ist, zeigen auch die Vergleiche mit anderen Schweizer öV-Unternehmen und weiteren Firmen, die das auf Mitarbeiterbefragungen spezialisierte Büro Icommit untersucht hat.

Bei allen Themen schneiden die BVB weit unter dem Schnitt ab. Beim Arbeitsklima liegt der Basler Betrieb 26 Punkte hinter den anderen öV-Unternehmen. Eine Ausnahme: Das Commitment, also die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, ist bei den BVB mit 80 Punkten nach wie vor hoch und nicht sonderlich tiefer als bei anderen Unternehmen.

Die Trämmler sind nach wie vor stolz für die BVB zu arbeiten. Doch je älter und länger die Mitarbeiter dabei sind, desto unzufriedener sind sie laut Umfrage. Von ihnen gibt es viele, da 39 Prozent der Belegschaft älter als fünfzig Jahre ist. «Als ich angefangen habe, war klar, der Job ist hart, aber man hat eine sichere Stelle und eine gute Pensionskasse. Das ist nicht mehr so», sagt der Tramführer.

Leistungen gestrichen

Viele Leistungen, die man früher als Tramführer hatte, seien gestrichen worden. «Die Arbeitsbedingungen haben sich massiv verschlechtert. Früher war auf lange Zeit hinaus klar, wie man arbeitet. Heute weiss ich nicht einmal, welche Schichten ich nächsten Monat habe.» Das sei eine grosse Belastung und rufe viel Unmut hervor. «Durch die jetzige Situation werden immer mehr Leute krank oder resignieren», so der Tramführer.

Entsprechend schlecht werden die BVB von ihren Mitarbeitern auch in den Bereichen Gesundheit und Work-Life-Balance beurteilt.

Eine Anfrage der «Schweiz am Wochenende» an die Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler wurde von der Medienabteilung der BVB beantwortet. Konkret auf die einzelnen Fragen ging diese dabei nicht ein, stattdessen präsentieren die BVB PR-Floskeln.

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