Guerilla-Marketing
Unternehmen bietet Gratis Alkohol für Studi-Partys

Ein Unternehmen sponsert Getränke und Zigaretten für die WG-Party. Junge Leute im Alter zwischen 18 und 30 Jahren werden gezielt gesucht, um somit Marken zu präsentieren, die sonst eher nicht von diesem Kundensegment konsumiert werden.

Benjamin Rosch
Drucken
Teilen
Studenten und junge Berufstätige gehören zur Zielgruppe der Partyguerilla.

Studenten und junge Berufstätige gehören zur Zielgruppe der Partyguerilla.

KEYSTONE

Spirituosen, Bier, Zigaretten und Snacks – das Unternehmen Partyguerilla sponsert den Bedarf für die private Feier. Junge Leute im Alter zwischen 18 und 30 Jahren werden gezielt gesucht, um an deren WG-Partys Marken zu präsentieren, die sonst eher nicht von diesem Kundensegment konsumiert werden. Der einzige Haken: Ein Vertreter des Unternehmens taucht an der Veranstaltung auf und macht Fotos, die zum Beweis an die Sponsoren geschickt werden. Zu diesen gehören Marken wie Heineken, José Cuervo Tequila oder auch die Zigarettenmarke Parisienne.

Partyguerilla stammt aus Deutschland und blicke auf erfolgreiche zwei Jahre zurück, wie Team-Koordinator Marton Balas sagt: «Das Unternehmen startete 2013 in Bayern und Baden-Württemberg.» Schnell wurde die Reichweite auf ganz Deutschland ausgedehnt, derzeit werden knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt. «Vergangenes Jahr haben wir insgesamt über 1200 Partys unterstützt.»

4 bis 6 Partys monatlich in Basel

2015 sollen mehr als 1600 Feiern folgen. Dafür wird weiter expandiert: Neu ist das Angebot in Österreich sowie in Schweizer Städten wie Zürich oder Genf und auch in Basel vorhanden. «Ziel ist es, hier vier bis sechs Partys monatlich zu unterstützen.» Der Start verlief mit erst fünf Events seit letztem Oktober eher harzig. Aber: «Die Nachfrage steigt stetig», so Balas. Besonders wenn das neue Semester anläuft, erwartet er einen Anstieg an Bewerbungen. Zur Zielgruppe gehören hauptsächlich Studenten, aber auch junge Berufstätige.

Für die Werbekunden bedeutet das Stiften von Alkohol und Tabak eine Investition: «Studenten sind die Besserverdiener von morgen und auf diese Weise können sie nachhaltig an Premium-Produkte herangeführt werden», erklärt er das Prinzip. Die Marketingstrategie sei neu und eröffne «einen guten Zugang zu einer schwer erreichbaren Zielgruppe, wo herkömmliche Werbung kaum mehr Beachtung findet.» Ein «cleveres Konzept», findet Frank Bodin, CEO der Werbeagentur Havas. «Das Vorgehen in diesem Ausmass ist für die Alkohol- und Zigarettenbranche neu», sagt er. «Die Frage bleibt, ob es ethisch vertretbar ist.»

Den Vorwurf, jugendlichen Alkoholismus zu fördern, sowie junge Erwachsene zum Rauchen zu verführen, will Balas nicht gelten lassen. «Wir halten uns an die Regeln des Responsable Drinking. Wir benützen für unsere Lieferungen einen Warenrechner, mit dem ein gemässigter Pro-Kopf-Konsum berechnet wird. Bei 100 Gästen bedeutet dies beispielsweise rund 10 Flaschen Spirituosen.»

Aktuelle Nachrichten