Nachholbedarf
Universität Basel will mehr für Start-ups tun

An der Uni Basel könnten viel mehr Firmen entstehen, findet Vizerektor Ed Constable, Vizerektor der Uni Basel für Forschung. Doch wie kann Basel besser werden?

Stefan Schuppli
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Forschender Blick auf die Petrischale: Ist die Zellkultur erfolgreich? Ist das Labor erfolgreich? Und später die Firma?

Forschender Blick auf die Petrischale: Ist die Zellkultur erfolgreich? Ist das Labor erfolgreich? Und später die Firma?

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Wer einen Blick in die Statistik der Firmengrundungen wirft, stellt fest: Die ETH-Städte Zürich und Lausanne schlagen Basel um Längen. So kommt die Analyse der Start-up-Website startup.ch für die ETHZ auf 171 Gründungen und für Lausanne auf 134. Die Uni Basel hingegen kommt gerade mal auf 16.

Ed Constable, Vizerektor der Uni Basel für Forschung, verwundert die Zahl nicht. «Man muss sie in einen Zusammenhang stellen. Wir haben keine Ingenieurschule und können nicht direkt mit der ETH verglichen werden.» Trotzdem verwundert die Zahl, und Constable räumte an der Jahrestagung des Vereins Biovalley ein, man sei mit diesen Zahlen «unhappy». Denn die Life-Science-Region hat ein sehr gutes Netzwerk von Dienstleistern, die gründungswilligen Forschern zur Seite stehen. Constable kam auf 41 Organisationen.

«Wenn wir die guten Bedingungen und die gut ausgebaute Unterstützung anschauen, könnten wir besser sein.» Peter Burckhardt, Präsident der Start-up-Agentur EVA in Basel, erwähnt, dass Studierende in beiden technischen Hochschulen angehalten seien, anwendungsbezogene Forschung zu betreiben. Die Resultate liegen auf der Hand. Ausserdem sei Zürich ein Informatik-Hub, der sehr viele Start-ups generiere. «Basel kommt da schlecht weg.» Er fügt an, dass im Bereich Life Science Basel mit Zürich aber nur etwa gleichauf liegt. Der Pharmacluster zeigt sich da doch etwas schwach – wenn man bedenkt, dass Basel weltweit eine der führenden Pharmaregionen ist.

Eine Auswahl

Starthilfen für neue Firmen

In der Szene der Start-ups tummeln sich in der Region rund 40 Akteure. Hier eine kleine Auswahl.

Unitectra. Technologietransfer-Organisation der Universitäten Basel, Bern und Zürich. Sie unterstützt die Forschenden bei Kooperationen mit der Privatwirtschaft und anderen privaten oder öffentlichen Institutionen.
Basel Inkubator. Hier können Jungunternehmer ihre ersten Schritte zur Bildung eines Start-ups machen. (Uni Basel, FHNW, EVA Erfindungsverwertung).
EVA. Von der Idee zum Business-Erfolg für Life-Science-Projekte. Bietet Coaching, Netzwerke von Fachleuten und Financiers, Anschubfinanzierung.
Biobac. Plattform für Unternehmensfinanzierung seit 2006.
Technologiepark Basel. Im Stücki Business Park seit 2011 Adresse für Technologie-Start-ups.

Swiss Innovation Park. Innovationsprojekt des Bundes in Allschwil. Bietet Forschergruppen im vorkommerziellen Stadium Zugang zu einem unabhängigen Forschungsumfeld im Bereich Biomedizin und Biotechnologie. Die Nutzfläche soll von 5000 Quadratmetern bis Ende 2018 auf deren 25 000 erweitert werden.
Basel Area. Standortpromotion der Region Basel. Bietet grosses Netzwerk, Coaching und Veranstaltungen.

BaseLaunch. Hilft die Vorhaben von vielversprechenden Healthcare-Startups zu beschleunigen und zu entwickeln. Das Projekt wurde 2017 von Basel Area lanciert. Um das ungenutzte Innovationspotenzial im Bereich Life Sciences auszuschöpfen, spannt BaseLaunch mit dem Kickstart Accelerator der Organisation Digitalswitzerland zusammen.
Hubbasel. Will den «Impact Hub» nach Basel bringen. Impact Hub ist ein der Nachhaltigkeit verpflichtetes Netzwerk, das an verschiedenen Orten Arbeitslokalitäten (meist Büros) zur Verfügung stellt.

Startup Academy. Gemeinnütziger Verein, der Menschen mit Geschäftsideen und Menschen mit Wissen und Erfahrungen zusammenbringt.
IVE. Institut für wertebasiertes Unternehmertum. Kurse für Studierende.
Venturelab. Analysiert seit 2004 Geschäftsideen und bietet Coaching an. 2015 schafften es 69 Venturelab-Schüler in die Top 100 der besten Schweizer Start-ups.
Rakete Dreispitz. Haus für die Kreativwirtschaft für Jungunternehmer.
Businessparc Reinach. Seit Jahren die wichtigste Adresse für Start-ups im Birstal. Netzwerk, Beratung. (STS)

Constable: «Innovation ist ein kritischer Faktor des Erfolgs und der Anerkennung der Universität in der Gesellschaft. Wir sind sehr erfolgreich beim Entwickeln neuer Ideen und in der hoch qualifizierten Wissenschaft. Wir stellen aber zunehmend fest, dass wir das Potenzial, diese Ideen und Innovationen in praktischen Anwendungen umzusetzen, nicht voll nutzen.»
Rezepte für den Wandel

Wie kann Basel besser werden? Im Gespräch mit der bz erwähnt Ed Constable drei Aspekte: «Es braucht einen kulturellen Wandel. Wir müssen sicherstellen, dass sich alle unsere Forscher auf sämtlichen Ebenen, Doktoranden und Professoren, bewusst sind, dass sie ihre Entdeckungen oder Erfindungen nutzen und kommerzialisieren. Weiter sollen unsere Uni-Abgänger auf eine Welt vorbereitet sein, die ‹entrepreneurial› ist. Wir müssen ihnen dieses Wissen, die Kompetenzen und Fertigkeiten mitgeben, beispielsweise durch Kurse nach dem Doktorabschluss.»

Drittens sollte der Informationsfluss und der Austausch zwischen dem kommerziellen Umfeld und dem der Universität verbessert werden. «Wir sehen uns als erste in der Wertschöpfungskette für Produktentwicklung.»

Die neue Innovationsstrategie ist auch ein Anliegen von Uni-Rektorin Andrea Schenker Wicki. «Wir haben kürzlich den Wissenschaftler und Firmengründer Hans-Florian Zeilhofer als Vizerektor an Bord geholt und früher im Jahr den Innovationsfachmann Christian Schneider. Meine Aufgabe ist es, Basisforschung zu identifizieren, die Potenzial für eine kommerzielle Entwicklung hat», sagt Constable.

Verwirrende Lage

Doch es gib noch ein anderes Problemfeld: die eingangs erwähnte Vielfalt von Dienstleistern im Bereich der Firmengründung. Als Aussenstehender oder Newcomer ist die Lage verwirrend.
«Wenn die Uni wirklich einen Einfluss haben will, brauchen wir keine Diaspora von verschiedenen Eingangstoren, wir müssen ein Portal haben.» Mit der Zersplitterung «verlieren wir den guten Willen der Forscher und der externen Organisationen». Ed Constable glaubt, dass es an der Uni ist, ein solches Portal zu initiieren.

Wichtig auch, so Constable, dass nicht nur die ausseruniversitären Organisationen bei Fragen zu Unternehmensgründung, Patentrecht und der Infrastruktur den richtigen Ansprechpartner finden, «sondern auch unsere Forscherinnen und Forscher. Unsere Rolle ist ein bisschen die einer Partnervermittlung. Wir bringen Partner zusammen und schauen, ob die Magie da ist.» Einen Namen für diese Einrichtung gibt es noch nicht.

Grossfinanzierungen schwierig

Ein wirksamer Weg, Wissenschaftler zu motivieren, seien finanzielle Anreize, sagt Constable. «Eine etwas amerikanische Haltung. Sie darf aber nicht zu einer Monokultur werden, die einzig auf die Kommerzialisierung hinausläuft und Forschung vernachlässigt.»

«Blue Sky founding», das Gründen einer Firma ins Blaue hinaus, sei aber auch wichtig. Viele Innovationen kämen von völlig unerwarteten Beobachtungen. Es müsse eine Balance bestehen zwischen zielgerichteter Forschung und solcher, die von intellektueller Neugierde getrieben sei.
Der Kontakt zu Start-up-Financiers ist in diesem Zusammenhang absolut wichtig. Peter Burckhardt von der Finanzierungsgesellschaft EVA stellt fest, dass die Erstfinanzierungen von noch kleinen Firmen in der Regel recht gut zustande kommen. Schwierig werde es, wenn es später um Beträge von 40 bis 50 Millionen Franken gehe.

In der Region Basel ist im Forschungsbereich, wie nicht anders zu erwarten, vieles auf Life Sciences fokussiert. Doch gemäss Ed Constable sei man auch im Bereich der Physik, Chemie und Materialien sehr erfolgreich. Es gibt grosses Potenzial in der Medizintechnik, der Psychologie und in anderen Humanwissenschaften.

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