Parkplätze
Ungenutzte Velo-Abstellfelder statt Parkplätze – im Wettsteinquartier ärgern sich die Autofahrer

Im Basler Wettsteinquartier sind Autoparkplätze rar – die neuen Velofelder hingegen werden verschmäht.

Benjamin Rosch
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Velo- und Töfffahrer meiden die neuen Parkfelder – Autofahrer hätten diese nur zu gerne zurück.

Velo- und Töfffahrer meiden die neuen Parkfelder – Autofahrer hätten diese nur zu gerne zurück.

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Im Basler Wettsteinquartier hat es zu wenig Parkplätze – trotz Parkraumbewirtschaftung. «In diesem Quartier spielt sich gerade eine enorme Verdichtung ab und das macht sich auch im öffentlichen Parkraum bemerkbar.» Dies sagte Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) in einem Interview mit der bz im letzten Jahr. Die Parkplatznot sei gross, deshalb wolle er den Bau eines unterirdischen Quartierparkings unter dem Landhof vorantreiben.

Dies hat dazu geführt, dass Wessels’ Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) im Sommer Parkuhren eingeführt hat, von denen die Anwohner ausgenommen sind: «Somit stehen den Anwohnenden seit letztem Sommer rund 100 Parkplätze mehr zur Verfügung», sagt BVD-Sprecherin Nicole Stocker.

Anwohner erzürnt

Nun macht das BVD allerdings wieder einen Schritt zurück: Vergangene Woche wurden mehrere blaue Parkfelder weiss übermalt – zugunsten von Velo- und Moto-Parkplätzen. Anwohner ärgern sich, denn diese werden kaum genutzt. «In diesen Feldern stehen jeweils ein bis drei Velos statt der möglichen 20», sagt auch FDP-Grossrat und Anwohner Beat Braun. Die Trottoirs seien breit genug, um die Velos vor den Häusern abzustellen, sagen Anwohner.

Zudem hätten die Häuser dort jeweils Velokeller, sagt CVP-Grossrat Balz Herter. Er hat gestern eine Anfrage eingereicht, in der er die Regierung bittet, auf den Entscheid zurückzukommen.
Das BVD hingegen begründet den Wegfall der blauen Zone mit dem steigenden Bedarf nach Motorradplätzen: «In Basel kommen wir dem erhöhten Bedarf an Motorrad-Abstellplätzen nach, unter anderem auch im Wettsteinquartier.

Da wir Zweiräder – also unter anderem auch Fahrräder – als platzsparende Verkehrsmittel allgemein fördern möchten, erstellen wir jeweils Abstellplätze, die auch für das Abstellen von Velos genutzt werden können», sagt Stocker.

Doch auch Töfffahrer meiden die weissen Felder. Der Grund: Auf diesen drohen Motorräder schnell umzufallen, sollte sie ein Auto beim Parkieren touchieren. Verbotenerweise stellen Töfffahrer ihre Maschinen ebenfalls auf dem Trottoir ab.

Braun rechnet damit, dass damit der Basler Gewerbeverband Auftrieb erhalten könnte. Dieser hat zwei Initiativen im Köcher, um die Autofahrer zu unterstützen. Es ist die Antwort auf die Umsetzung der Städteinitiative. Diese verpflichtet die Regierung zur Reduktion des motorisierten Verkehrs – und ist gleichzeitig Hintergrund der ewigen Parkplatzdebatte.

Keine rasche Lösung in Sicht

Das BVD verweist hingegen nach wie vor auf das Quartierparking Landhof. «Für dieses wurde im Februar ein Angebot ausgelobt. Der Entscheid muss nun vom Regierungsrat genehmigt werden. Der Entscheid wird bis zu den Sommerferien erwartet. Anschliessend wird der Entscheid publiziert und die Planungen können vorangehen», sagt Stocker. Unter dem alten FCB-Stadion sollen also irgendwann Parkplätze entstehen.

Von einer raschen Lösung ist indes nicht auszugehen. Das Basler Stimmvolk hat 2010 entschieden, das älteste Fussballstadion der Schweiz zu belassen. Von erneutem Widerstand ist auszugehen. Parkplätze versus Fussballromantik und Grünfläche – das verspricht eine spannende Affiche.

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